Wirtschaft

Weniger Online-Käufer: Gerade die Jungen kauften weniger im Netz

Nach dem Boom im ersten Coronajahr flachte der Trend ab. Weniger Junge, aber mehr Ältere kauften im Internet ein.

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"Die Leute haben im Vorjahr den stationären Handel wiederentdeckt, und das trotz weiterer Lockdowns, Maskenpflicht und Zutrittsbeschränkungen", sagt Handelsobmann Rainer Trefelik. Der Onlinehandel in Österreich ist nach dem rasanten Wachstum im ersten Coronajahr 2020 im vergangenen Jahr 2021 wieder deutlich langsamer gewachsen.

Die Zahl der Online-Shopper ging sogar zurück: Von 66 Prozent der 16- bis 74-Jährigen (2020) auf 63 Prozent (2021). Die ausgegebene Summe stieg dagegen noch einmal leicht von 8,4 auf 8,9 Milliarden Euro - das sind mittlerweile 11,5 Prozent der Gesamtausgaben im heimischen Handel.

Grund für die unterschiedliche Entwicklung bei der Anzahl der Internet-Einkäufer und der Höhe der Ausgaben sei vor allem die Altersstruktur, erklären Christoph Teller und Ernst Gittenberger von der Linzer Johannes Kepler Universität, die für die Wirtschaftskammer die entsprechende Studie erstellt haben. Während im Vorjahr sowohl bei den 16- bis 24-Jährigen als auch bei den 25- bis 43-Jährigen die Zahl jener, die im Internet einkauften, sogar zurückging, und zwar von 87 auf 78 Prozent und von 86 auf 79 Prozent, gab es bei den älteren Kunden weiter Zuwächse. Bei den 45- bis 54-Jährigen stieg der Anteil von 62 auf 70 Prozent, bei den 65- bis 74-Jährigen von 28 auf 30 Prozent. Da gerade das die kaufkräftigeren Kundenschichten seien, stiegen die Ausgaben im Internet weiter an.

Großer Gewinner waren im übrige auch diesmal wieder die ausländischen Online-Giganten: Von den 8,9 Milliarden Euro, die die Österreicherinnen und Österreicher im Internet ausgaben, flossen 5,6 Mrd. und damit 63 Prozent ins Ausland. Den stärksten Zuwachs im Onlinehandel gab es - wenn auch auf sehr niedrigem Niveau - im Lebensmittelhandel. "Die Frage hier ist mehr, wann sich das rechnet", sagt Handelsobmann Trefelik. Im Online-Lebensmittelhandel werde vorerst meist draufgezahlt, um Marktanteile zu gewinnen. Klar ist für Trefelik trotz des abflachenden Internetbooms: "Online ist gekommen, um zu bleiben."

Österreichs größter Onlinehändler, Unito (Otto, Universal, Quelle), setzt jetzt dennoch auf physische Präsenz. Im Einkaufszentrum in Gerasdorf wird erstmals ein Otto Geschäft eröffnet. Direkt kaufen kann man dort allerdings nicht, erklärt Unito-Chef Harald Gutschi. Es gehe darum, in einer Art Wohnung die gesamte Bandbreite des Otto-Sortiments - von Möbel über Mode bis zu Haushaltstechnik - nicht nur sichtbar, sondern auch angreifbar zu machen. Bestellen können die Kunden online am eigenen Smartphone mit Hilfe von QR-Codes oder über geliehene Tablets. Sei das Modell ein Erfolg, so könne das auch an anderen Standorten in Österreich umgesetzt werden, sagt Gutschi.

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