Wirtschaft

Was das Recht auf Elternteilzeit gebracht hat

Seit 15 Jahren gibt es Anspruch auf Elternteilzeit. Frauen haben davon profitiert, Männer zögern, zeigt eine Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Wien.

Symbolbild. SN/APA (dpa/Themenbild)/Patrick Ple
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Seit Mitte der 2000er Jahre ist die Beschäftigung der Frauen in Österreich deutlich gestiegen. Die Entwicklung fällt zeitlich mit der Einführung der gesetzlich geregelten Elternteilzeit zusammen, die dazu einen Beitrag geleistet hat, wie die Arbeiterkammer Wien am Mittwoch an Hand einer Aktuellen Studie belegt hat.

Am stärksten stieg die Erwerbstätigkeit von Frauen mit mittleren Bildungsabschlüssen (Lehre, Berufsbildende Mittlere Schule, Matura und Kolleg), geht aus der Erhebung von Forba (Basis: Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria von 2005 bis 2017) hervor. Waren etwa 2005 nur rund die Hälfte Frauen mit Lehrabschluss und jüngstem Kind im Alter von 2 bis 3 Jahren erwerbstätig, waren es 2017 bereits 63 Prozent. Bei Frauen mit jüngstem Kind von vier bis sechs Jahren stieg der Anteil der Erwerbstätigen von 66 Prozent auf 84 Prozent.

Genaue Zahlen, wie viele Arbeitnehmer in Österreich vom Recht auf Elternteilzeit Gebrauch machen, gibt es nicht. Anspruch hat, wer zumindest drei Jahre ununterbrochen (inkl. Elternkarenz) in einem Betrieb mit mehr als 20 Mitarbeitern gearbeitet hat und bis zum 7. Geburtstag des Kindes. In der Zeit gilt besserer Kündigungs- und Entlassungsschutz.

Grafik. SN/APA
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Aus Sicht von Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl gibt es noch einiges zu tun, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Denn trotz der gestiegenen Jobchancen der Frauen seien die Einkommen weiter niedrig, weil viele lange und nur wenige Stunden pro Woche arbeiten. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von Müttern mit vorschulpflichtigen Kindern liegt laut AK bei 19 bis 23 Stunden. 53 Prozent der Frauen arbeiten auch nach dem 7. Geburtstag des Kindes weiter Teilzeit - verglichen mit 45 Prozent 2005.

Väter arbeiten mehr Vollzeit als Männer ohne Kinder

Erstaunlich ist die Entwicklung bei der Wochenarbeitszeit von Vätern. Die ist laut Studie zwar im Beobachtungszeitraum um zwei bis drei Stunden zurückgegangen, mit 42 Stunden aber immer noch sehr hoch. Zudem arbeiten Männer mit Kindern öfter Vollzeit als Männer ohne Kinder. Der Teilzeitanteil von Vätern mit vorschulpflichtigen Kindern ist nur von drei auf sieben Prozent gestiegen. Diejenigen, die Elternzeit in Anspruch nehmen, arbeiten 2017 im Durchschnitt 27 bis 30 Wochenstunden, also mehr als Mütter.

Die Arbeiterkammer fordert den Rechtsanspruch auf Elternteilzeit auf kleine Betriebe auszudehnen und die Betreuung in Kindergärten und -krippen aufzustocken. Außerdem sollten generell kürzere Arbeitszeiten gelten, sagt AK-Präsidentin Anderl.

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