Wirtschaft

Wie ein Flughafen CO2-neutral wird

Fliegen ist schlecht für das Klima, kritisieren Umweltschützer. Der Airport Wien ist Vorreiter bei Energieeffizienz und Treibhausgasausstoß. Flugzeuge werden nicht mitgerechnet.

 Der Airport Wien hat seit 2011 den Treibhausgasausstoß um mehr als die Hälfte reduziert  SN/www.picturedesk.com
Der Airport Wien hat seit 2011 den Treibhausgasausstoß um mehr als die Hälfte reduziert

Der Flughafen Wien will als einer der ersten Flughäfen Europas bis 2030 CO2-neutral sein. In der Praxis bedeutet das, dass die Energie für Klimaanlagen, Heizung, Beleuchtung, Rolltreppen, Lifte, Gepäckförderbänder, Flutlicht auf der Piste, wo immer möglich, aus erneuerbaren Quellen kommt, vor allem aber Energie gespart wird. "Wir wollen nicht mehr nur reden, sondern handeln", kündigte Vorstand Günther Ofner am Mittwoch an.

Die Ausgangssituation des Flughafens Wien ist nicht schlecht. Seit 2011 wurde trotz Ausbaus um ein Fünftel weniger Energie verbraucht und um die Hälfte weniger Treibhausgas ausgestoßen. Pro Passagier oder 100 kg Luftfracht ist der Energieverbrauch um 40 Prozent gesunken und die CO2-Emissionen um 70 Prozent. "Wir wissen, dass die nächsten 30 Prozent schwieriger werden", räumt Ofner ein. Gelingen soll es mit einer intelligenten Steuerungssoftware für die Gebäudetechnik, die mit der TU Wien und Denkstatt entwickelt wurde, verstärkter Nutzung von Geothermie für Gebäude, weiteren Photovoltaikanlagen auf dem Gelände und E-Mobilität auf dem Vorfeld. Ab 2020 soll es außerdem Gebührenaufschläge für laute Maschinen geben, um die Airlines zu motivieren, auf modernere, leise umzurüsten.

Bis 2020 will der Flughafen Wien 30 Mill. Euro in Elektromobilität investieren, von E-Passagierbussen bis zu Ladestellen für Taxis und auf Parkplätzen, und damit mindestens eine Million Liter Diesel im Jahr einsparen. Bei Fahrten zum und vom Flughafen nutzten bereits 40 Prozent der Passagiere die Bahn und nur noch ein gutes Viertel den Pkw. Vor zehn Jahren war es umgekehrt. "Ein attraktives Angebot wirkt sich positiv aus", sagt Ofner. Notwendig wäre, die Hochleistungsstrecke von Wien nach Bratislava nicht erst 2035 zu bauen. Hier gebe es massive Nachfrage, wie die Staus auf der Ostautobahn zeigten.

Der Flugverkehr selbst, der in die Klimabilanz des Flughafens nicht einfließt, ist nach Ansicht von Ofner klar weniger umweltschädlich, als es in der "Flugscham"-Debatte dargestellt werde. Weltweit entfielen nach Angaben des Bundes deutsche Luftfahrt auf das Fliegen 2,7 Prozent der CO2-Emissionen, verglichen mit 27 Prozent auf den Verkehr. In Europa sind es 0,5 Prozent und in Österreich 0,2 Prozent.

Passagiere könnten ihre Flugreise durch CO2-Zertifikate kompensieren, so Ofner, "leider macht das aber nicht einmal ein Prozent". Fliegen sei auch nicht steuerfrei: Die österreichische Ticketsteuer sei höher als die neue CO2-Abgabe in Frankreich, zudem nehmen Airlines am Emissionshandel teil. Zehn Prozent Kerosin ließen sich durch eine Reform der EU-Luftraumkontrolle einsparen, die an den Egoismen einiger EU-Länder scheitere.

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