Österreich

Wegen Niedrigzinsen zahlen Haushalte 1 Mrd. weniger als 2008

Die niedrigen Zinsen haben für Schuldner auch sehr positive Auswirkungen, erinnerte Nationalbankgouverneur Ewald Nowotny. Haushalte mussten im dritten Quartal 2016 um 1 Mrd. Euro weniger Zinsen zahlen als im vierten Quartal 2008. Bei Firmen machte die Differenz 1,2 Mrd. Euro aus. Die Republik Österreich hat sich laut OeBFA von 2007 bis 2016 in Summe 17 Mrd. Euro Zinszahlungen erspart.

Zinsverfall hilft führt zu Umverteilung von Alt zu Jung.  SN/APA (dpa)/Daniel Karmann
Zinsverfall hilft führt zu Umverteilung von Alt zu Jung.

Aber auch andere Effekte stellt Nowotny fest. So komme es zu einer Umverteilung von älteren Menschen, die eher Sparguthaben haben, zu jungen Menschen, die eher (Wohnungs-)kredite aufnehmen, was durchaus wünschenswert sei, da es in der Gesellschaft ohnehin viele Umverteilungseffekte von Jung zu Alt gebe. Auch werde die gesamtwirtschaftliche Entwicklung stabilisiert. Unternehmen könnten im Ausmaß ihrer Zinsersparnis investieren oder umschulden. Die Verteilungseffekte seien zwar eine indirekte Folge, aber kein Ziel der Nationalbank-Politik, hob Nowotny hervor. Denn Notenbanken haben kein Mandat für eine Verteilungspolitik.

Sparer verlieren vor allem für täglich fällige Einlagen in Wahrheit Geld. Denn den kaum wahrnehmbaren Zinsen stand 2016 eine Geldentwertung von etwa 0,9 Prozent gegenüber - real wurde das Geld am Sparbuch also weniger wert. Das liege aber nicht nur an den aktuell niedrigen Zinsen, sondern war in den letzten Jahrzehnten sehr häufig so, sagte Nationalbankgouverneur Nowotny am Montag im Klub der Wirtschaftspublizisten.

So gab es Mitte der 1970er Jahr zwar einen Eckzinssatz (Mindestzinssatz) auf Sparbücher von bis zu fünf Prozent - bei Inflationsraten, die an die zehn Prozent anklopften, waren die realen Zinsen jedoch zeitweise tiefrot im Minus. Ökonomisch sei natürlich die Realverzinsung entscheidend, psychologisch sei aber auch die nominelle Zinsrate wichtig, so Nowotny.

Im internationalen Vergleich sei in Österreich der Staat durchschnittlich hoch verschuldet, die privaten Haushalte haben hingegen weniger Schulden als die Haushalte im internationalen Schnitt.

Quelle: APA

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