Österreich

Weihnachten - Endspurt soll Geschäfte ankurbeln

Das Weihnachtsgeschäft soll den heimischen Händlern heuer Umsätze von 1,63 Mrd. Euro (nominell +0,5 Prozent) bringen. Der Onlinehandel legt in der heurigen Weihnachtszeit um fünf Prozent zu und knackt erstmals die 100 Mio.-Euro-Grenze, während die Umsätze im stationären Einzelhandel abermals stagnieren. Ebenfalls 100 Mio. Euro fließen in ausländische Internetshops wie Amazon.

100 Mio. Euro fließen in ausländische Internetshops.  SN/APA (dpa)/Julian Stratenschulte
100 Mio. Euro fließen in ausländische Internetshops.

Damit entwickelt sich das Weihnachtsgeschäft heuer stabil und dürfte das Rekord-Niveau von 2011 übersteigen. "Die Briefe ans Christkind sind angekommen und haben den Händlerinnen und Händlern bisher ein gutes Weihnachtsgeschäft beschert", so Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), am Dienstag zur Zwischenbilanz im bisherigen Weihnachtsgeschäft 2016 im österreichischen Einzelhandel (bis inklusive dem vierten Adventsamstag, den 17. Dezember).

"Wenn es so weitergeht wie bisher, können wir ein nominelles Plus von 0,5 Prozent erreichen", so Ernst Gittenberger, Projektleiter der KMU Forschung Austria. Real bedeutet das laut Gittenberger ein Minus von 0,5 Prozent. Buchmüller gibt sich zuversichtlicher und rechnet mit einem nominellen Plus von einem Prozent - wenn die Geschäfte gut laufen. Euphorische Prognosen, die Zuwächse von 2 bis 3 Prozent vorhersagen, würden an der Realität im Handel vorbeigehen. Die Steuerreform kommt im Handel laut Gittenberger nicht oder nur bedingt an.

Von den gestiegenen Konsumausgaben der Privaten - laut Wifo plus 2,7 Prozent im Jahr 2016 - merke der Handel nur wenig, denn die Sparquoten würden sich heuer deutlich von 7,3 auf 8,3 Prozent erhöhen, zudem würden steigende Mieten und öffentliche Abgaben das Börserl der Konsumenten belasten.

Vom Endspurt erwarten sich die Händler noch einiges, denn bis zum vierten Einkaufssamstag wurden erst 60 Prozent der Weihnachtsumsätze erzielt. "40 Prozent liegen noch vor uns", so Gittenberger. In der letzten Woche vor dem 24. 12. sollen die Nachzügler gute Geschäfte bescheren. "Bei den Late-Shoppern sitzt das Geld locker", meinte Buchmüller. 10 Prozent des Weihnachtsgeschäft werden dann noch zwischen Heiligabend und Silvester erzielt.

Als Weihnachtsgeschäft wird im stationären Handel der Mehrumsatz im Monat Dezember verstanden, der über dem Umsatz eines Durchschnittmonats liegt. Im Internethandel wird dafür der Mehrumsatz von Mitte November bis Mitte Dezember herangezogen.

Der Anteil des Online-Geschäfts am Gesamtumsatz im Handel steigt. Damit die heimischen Händler mit der Entwicklung schritthalten können, müssen sie an ihrer Online-Präsenz arbeiten, rät die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). "Ohne Online-Präsenz wird es nicht gehen", so Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel der WKÖ, die den Händlern beim Aufbau eines Internet-Auftritts unter die Arme greifen will. "Man braucht zumindest eine klickbare Telefonnummer und Öffnungszeiten", sagte sie am Dienstag. Findet ein potenzieller Kunde online keine Kontaktdaten, würde er einfach woanders hingehen. Das Ganze sollte dann auch noch für das Smartphone optimiert sein.

Zwar hätten bereits 80 Prozent der Einzelhändler eine Webseite und 10.000 Unternehmen betreiben einen Web-Shop. Es gebe aber noch viel Luft nach oben. Vorreiter sind hierzulande etwa die Buchhändler. "Die sind schon vor mehreren Jahren aufgrund des Drucks von Amazon in den Internethandel eingestiegen", so Barbara Thaler, Obfrau der Fachgruppe Internethandel der WK Tirol, zur APA.

Laut KMU Forschung Austria informiert sich die Hälfte der Österreicher ab 15 Jahren schon vor dem heurigen Weihnachtsgeschenkeinkauf im Internet, 40 Prozent kaufen ihre Gaben auch - aber nicht ausschließlich - online. Mit dem Smartphone suchen drei von zehn Österreichern nach dem besten Geschenk, ein Zehntel kauft auch via Handy. "Die Händler müssen auf den Zug aufspringen und ihre Webseiten auch mobil zugänglich machen", so Thalbauer. Jene, die noch keinen Internet-Auftritt haben, betreiben zum Teil eine "Vogel-Strauss-Politik".

Gutscheine liegen im Ranking der Top-Geschenke heuer erstmals auf Platz eins: 4 von 10 Österreichern ab 15 Jahren legen heuer Gutscheine unter den Christbaum. Erfahrungsgemäß werden diese von 80 Prozent der Beschenkten erst im neuen Jahr eingelöst und damit für den Einzelhandel umsatzwirksam.

Rund 94 Prozent des Weihnachtsgeschäfts wird stationär erzielt. Die meisten Zuwächse im stationären Handel verzeichne bisher der Schuh- und Lederwareneinzelhandel. Ausgehend vom niedrigen Ausgangsniveau 2015 seien die Umsätze in dieser Branche, kalenderbereinigt, nominell um 3 Prozent gestiegen. Auch die Händler von Sportartikeln, Lebensmitteln, Bekleidung und Elektroartikeln verbuchen laut KMU Forschung Austria steigende Umsätze (je plus ein Prozent).

Der stationäre Einzelhandel mit Büchern und Schreibwaren verzeichnete im bisherigen Weihnachtsgeschäft die höchsten Umsatzrückgänge. "Der Einzelhandel mit kosmetischen Erzeugnissen sowie der Uhren- und Schmuckeinzelhandel konnten das hohe Vorjahresniveau bislang ebenfalls (noch) nicht erreichen", heißt es von der KMU Forschung Austria.

Der Anteil des im Internet erzielten Weihnachtsgeschäfts wächst weiter und übersteigt heuer 6 Prozent. Der heimische Onlinehandel verzeichnet heuer ein Plus von 5 Prozent und überschreitet erstmals die 100 Mio.-Euro-Marke. Dabei entwickeln sich die Online-Shops der Versand- und reinen Internethändler besser als jene der stationären Einzelhändler (Multi-Channel-Anbieter).

Ausländische Anbieter heimsen sich im Weihnachtsgeschäft etwa 100 Mio. Euro ein. Buchmüller will die Konsumenten im kommenden Jahr "massiv darauf hinweisen, dass es gescheiter wäre, im österreichischen Einzelhandel einzukaufen".

Quelle: APA

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