Wirtschaft

Von Berlin nach Brüssel und bis Schweden: Der Nightjet soll ganz Europa erobern

Die ÖBB verhandeln mit der Deutschen Bahn über mehr Nachtzugstrecken - die nicht in Österreich starten oder enden. Verraten wird nun auch, wie die Nachtzüge im Inneren bald ausschauen: Den Liegewagen lösen Schlafkapseln ab.

Der Nightjet wird auf mehr Strecken rollen. SN/öbb
Der Nightjet wird auf mehr Strecken rollen.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) verhandeln mit ihrem deutschen Konterfei, der Deutschen Bahn über weitere Nachtzugstrecken, wie das "Handelsblatt" am Mittwoch berichtete. Angedacht würden neue Verbindungen durch Deutschland, zum Beispiel zwischen Berlin und Brüssel. Für 2020 hat die ÖBB bereits einige neue Nightjet-Verbindungen angekündigt.

Er sei derzeit mit DB-Chef Richard Lutz im Gespräch, "wie wir solche Kooperationen ausbauen können", so ÖBB-Chef Andreas Matthä. "Reich wird man mit den Nachtzügen nicht, aber für die Positionierung des Unternehmens ist das sehr wichtig", sagte Matthä zu der Zeitung. Die aktuelle Klimadebatte liefert derzeit Rückenwind für den Ausbau des Nachtzugnetzes.

Derzeit betreibt die ÖBB 26 Nightjet-Strecken. In den kommenden Jahren sollen weitere dazukommen. So startet im neuen Jahr eine Verbindung von Wien nach Brüssel und im Jahr darauf von Wien nach Amsterdam. Auch eine Verbindung bis nach Schweden sei "nicht uninteressant", hatte Matthä bereits im Oktober bei einer Pressekonferenz gesagt.

Schlafkapseln sollen mehr Privatsphäre bringen

Deutliche Zuwächse verzeichnet die Staatsbahn derzeit bei ihren Nachtzügen. Seit die ÖBB 2016 die Schlaf- und Liegewagen sowie Strecken der Deutschen Bahn übernommen hat, wird dieses Segment unter dem Titel ÖBB-Nightjet ausgebaut. Und erfreut sich nicht zuletzt befeuert durch die Kritik von Klimaschutzaktivisten am Fliegen wachsender Beliebtheit, besonders Strecken wie Wien-Hamburg, München-Rom oder Zürich-Berlin. Kürzlich wurden 13 neue Garnituren bestellt, die ab 2022 fahren. Seit Kurzem ist auch bekannt, wie diese aussehen werden:

Die nächste Generation von Schlaf- und Liegewagen soll umweltfreundliches Reisen mit einem Hauch von Futuristik verbinden. Jedenfalls gibt es auch für Reisende mehr Privatsphäre: In den Liegewagen werden "Minisuites" eingebaut. Die Schlafkaspeln lassen sich einzeln versperren.

2018 wurden laut Matthä 1,4 Millionen Fahrgäste in den Nachtzügen befördert. In den ersten acht Monaten gab es ein Plus von elf Prozent, wobei das Wachstum vor allem die Liegewagen (plus 17 Prozent) und die Sitzplätze (plus 12 Prozent) betroffen hat, weil Schlafwagen schon bisher gut gebucht waren. Ab Jänner 2020 wird es zusätzlich zu den 13 Verbindungen (26 hin und retour) einen Nightjet von Wien bzw. Innsbruck nach Brüssel geben (Donnerstag und Sonntag hin), ab Dezember 2020 nach Amsterdam. Brüssel und Amsterdam seien "nicht die letzten Nachtzüge, die die ÖBB anbieten wird", sagt der ÖBB-Chef bereits vor wenigen Wochen, ohne weitere mögliche Ziele zu nennen. Die ÖBB haben aber vor Kurzem im Amtsblatt der EU Interesse an der "Anmietung von bestehenden Schlaf- und Liegewagen mit Zulassungen" unter anderem in Dänemark, Schweden, Tschechien und Belgien "mit optionaler Instandhaltung durch den Vermieter" bekundet. "Zur Markterkundung", wie es in der Veröffentlichung heißt.

Quelle: SN/Apa

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