Wirtschaft

"Wenn wir länger leben, müssen wir länger arbeiten"

Gehe es um Wirtschaft und Gesellschaft, würden Fakten oft falsch wahrgenommen, kritisiert Wirtschaftsforscher Tobias Thomas.

Fit bleiben fürs längere Arbeiten und für das Pensionssystem. SN/fotolia 170632069
Fit bleiben fürs längere Arbeiten und für das Pensionssystem.

In Österreichs Wirtschaft herrscht Hochstimmung, die selbst Banker wie Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger "in Jahrzehnten nicht erlebt" haben. Doch ausgerechnet der Gastredner dämpfte beim hochkarätigen Business-Lunch der Oberbank, der diesmal bei den "Salzburger Nachrichten" stattfand, die Euphorie. Denn Tobias Thomas, Direktor und Forschungschef des Instituts für Wirtschaftsforschung EcoAustria, warnte die Gäste aus der Salzburger Wirtschaft vor Mythen. Zwar seien die Wirtschaftswachstumsraten in Österreich derzeit prächtig. Wenn man sich hingegen die Entwicklung seit 2011 anschaue, hinke Österreich gegenüber Deutschland tüchtig hinterher. Liefe man im Gleichklang, müsste das heimische Bruttoinlandsprodukt 2017 um neun Milliarden Euro höher gelegen haben, erklärte Thomas. Der Wachstumsrückstand liegt kumuliert von 2011 bis 2017 bei 44 Milliarden Euro. Es sei auch richtig, dass sich der Arbeitsmarkt erhole, legte der Wirtschaftswissenschafter nach, aber gleichzeitig sei zu bedenken, dass diese Erholung auf historischem Höchststand bei der Arbeitslosigkeit stattfinde. Auch bei der Behauptung, die gute Konjunktur würde die Staatsschuldenquote langfristig senken, mahnt Thomas zur Vorsicht. Denn Rechenmodelle von EcoAustria haben ergeben, dass ab 2028 die Staatsschuldenquote wieder steigen würde. Dann, wenn nicht gegengesteuert wird. Und hier wird Thomas mit seinen Forderungen unbequem: "Wir müssen das Pensionsantrittsalter an die Lebenserwartung anpassen. Das würde dazu führen, dass die nötige Anpassung nicht automatisch ausbleibt. Wenn wir länger leben, müssen wir länger arbeiten." Denn die Alternativen, um das Pensionssystem weiterhin sicherzustellen, wolle niemand. Die lauten: Pensionsbeiträge erhöhen, Leistungen verringern oder noch höhere staatliche Zuschüsse. In diesem Zusammenhang plädiert Thomas auch für eine Pflegeversicherung.

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