Österreich

voestalpine-Chef sieht Krise in Stahlbranche als hausgemacht

Dem Chef des Linzer Technologiekonzerns voestalpine zufolge ist die Krise in der europäischen Stahlbranche hausgemacht. In der EU sei "eine echte Strukturbereinigung mit nennenswerten Produktionsrücknahmen sowie einer gezielten Fokussierung auf zukunftsorientierte Produkte" bisher ausgeblieben, schreibt Wolfgang Eder in einem Gastkommentar in der deutschen Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag".

Länder wie China laufen der EU den Rang ab.  SN/APA (AFP)/WANG ZHAO
Länder wie China laufen der EU den Rang ab.

"Die Branche steckt in gnadenloser Zukunftsverweigerung fest", attestiert der voestalpine-Chef, der auch Vizepräsident des Weltstahlverbands ("worldsteel") ist. Zwar habe sich die Zahl an größeren Stahlunternehmen in der EU seit Mitte der 1990er-Jahre von über rund zwei Dutzend auf heute gerade einmal sechs oder sieben reduziert, doch viele schon damals nicht mehr rentable Werke liefen, gleichsam geschützt durch die Anonymität einer neuen, größeren Gruppe, weiter. Man sei leider vielfach immer noch stolz auf die Erzeugung möglichst vieler Millionen Tonnen Stahl, kritisiert Eder.

Es dominiere unverändert die Produktion von Massenstahl. Doch dieser könne "nicht erst seit heute wesentlich kostengünstiger überall anders als in Europa erzeugt werden". Und Europa habe nicht erst seit den chinesischen Billigstahlattacken "mindestens 30, 40 oder 50 Millionen Tonnen zu viel an Stahlkapazität" pro Jahr. Die Hersteller sollten aber auf Qualität statt auf Quantität setzen. "Je innovativer desto zukunftssicherer", müsste das Leitmotiv der Branche laut Eder heißen.

Für dieses "in erster Linie zutiefst hausgemachte Thema" sind dem voestalpine-Chef zufolge "Politik und Unternehmen seit vielen Jahren gleichermaßen verantwortlich". Es mangle an Realitätssinn und Veränderungsbereitschaft.

Die Konsolidierung der Branche in Europa habe nur "vordergründig massiv, letztlich allerdings bloß rechtlich" stattgefunden. Die Situation werde natürlich durch "die Verwerfungen einer vielfach technische Machbarkeiten ignorierenden Klima- und Energiepolitik" in Europa sowie die Dumpingstähle aus Billiglohnländern verschärft.

Europa werde "nie wieder so viel Stahl brauchen wie in den vergangenen Jahrzehnten", konstatiert Eder unter Verweis auf die Budgetnöte vieler Länder und die auf Jahre hinaus fehlenden Infrastrukturgroßprojekte der öffentlichen Hand. Zudem sorgten Leichtbau und Konkurrenzwerkstoffe in anderen Kundenbranchen für permanenten Mengendruck.

Quelle: APA

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