Wirtschaft

Volksbanken ziehen weitere Kostenschrauben an

Nach der Zerschlagung des alten Spitzeninstituts ÖVAG haben sich die Volksbanken unter Führung der Volksbank Wien neu aufgestellt. Aus österreichweit 58 Banken wurden in drei Jahren neun. Nach den Fusionen geht es an eine Konzentration im Betrieb. Die Kostenbelastung sei weiter viel zu hoch, erklärte Volksbank-Wien-Chef Gerald Fleischmann am Mittwoch.

Fleischmann will die Kapitalquote aufstocken SN/APA/Robert Polster
Fleischmann will die Kapitalquote aufstocken

In drei Jahren soll die Kosten-Ertrags-Relation von jetzt 80 auf rund 60 Prozent zurückgefahren werden. Die nach der bisher letzten regionalen Volksbanken-Fusion vor einigen Wochen erreichte Zielstruktur (acht Volksbanken, ein Spezialinstitut) will Fleischmann nicht in Frage stellen. Befürchtungen von Volksbankern, durch die vielen Fusionen die Identität zu verlieren, sieht die Zentrale in Wien gebannt.

Bis Ende des Jahres laufen noch die vor drei Jahren vereinbarten Sozialpläne für von Fusionen betroffene Beschäftigte. Seit Sommer 2015 wurde die Mitarbeiterzahl von damals 4.500 auf jetzt rund 3.650 (Vollzeitrechnung) reduziert. Die Fusionen seien ohne betriebsbedingte Kündigungen abgegangen. Mit der Bündelung übergeordneter Bankaktivitäten, nicht notwendigerweise in Wien, wie es heißt, wird ein weiterer Abbau einhergehen.

Weitere Kosten einsparen will man u.a. durch eine einheitliche IT oder einheitliche Kreditabwicklung. Noch gebe es nicht nur neun Abwicklungseinheiten für Kredite, sondern auch immer noch neun Kundencenter oder neun Personalverrechnungsabteilungen. Auch im Einkauf soll zusammengespannt werden.

Seit Sommer 2015 wurde die Zahl der Volksbankfilialen um ein Drittel reduziert, eine Vielzahl der früheren lokalen Bankstellen hatte nur zwei bis drei Mitarbeiter. Die verbliebenen Filialen haben mehr Angestellte. "Die Österreicher wollen Bargeld und Kassentätigkeit haben. Das wird auch noch eine Zeitlang so bleiben", meint Fleischmann. "Wir gehen davon aus, dass die Filialen weiter der wichtigste Vertriebskanal der Volksbanken bleiben. Den werden wir auch aktiv bespielen." Zugleich werde ins Onlinebanking investiert.

Die Volksbank soll künftig eine reine Österreich-Bank sein. Von letzten verbliebenen Auslandsaktivitäten trennt sich die Gruppe gerade. Im Frühling hat die Volksbank Vorarlberg ihre (defizitäre) Tochter in der Schweiz verkauft. Nun werden Kaufangebote für die Volksbank Liechtenstein eingesammelt. Die Aktiva der letzten Leasingfirma (in Slowenien) werden demnächst nach Österreich transferiert.

Auch Immobilienbesitz wird zurückgefahren. Laut "Börsianer" soll die Volksbank Wien eine neue Zentrale an der Lände in Wien beziehen. Die Zentrale in der Kolingasse solle bis Ende 2019 verkauft sein.

Die Volksbanken nehmen sich indes jetzt doch mehr Zeit, das in der Finanzkrise ins damalige Spitzeninstitut ÖVAG eingeschossene Staatsgeld zu tilgen. Bisher war der Plan, die mit dem Bund vereinbarte Rückzahlung des größten Teils der eingeschossenen 300 Millionen Euro auf 2019 vorzuziehen und 2020/2021 ganz damit fertig zu sein. Nun bleibt es beim alten Plan. Demnach ist Zeit bis 2023.

Fleischmann hat stattdessen vor, die Kapitalquote aufzustocken, von bisher 12,4 Prozent auf 13 Prozent. Der Volksbank-Marktanteil soll auf Sicht von bisher 6 auf 10 Prozent zulegen. Und für Wachstum brauche man Kapital.

Zur Zeit sind knapp 70 Millionen des aushaftenden staatlichen Partizipationskapitals getilgt. Damit liege man über dem Zeitplan. Mit dem Bund vereinbart ist, dass 2021 der Großteil, also 200 der in Summe 300 Millionen, zurückgezahlt sein müssen und die letzten 100 Millionen dann bis 2023. Das wollten die Volksanker bisher übertreffen: 200 Millionen sollten schon Ende 2019 abgezahlt sein und die restlichen 100 Millionen ein, zwei Jahre später. Das will man jetzt nicht mehr. Für rund hundert Millionen soll bis dahin besser das Kernkapital gestärkt werden. Es gilt somit wieder der alte Zeitplan, hieß es heute. Die Frist bis Ende 2023 will man trotzdem nicht ganz ausreizen.

Dass aus dem Plan mit der Post, die nach dem Aus der BAWAG-Kooperation einen neuen Bankvertriebspartner sucht, nichts wurde, begründete Fleischmann am Mittwoch mit Vorbehalten in seinem Sektor und der noch laufenden Restrukturierung der Volksbankengruppe. Der Plan wäre die gemeinsame Nutzung der Filialen gewesen, sagte Fleischmann. Das hätte das Geschäftsmodell der Volksbanken freilich grundlegend geändert, das Risiko mitten in der Umstrukturierung wäre wohl noch zu groß gewesen. "Für uns ist die Post-Kooperation vielleicht zwei Jahre zu früh gekommen".

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