Wirtschaft

Wettbewerbsfähigkeit: Österreich liegt auf Platz 21, Singapur an der Spitze

Wirtschaftsforscher sehen Lohnnebenkosten, fehlendes Risikokapital und Digitalisierung als Schwachpunkte Österreichs. Deutschland stürzte um vier Plätze auf Rang 7 ab. Umweltaspekte gewinnen an Bedeutung.

141 Länder umfasst der aktuelle Vergleich über die internationale Wettbewerbsfähigkeit des WEF. Österreich liegt auf Platz 21. SN/apa (symbolbild/dpa)
141 Länder umfasst der aktuelle Vergleich über die internationale Wettbewerbsfähigkeit des WEF. Österreich liegt auf Platz 21.

Singapur ist das wettbewerbsfähigste Land der Welt. In einer aktuellen internationalen Aufstellung des Weltwirtschaftsforums (World Economic Forum WEF) erreicht der ostasiatische Stadtstaat 84,8 von 100 möglichen Punkten und hat sich in dem jährlichen Ranking vor den Vorjahressieger USA geschoben, auf Rang 3 liegt Hongkong. Österreich hat sich gegenüber dem Vorjahr um einen Platz verbessert und liegt nun auf Rang 21.

Österreich liegt damit deutlich hinter der Schweiz (auf Platz 4) oder auch Deutschland, das von Rang 3 im Vorjahr diesmal gleich um vier Plätze auf die 7 . Position abgestürzt ist. Das ist die schlechteste Platzierung des für die heimische Wirtschaft traditionell wichtigsten Handelspartners seit der Finanzkrise vor gut zehn Jahren.

Als wettbewerbsfähigstes europäisches Land liegen die Niederlande auf dem vierten Platz, gefolgt von der Schweiz und Japan. Dahinter folgt ein weiterer Europa-Block mit Deutschland, Schweden, Großbritannien, Dänemark und Finnland. China steht unverändert auf Platz 28 der 141 untersuchten Staaten.

141 Länder umfasst der aktuelle Vergleich über die internationale Wettbewerbsfähigkeit des WEF. Österreich liegt auf Platz 21. SN/APA
141 Länder umfasst der aktuelle Vergleich über die internationale Wettbewerbsfähigkeit des WEF. Österreich liegt auf Platz 21.

Experte Michael Peneder vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sagt, er "würde die Veränderung nicht überbetonen". Viele Länder liegen in der Wertung knapp beieinander. Zudem war Österreich vor zwei Jahren um zwei Plätze zurückgefallen. Im längerfristigen Vergleich pendle die heimische Volkswirtschaft um diese Position, hält Peneder fest. "Österreich rutscht nicht ab, verbessert sich aber auch nicht". Ein Ziel könnte ein Platz in den Top-20 oder Top-15 sein. Mehr sei kurzfristig wohl kaum realistisch. Denn viele der mehr als 100 Indikatoren seien struktureller Natur, damit seien schnelle Änderungen ausgeschlossen.

Für die Denkfabrik Agenda Austria ist es "erfreulich, dass der Abstand in die Top-20 nur gering ist. Zu Rang 10 klafft aber bereits eine erhebliche Lücke". Seit der Krise habe Österreich sieben Plätze im WEF-Ranking eingebüßt. "Andere Länder haben die Niedrigzinsphase offensichtlich besser genutzt", meint Agenda-Experte Hanno Lorenz. Österreich hätte beste Voraussetzungen für einen Platz in den Top-10, meint er. Handlungsbedarf sieht die Agenda Austria insbesondere bei der Besteuerung von Arbeit, die um neun Mrd. Euro entlastet werden müsste, um auf europäischen Durchschnitt zu kommen. Zudem sei das Pensionssystem zukunftsfit zu machen, die kalte Progression abzuschaffen und Bürokratie zu entrümpeln.

Diesmal ist das Feld vor allem im vorderen Bereich sehr dicht besetzt. Das erklärt auch den deutschen Absturz um gleich vier Plätze. Deutschland büßte gegenüber dem Vorjahr einen Punkt (auf 81,8 Zähler) ein, gleichzeitig konnten sich andere Länder verbessern. Mit nur wenigen Zehntelpunkten mehr wäre für Österreich ein Platz in den besten 20 in Reichweite gewesen.

Österreichs Volkswirtschaft sei sehr stabil, hob das WEF positiv hervor. Das zeige sich in einer günstigen Budgetentwicklung und niedrigen Inflationsraten. Das Land verfüge auch über eine gute traditionelle Infrastruktur wie Straßen, Eisenbahn oder Strom- und Wasserversorgung. Dazu kämen zuverlässige öffentliche Institutionen, hohe Rechtssicherheit etwa beim Schutz geistiger Eigentumsrechte und eine unabhängige Justiz. Auch das heimische Forschungssystem "scheint besser zu sein als der Ruf", hält das Wifo fest.

Zu den Schwachpunkten Österreichs zählt die Nutzung digitaler Netze, die Unternehmensfinanzierung sowie eine allgemein schwache Unternehmensdynamik. Negativ wirken auf das Gesamtergebnis auch die hohe Belastung durch öffentliche Regulierungen, eine beschränkte Anzahl von Flugverbindungen, die geringe Nutzung leistungsstarker Breitbandnetze oder die hohen Steuern und Abgaben auf Arbeit. Führungskräfte beklagen zudem die fehlende Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, speziell solche mit digitalen Fertigkeiten. Dazu komme mangelnde Mobilität innerhalb Österreichs oder Beschränkungen beim Einsatz ausländischer Arbeitskräfte. Bemängelt werden weiters die geringe Bereitschaft zu unternehmerischen Risiko oder die Dauer der Gründung eines neuen Unternehmens.

Konkreten Verbesserungsbedarf für Österreich sieht Wifo-Experte Peneder in drei Bereichen. Zum einen bei der Belastung des Faktors Arbeit, die verringert werden müsse. Mit steuerlichen und rechtlichen Anreizen sollte die Vergabe von Risikokapital gefördert werden. Impulse brauche es auch bei der Digitalisierung, etwa einen Ausbau des Breitbands, bessere Qualifikation der Arbeitnehmer sowie digitale Fertigung.

Neue Schwerpunkte im Ranking sind Ressourceneffizienz und CO2-Belastung. Hier liegt Österreich zwar auf ähnlichem Niveau wie im Gesamtranking, die Bedeutung werde aber in den nächsten Jahren wachsen, so der Wifo-Experte. Österreich wäre gut beraten, sich hier stark zu engagieren.

Das WEF erstellt den viel beachteten "Global Competitiveness Report" seit 1979 jährlich. Die diesmal untersuchten 141 Länder werden anhand von 103 Indikatoren bewertet. Statistiken kommen mit insgesamt 70 Prozent in der Bewertung zum Tragen, die restlichen 30 Prozent auf Basis einer Befragung von weltweit 13.000 Führungskräften. Partner in Österreich ist das Wifo.

Der Durchschnitt aller Länder liegt bei 61 Punkten. Ein Problem für die Zukunft, meint das WEF. "Der Graben bei der Wettbewerbsfähigkeit ist umso besorgniserregender, weil die Weltwirtschaft mit der Aussicht auf einen Abschwung konfrontiert ist". Eine "veränderte geopolitische Lage und die wachsenden Handelsspannungen heizen Unsicherheiten an und könnten zu einer Konjunkturabschwächung führen", stellt das WEF weiter fest.

Schlusslichter in der Liste sind der Kongo, Jemen und Tschad. Das rohstoffreiche Venezuela rutschte wegen der katastrophalen Wirtschaftslage 6 Plätze ab und landet mit Platz 133.

Aufgerufen am 14.10.2019 um 10:16 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/wettbewerbsfaehigkeit-oesterreich-liegt-auf-platz-21-singapur-an-der-spitze-77424256

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