Österreich

Volksbanken wollen bis März sichere Ratingnoten zurück haben

Die nach der ÖVAG-Zerschlagung neu formierte Volksbankengruppe hat ihren Fusionsplan abgearbeitet. 2016 wurde eine erste Tranche Staatsgeld zurückgezahlt. Heuer folgt eine weitere Tranche. Bis März 2017 will sich die Gruppe von den Ratingagenturen das als sicher geltende Siegel "Investment Grade" zurückholen.

Volksbanken-Chef hofft auf "Investment-Grade".  SN/apa
Volksbanken-Chef hofft auf "Investment-Grade".

Als die alte ÖVAG (Volksbanken AG) vor drei Jahren ins Wanken kam, waren deren Anleihen in den spekulativen Bereich bzw. auf Ramschniveau gestuft worden. Moody's hatte die Beurteilung damals überhaupt eingestellt. Fitch verteilte immer schlechtere Noten, letztmals Anfang 2015. Die ÖVAG ist seit eineinhalb Jahren Geschichte. Der Abbauteil landete in einer Bad Bank (Immigon). Der Fortführungsteil samt Zentralinstitutsfunktion ging an die Volksbank Wien.

"Unser Ziel ist es, im ersten Quartal wieder den Investment-Grade-Status zu bekommen", sagte Volksbank-Wien-Chef Gerald Fleischmann für den Volksbankenverbund im APA-Gespräch. Das sei das nächste größere Ziel. Zur Zeit gibt es nur von Fitch ein Rating, von Moody's wird die Gruppe derzeit nicht benotet. "Wir streben auch wieder ein Moody's Rating an, ebenfalls Investment Grade, ebenfalls im ersten Quartal."

Diese Ratingstufe gilt generell als Messlatte bzw. Eintrittskarte an Investoren bei Anleiheemissionen. Die Ratingfirmen hatten den Volksbankern signalisiert, auf Sanierungsergebnisse zu warten. Neben der Mitte 2016 von der EZB endgültig genehmigten Neuaufstellung, die formal den Restrukturierungsprozess beendet habe, den Verkäufen aller Banktöchter (Bausparkasse, Fondsgesellschaft, Leasing, Factoring) und den Fusionen in den Bundesländern habe man praktisch alle Vorgaben erledigt, sagt Fleischmann.

Die Volksbankengruppe mit der Volksbank Wien als Zentralinstitut ist in Europa unter den kleinsten Banken, die von der EZB direkt beaufsichtigt werden. Normalerweise sind 30 Mrd. Euro die Grenze. Nach dem Verkauf der start-Bausparkasse kam die Gruppe per Ende 2016 nur mehr auf rund 25 Milliarden. Zumindest die nächsten drei Jahren werde man unter direkter EZB-Aufsicht bleiben, so Fleischmann. Als ehemalige Restrukturierungsbank gelten noch länger auch besondere Meldepflichten.

Auf Geheiß der EZB haben die relevanten Geldhäuser in Europa strenge Kapitalvorgaben zu erfüllen. Die ergeben sich individuell aus dem "Supervisory Review and Evaluation Process" (SREP). Laut Fleischmann muss der Volksbankenverbund jetzt eine "SREP-Quote" von 10,7 Prozent erfüllen. Das ist weniger als andere große Banken bringen müssen. Vor der Zerschlagung hatte die Gruppe unter der alten ÖVAG sogar mehr als 14 Prozent aufgebrummt bekommen. Im Sanierungsprozess im Herbst 2015 wurde diese strenge Vorgabe dann erlassen.

Ende 2016 kam die Volksbankengruppe laut Fleischmann beim harten Kernkapital "komfortabel über 12 Prozent" zu liegen. Über die 12 Prozent gehievt wurde die Quote mit dem Verkauf der Bauspargruppe. Derart kapitalisiert wolle man das Kreditgeschäft ausbauen.

Ende 2016 haben die Volksbanken 50 Millionen Euro als erste Tranche des staatlichen Partizipationskapitals von rund 300 Mio. Euro an den Bund zurück gezahlt. Diese 300 Millionen waren nach mehreren Kapitalschnitten als Rückzahlungsverpflichtung übrig geblieben. 2017 soll eine weitere Tilgungstranche folgen. Fleischmann will so schnell wie möglich damit fertig sein. Jedenfalls weit vor dem ursprünglich vereinbarten Termin (2023). In der Bilanz 2016 wurden ferner 30 Millionen Euro für die einmalige Abschlagszahlung zur Bankensteuerreduktion rückgestellt.

Bis auf vier kleine Verschmelzungen von Volksbanken und der Fusion von Ärzte- und Apothekerbank, die im Sommer über die Bühne gehen werden, ist der Sektor mit seinem radikalen Fusionskurs fertig. Im Herbst 2013 waren es noch 51 Volksbanken, zu Jahresende 2016 nur mehr 13. In Wien, Vorarlberg, Tirol, Kärnten und der Steiermark gibt es jetzt nur noch eine Volksbank, in allen anderen Bundesländern sind die Verträge dafür unterschrieben. Am Schluss gibt es noch 8 Volksbanken und zwei Spezialinstitute. Das kostet auch viele Jobs.

Quelle: APA

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