Wirtschaft

Warum unser Kaffee viel zu billig ist

Auch wenn bei uns die Preise im Kaffeehaus fürstlich erscheinen mögen - die Hersteller des Kaffees können oftmals nicht davon leben. Woran das liegt - und was jeder Einzelne dagegen tun könnte.

In den roten Kaffeekirschen verbergen sich die eigentlichen Kaffeebohnen.  SN/nimon_t - stock.adobe.com
In den roten Kaffeekirschen verbergen sich die eigentlichen Kaffeebohnen.

Kaffee ist nach Wasser das Lieblingsgetränk der Österreicher, der Durchschnittsverbrauch liegt bei drei Tassen pro Kopf und Tag. Wenn am 1. Oktober der Tag des Kaffees gefeiert wird, gibt es eine Gruppe, die keinen Grund zum Feiern hat - das sind die Kaffeebauern. Sie erhalten nur einen Bruchteil des Preises, den eine Packung Kaffee oder eine Tasse Melange kostet.

Dass sich die Situation der Kaffeebauern zuletzt weiter verschlechtert hat, liegt unter anderem an den hohen Schwankungen beim weltweiten Kaffeepreis. Mehr als 25 Millionen Familien - rund 100 Millionen Menschen - leben vom Kaffeeanbau. Geschätzt 60 Prozent davon müssen den Kaffee unter ihren eigenen Produktionskosten verkaufen. Vor allem zwei Faktoren beeinflussten den Preis, sagt Hartwig Kirner, Chef von Fairtrade Österreich: das Ergebnis der Ernte in Brasilien, dem mit Abstand wichtigsten Produktionsland, und Spekulationsgeschäfte einiger Großhändler.

Die weltweit tätige Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, Herstellern faire Preise zu zahlen, also mit einem Aufschlag gegenüber dem Weltmarktpreis. Die Bauern verpflichten sich im Gegenzug zur Einhaltung bestimmter Kriterien wie Umweltschutz, Verzicht auf Gentechnik oder demokratische Organisationsstrukturen. Wer Fairtrade-Produkte kauft, unterstützt also einerseits die Bauern und leistet zugleich einen Beitrag zur Einhaltung dieser Kriterien. Im Vorjahr lag der Durchschnittspreis auf dem Weltmarkt bei knapp über 130 US-Dollar (112 Euro) pro Quintal (Sack zu 45,4 Kilo). Fairtrade verpflichtet sich zur Zahlung eines Mindestpreises von 140 Dollar plus einer Prämie von 20 sowie einem Bio-Aufschlag von noch einmal 30 Dollar, zusammen also 190 Dollar.

Umgerechnet auf den europäischen Verbraucher würde schon ein Aufschlag von 50 Cent je Viertelkilo Kaffee genügen, um von den Erlösen aus dem Kaffeeanbau besser leben zu können, sagt Kirner. Außerdem werden mit der Fairtrade-Prämie Maßnahmen wie etwa neue Sortenkreuzungen finanziert, die dazu beitragen, die Folgen des Klimawandels wie die Pilzerkrankung Kaffeerost in Schach zu halten.

Acht Prozent des in Österreich verkauften Kaffees tragen aktuell das Fairtrade-Siegel. Kirner sieht noch einiges Potenzial nach oben. Mit weltweit verkauften 207.648 Tonnen Rohkaffee unter Fairtrade-Bedingungen wurden 2018 Prämien von 77 Millionen Euro eingenommen, die in Bildungs-, Infrastruktur- oder kommunale Projekte der Kaffeebauern geflossen sind. 85 Prozent davon befinden sich in Lateinamerika, hauptsächlich in Peru, Honduras oder Kolumbien.

Einen anderen Zugang mit ähnlichen Zielen hat der Kaffeeautomatenausrüster Cafe+Co, der auf längerfristige Zusammenarbeit mit Kaffeebauern setzt und für Qualität ebenfalls Zuschläge zahlt. Ähnlich macht es der Kaffeehändler Tchibo, der die Umstellung auf sozial und ökologisch verträglichen Kaffeeanbau mit Prämien honoriert.

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