Wirtschaft

Wie boxen wir uns aus der Arbeitslosigkeit?

Zuletzt ist die Zahl der Kurzarbeiter und Personen ohne Job leicht gesunken. Im Herbst wird das nicht so bleiben.

Die Ampel war auch beim bei dem von Arbeiterkammer und ÖGB initiierten Arbeitsmarktgipfel am Dienstag Thema, wenn auch in etwas anderer Art. "Die Corona-Ampel der Arbeitslosigkeit ist auf dunkelrot. Wir müssen alles daran setzen wieder zurückzukommen, dass es grün wird", sagte Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl. Sie hatte gemeinsam mit ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian zum Arbeitsmarktgipfel geladen.

Im Bildungszentrum der Arbeiterkammer trafen sie sich - mit entsprechenden Sicherheitsabständen - mit den Ministern Rudolf Anschober (Grüne), Christine Aschbacher und Margarete Schramböck (beide ÖVP) und Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer. Bundespräsident Alexander Van der Bellen und AMS-Vorstand Herbert Buchinger schickten Videobotschaften.

Einig war man sich in einer Sache: Die Arbeitslosigkeit ist zu hoch. Wie dem begegnet werden soll nicht. Daran änderte auch der Meinungsaustausch am Dienstag nichts. Konkrete Beschlüsse gab es am Dienstag nicht.

Erwartet wird, dass die Zahl der Arbeitslosen im Herbst wieder steigt. Derzeit sinkt sie noch: 404.000 - inklusive Schulungsteilnehmer - waren mit Stand Dienstag in Österreich als arbeitslos gemeldet, 5000 weniger als in der Vorwoche. 389.000 Menschen sind noch in Kurzarbeit. Das sind 11.000 weniger als in der Vorwoche.

Gewerkschaft und Arbeiterkammer machen sich seit Wochen für eine Arbeitszeitverkürzung stark "Arbeitslosigkeit ist auch eine Arbeitszeitverkürzung, aber die unsozialste", sagte Katzian. Das wollte Mahrer nicht so stehen lassen: Kurzarbeit sei "staatlich subventionierte Teilarbeitslosigkeit". Von einer echten Arbeitszeitverkürzung, die er als "Instrument aus den Siebzigern" bezeichnete, will die Wirtschaftskammer weiter nichts wissen. Mahrer plädierte für mehr Qualifikationsmaßnahmen. Man müsse Branchen im Wandel unterstützen, "aber bitte ohne planwirtschaftlichen Ansatz." Und Mahrer forderte auch mehr räumliche Flexibilität ein: Etwa, dass junge Menschen auch das Bundesland wechseln, wenn es anderswo die gewünschte Stelle gebe.

"Es wird ein stürmischer Herbst und Winter", sagte Arbeitsministerin Aschbacher. Man sei jedoch vorbereitet, sie verwies auf Kriseninstrumente wie die nun startende dritte Phase der Kurzarbeit, die mit 700 Mill. Euro dotierte Corona-Arbeitsstiftung oder den Bildungsbonus. "Digitalisierung ist die beste Impfung", sagte Wirtschaftsministerin Schramböck, die für die Investitionsprämie warb.

Anderl zeigte sich nach dem öffentlichen Meinungsaustausch zufrieden. "Es tut sich was." Man habe nicht zum Ziel gehabt, den Raum mit fertigen Rezepten zu verlassen. "Aber wir haben heute einige Zutaten gesammelt. Wir werden nicht lockerlassen." Die Gespräche zwischen Regierung und Sozialpartnern gehen jedenfalls weiter. Am Freitag geht es im Arbeitsministerium ums Thema Homeoffice.

Mehr Arbeit und mehr Mitarbeiter fürs Arbeitsmarktservice

Die Coronakrise bringt den Mitarbeitern des Arbeitsmarktservice (AMS) viel Arbeit. Daher wird die Zahl der Stellen aufgestockt, beschloss am Dienstag der Verwaltungsrat. Im Frühjahr war bereits der geplante Abbau von 150 Stellen gestoppt worden. Nun wurden 250 zusätzliche Planstellen bis Ende 2023 bewilligt. Zudem werden 100 Mitarbeiter der Buchhaltungsagentur des Bundes, die bereits in den vergangenen Monaten beim Abrechnen der Kurzarbeit unterstützten, dies weiter tun. Für Salzburg sind 34 neue Stellen vorgesehen.

Der Betriebsrat hatte noch mehr Personal - insgesamt 700 bis 800 Planstellen - gefordert. Auch wenn es nun weniger sind, werde es - zumindest vorerst - keine Kampfmaßnahmen geben, sagte Zentral-Betriebsratsvorsitzender Heinz Rammel. "Es ist nicht die Ausstattung, die unserer Ansicht nach adäquat ist. Aber 400 Stellen sind nicht nichts." Zudem habe man sich auf eine Art Bonus für die Mitarbeiter verständigt. "Eine Wertschätzung für die enorme Arbeit", sagte Rammel. Details sind noch offen.

Bei der Urabstimmung des AMS-Betriebsrats, die vergangene Woche endete, hatten sich 96 Prozent der Mitarbeiter dafür ausgesprochen, mögliche gewerkschaftliche Maßnahmen zu unterstützen.

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