Wirtschaft

Vorsorge: Sicherheit für Österreicher wichtiger als Ertrag

Bei der Vorsorge für die Pension hat Sicherheit bei den Österreichern nach wie vor einen deutlich höheren Stellenwert als Ertrag. So sorgt laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Spectra im Auftrag von Raiffeisen rund ein Drittel aller Befragen (2.229 Personen) mit Sparbuch für das Alter vor. Erwirtschaftet werden damit jedoch seit Jahren keine Gewinne mehr, sondern reale Verluste.

Denn das Sparbuch decke die Inflation schon seit langem nicht mehr ab, sagten sowohl Ingrid Szeiler, Leiterin des Fondsmanagements der Raiffeisen KAG, als auch Heike Arbter, Vorstandsmitglied der Raiffeisen Centrobank (RCB), am Montag. Seit 2008 habe sich die Kaufkraft beim klassischen Sparen abzüglich der Kapitalertragssteuer (KESt) und unter Berücksichtigung der Inflation um 16 Prozent reduziert. "Seit 2008 hat die Inflation 16 Prozent meines realen ersparten Kapitals weggefressen", so Arbter.

Ebenfalls hoch im Kurs stehen bei der Vorsorge der Österreicher der Studie zufolge der Bausparvertrag oder Lebensversicherungen, auf die ebenfalls rund ein Drittel der Befragten zurückgreift. Wertpapiere sind dagegen nach wie vor nicht so beliebt, obwohl Banken immer wieder betonen, dass Aktien im derzeitigen Niedrigzinsumfeld einer der wichtigsten Renditebringer sind. Auch Szeiler sagte: "Anleihen haben die Inflation ganz gut abgedeckt, aber Aktien sind unschlagbar." In den vergangenen 50 Jahren seien Aktien um ein Vielfaches stärker gestiegen als Anleihen und die Inflation, und es gebe an den Aktienmärkten weiterhin Luft nach oben, beispielsweise in Europa, wo die Kurse in den vergangenen zehn Jahren nicht so stark gestiegen seien wie in den USA, so Szeiler weiter.

"Die 'Message' kann man gar nicht genug trommeln: Neben Ersparnissen muss man auch in Wertpapiere investieren, um reale Erträge erzielen zu können", sagte Arbter. Bisher dürfte das aber noch nicht in der breiten Gesellschaft angekommen sein, wobei vor allem Frauen sich eher nicht mit Wertpapieren anfreunden könnten. Nur 15 Prozent der von Spectra befragten Frauen investieren zur Pensionsvorsorge in Wertpapiere, während 27 Prozent der Männer dies tun. Je elf Prozent der Frauen und Männer sorgen laut eigenen Angaben gar nicht für die Pension vor. Als Grund wird dabei am häufigsten Geldmangel angeführt. 48 Prozent der befragten Frauen und 41 Prozent der Männer geben an, nicht genug Geld zu haben, um anlegen zu können.

Die Österreicher sind bei der Vorsorge also nach wie vor risikoscheu, obwohl durchaus die Sorge besteht, im Alter nicht genug Geld zu haben. So geben in der Studie rund zwei Drittel aller Befragten an, dass ihnen bei der Veranlagung Sicherheit wichtiger sei als der größtmögliche Ertrag. Gleichzeitig seien 61 Prozent der Befragten der Meinung, dass sie von ihrer staatlichen Pension nicht gut leben werden können. Hier seien vor allem Frauen pessimistisch, sie geben zu 64 Prozent an, dass ihre staatliche Pension nicht ausreichen werde. Bei den Männern sind es mit 58 Prozent etwas weniger.

Ein Viertel der Frauen erwartet, dass sie in der Pension weniger als 1.000 Euro pro Monat zur Verfügung haben werden, bei den Männern macht der Anteil rund 10 Prozent aus. Weiters sagen 35 Prozent der Frauen, dass sie nicht abschätzen können, wie hoch ihre Pension einmal sein wird. "Da besteht eine sehr große Wissenslücke, die es auch zu schließen gilt," sagte Peter Bruckmüller, Spectra-Geschäftsführer. Dass 50 Prozent der Frauen angeben, nicht zu wissen, wie viel Geld sie monatlich für die private Vorsorge zur Verfügung hätten, wäre laut Bruckmüller ebenfalls ein Hinweis, dass sich viele Frauen zum Thema Altersvorsorge offenbar noch keine Meinung gebildet hätten.

Dass im Regierungsprogramm erstmals "financial literacy" einen wichtigen Stellenwert bekommen hat, wurde von Arbter im Hinblick auf die Studienergebnisse begrüßt. Es müssten aber noch "bessere und effektivere Schritte" auf der Ausbildungsseite erfolgen und es müsste steuerliche Anreize geben, um noch mehr Menschen - und vor allem Frauen - dazu zu bewegen, privat für das Alter vorzusorgen. Auch die Wiedereinführung der Behaltefrist für Aktien wäre laut Arbter sinnvoll.

Quelle: APA

Aufgerufen am 22.09.2020 um 04:26 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/vorsorge-sicherheit-fuer-oesterreicher-wichtiger-als-ertrag-83927563

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