Österreich

Werbebranche will 2017 in Schwung kommen

Die heimische Werbung und Marktkommunikation wird wohl weiter auf einen Aufschwung warten müssen: die Nachfrage stagnierte im zweiten Quartal 2016, die Geschäftslage wurde im Juli deutlich negativ beurteilt. Angelika Sery-Froschauer, Obfrau des Fachverbands für Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), rechnet aber mit einem Konjunkturschub im kommendem Jahr.

Werbebranche will 2017 in Schwung kommen SN/APA/ROLAND SCHLAGER
Vom Wahljahr profitieren nur wenige in der Branche.

Die Steuerreform würde sich positiv auswirken, die Stimmung sei gut und Unternehmen würden dadurch wieder mehr investieren. "Wir erwarten, dass sich sowohl der private Konsum als auch die Anlageninvestitionen ausweiten werden", sagte Sery-Froschauer bei einem Pressegespräch am Mittwoch auf das nächste Jahr blickend.

Das zweite Quartal 2016 war laut dem Fachverband verhalten. Wie schon in den Jahren zuvor, werde auch für das Gesamtjahr nur ein geringes Wachstum erwartet. Von der Wiederholung der Bundespräsidentenwahl im Oktober würden nur eine Handvoll Unternehmen, hauptsächlich Außenwerber, profitieren.

"Die Werbekonjunktur zieht nur langsam an", so Werner Hölzl, Ökonom des Österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) zum aktuellen Werbeklimaindex. Das heurige prognostizierte Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent werde der Werbewirtschaft erst verzögert Aufschwung verleihen.

Er bewertet die aktuelle Geschäftslage der heimischen Werbetreibenden skeptisch, bei den Auftragsbeständen fällt das Urteil etwas positiver aus. 70 Prozent der befragten Unternehmen melden ausreichende oder mehr als ausreichende Auftragsbestände. 84 Prozent der Befragten erwarten in den nächsten Monaten keinen Anstieg der Nachfrage, während ein Zehntel mit einem Plus rechnet.

Trotzdem wollen laut dem Index 19 Prozent der befragten Unternehmen neue Mitarbeiter anstellen, während zwölf Prozent Personal abbauen müssen. Die heimische Werbebranche zählt über 28.000 Beschäftigte, im ersten Halbjahr waren durchschnittlich 462 offene Stellen (1. Halbjahr 2015: 358) gemeldet. "Der Akademikeranteil liegt bei 20 Prozent und steigt weiter an", so Sery-Froschauer.

Zum Thema Scheinselbstständigkeit fordert der Fachverband "endlich Rechtssicherheit für Unternehmer und eine klare Abgrenzung zwischen Selbstständigkeit und Nicht-Selbstständigkeit." Auch wenn viele Unternehmer nur einen Auftraggeber hätten, müsse es sich nicht um eine arbeitnehmerliche Tätigkeit handeln. Markus Deutsch, Geschäftsführer des Dachverbands, spricht sich auch gegen eine Erhöhung der Werbeabgabe und deren Ausweitung auf Online-Werbung aus.

Die Umsätze der heimischen Werbebranche belaufen sich laut Fachverband auf etwa 5,3 Mrd. Euro pro Jahr, wobei der ständig wachsende Online-Bereich nur schwer zu beziffern sei. Die Bruttowerbeausgaben liegen bei 3,5 Mrd. Euro. Besonders der Handel (Lebensmittel, Einzel- und Möbelhandel), Versicherungen und Banken, sowie die Branchen Telekommunikation und Automotive knausern nicht und haben bei den Werbeausgaben die Nase vorn.

Im Euroraum bleibe die Werbekonjunktur weitgehend stabil: während Länder wie Deutschland, Spanien, Italien und Griechenland auf Kurs sind, schwächelt Portugal weiterhin, geht aus dem EU Vertrauensindikator Werbung für den Juli hervor. In Großbritannien wirkt sich der Brexit schon jetzt negativ auf die Werbewirtschaft aus.

Quelle: APA

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