Wirtschaft

Weltfrauentag: Viel Arbeit, wenig Geld

Wie geht es Frauen in der Arbeitswelt? Die SN wollten es von Frauen unterschiedlichen Alters und in verschiedenen Berufen wissen.

Die in Blau und Gelb gefärbte Welt von Ikea ist ziemlich weiblich. 60 Prozent der rund 3000 Ikea-Beschäftigten in Österreich sind Frauen. Auch in der Führungsetage haben die Frauen mit 54 Prozent Anteil die Nase vorn. Dass man Teambesprechungen nicht nach 16 Uhr ansetze, darüber müsse man schon lang nicht mehr sprechen, "das ist so", sagt Human-Resources-Managerin Martina Zirngast. Wer familiären Verpflichtungen nachkommen müsse, egal ob Frau oder Mann, brauche kein schlechtes Gewissen zu haben.

57 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Ikea arbeiten in Teilzeit. 15 Prozent sind es in der Managerriege. Auch Zirngast hat als Mutter einer Tochter auf 32 Wochenstunden reduziert. Genauso wie Snjezana Bijelonjic, dreifache Mutter und Verkäuferin.

Teilzeit ist in Österreich weiblich. Sie ist in manchen Lebenssituationen für Frauen praktisch, kostet sie aber über ein Berufsleben gerechnet ein Vermögen. Im Zehn-Jahres-Vergleich erhöhte sich die Teilzeitquote der Frauen von 40 Prozent (2006) auf fast 48 Prozent (2016). In der EU verzeichnet Österreich damit, knapp vor Deutschland, den zweithöchsten Wert, im EU-28-Durchschnitt sind es 32,6 Prozent. Als Gründe für Teilzeitbeschäftigung sind bei insgesamt 37,5 Prozent der Frauen Betreuungspflichten für Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene ausschlaggebend. 17 Prozent aller Mütter mit Kindern unter 15 arbeiten in Vollzeit, bei den Männern mit Kindern unter 15 sind es 85 Prozent, nur sechs Prozent der Männer arbeiten Teilzeit.

"Arbeiten ist für Frauen auch Wertschätzung"

Beschränkt man den Verdienstvergleich zwischen Männern und Frauen auf ganzjährig Vollzeitbeschäftigte, lagen im Vorjahr die mittleren Bruttojahreseinkommen der Frauen um 16 Prozent unter jenen der Männer (Statistik Austria).

Ikea-Managerin Zirngast fällt zur Teilzeit-Debatte auf, dass immer mehr Frauen mit 45 oder 50 plus, wenn die Kinder groß sind, eine zweite Karriere starten. "Arbeiten ist für viele Frauen nicht nur Geld verdienen, es ist auch Wertschätzung." Wenn der Verdienst allerdings zu klein ist, um sich sein Leben finanzieren zu können, wird es kritisch. "Das Leben in Österreich ist sehr teuer geworden", sagt Zirngast.

Bei Ikea hat man darauf reagiert. Mit 1. März hat man den Mindestlohn auf 1800 Euro brutto erhöht. Die Teilzeitkräfte erhalten die Erhöhung aliquot. Jeder zweite Beschäftigte im Unternehmen profitiere von der Maßnahme, sagt Zirngast. Freilich wolle man damit auch im Wettkampf um Arbeitskräfte attraktiver werden.

Video: Das sagt Österreichs Frauenministerin

Dass Frauen vor allem in Niedriglohnbranchen wie dem Handel arbeiten, ist eine weitere Facette der Einkommensunterschiede.

Eine, für die ein technischer Beruf "ganz normal" ist, ist Stefanie Huber. Die 20-Jährige aus Freilassing hat bei Bosch in Hallein eine Lehre als Zerspanungstechnikerin absolviert, jetzt ist sie im Musterbau an der CNC-Fräse im Einsatz. Es mache ihr Freude, am Abend zu sehen, dass sie 200 Teile produziert habe, sagt sie. "Im Büro wäre es mir zu fad, mich hat immer das Handwerk mehr interessiert." Dass sie in ihrer Abteilung gemeinsam mit einer Kollegin einer Übermacht von 60 Männern gegenübersteht, macht ihr nichts aus. "Wir sind voll akzeptiert, und wir respektieren einander alle so, wie wir sind." Familie und Kinder? "Ja klar, will ich haben, so wie andere Frauen auch", antwortet Huber. Freilich, ohne dafür den Beruf aufgeben zu müssen.

Niedrigere Pensionen und andere soziale Risiken

Frauen rät sie, sich mehr über technische Berufe zu informieren. "Viele wissen gar nicht, was Maschinen alles können. Dabei ist das so spannend", schwärmt Huber. Ein paar Kolleginnen mehr, sagt sie, "wären schon fein". Immerhin ein Fünftel der Auszubildenden in der Lehrwerkstätte bei Bosch sind Frauen. Diese hätten jedenfalls "großartige Aufstiegsmöglichkeiten". Und ein gutes Einkommen.

Briefträgerin Helga Greinecker muss am Ende ihrer beruflichen Laufbahn mit wenig auskommen. Rund 1200 Euro Pension winken der 58-Jährigen, wenn sie in zwei Jahren ihre Altersteilzeit beendet hat. "Damit bin ich noch nicht ganz bei den Armen", sagt Greinecker. Viele Frauen in ihrem Alter hätten ihr ganzes Leben gearbeitet, aber immer sehr wenig verdient.

Die Briefträgerin hat recht. Die niedrigeren Erwerbseinkommen und Versicherungsverläufe von Frauen führen auch zu niedrigeren Pensionen und anderen sozialen Risiken. Laut EU waren 2016 rund 20 Prozent der allein lebenden Pensionistinnen und elf Prozent der allein lebenden Pensionisten armutsgefährdet. Die durchschnittliche Alterspension in Österreich beträgt 1419 Euro für Männer und nur 842 Euro für Frauen.

Als Helga Greinecker Jugendliche war, hatte es geheißen: "Frauen heiraten eh", wie sie erzählt. Auch sie habe nie eine Lehre gemacht, "ich habe viel in den Fabriken gearbeitet". Zur Post sei sie vor zwölf Jahren gewechselt. Den Job als Briefträgerin habe sie gern gemacht, vor allem wegen der vielen Kontakte mit den Menschen. Die Anforderungen in der Arbeit seien in den vergangenen Jahren allerdings stetig gewachsen, die Einsatzgebiete immer größer geworden. In der Arbeitswelt gehe es heute zu oft nur noch um Systeme und deren Optimierung, kritisiert Greinecker. "Wo bleibt der Mensch?" Jetzt noch einmal als junge Frau anzufangen, das würde sie nicht wollen, sagt die 58-Jährige.

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