Österreich

Wie Haushalte Energie sparen können

Das Energieeffizienzgesetz soll Neuerungen für die Haushalte bringen: Die Versorger werden ihren Kunden Energieaktionen anbieten müssen.

Wie Haushalte Energie sparen können SN/apa (archiv/dpa)
Österreichisch muss 0,6 Prozent Energie im Jahr sparen. Wie ist noch unklar.

"Wir finden es super", sagen die beiden Vorstände der Oekostrom AG, Horst Ebner und Lukas Stühlinger, "damit bekommt jede Energieeinsparung ein Geldmascherl." So begeistert vom Energieeffizienzgesetz sind in Österreich nur wenige Stromfirmen. Das neue Gesetz, das mit 1. Jänner in Kraft tritt, werde dazu beitragen, dass erstmals ein richtiger Markt für Energiesparmaßnahmen entstehen wird. Viele neue Firmen würden zu dem Thema gegründet, und sogar die Stromkunden selbst würden mit ihren Einsparzertifikaten handeln, sollte eine entsprechende Plattform eingerichtet werden, sagen die Ökostrom-Händler.

Vorerst ist allerdings noch unklar, wie das Gesetz umzusetzen ist. Bekannt sind die Eckpunkte: Energieversorger müssen laut EU-Vorgaben künftig ihre Kunden - sowohl private als auch Firmen - dazu bringen, jedes Jahr 0,6 Prozent weniger Strom, Gas oder Erdöl zu verbrauchen. Schafft ein Unternehmen die Vorgaben nicht, kann es einen Teil davon in Form von Ausgleichszahlungen (20 Cent pro Kilowattstunde) erledigen. Das Geld wandert in einen Fördertopf, der wieder für mehr Energieeffizienz eingesetzt wird.Wie werden Energiesparaktionen angerechnet? Offen ist dagegen, wie einzelne Energiesparaktionen - von Stromsparpaketen über LED-Lampen- oder Gerätetausch-Aktionen bis hin zu Energieberatung - den Versorgern angerechnet werden. "Wir warten dringend darauf", heißt es etwa bei Österreichs Energie, dem Dachverband der Stromwirtschaft. Die entsprechende Fibel ist noch im Wirtschaftsministerium in Arbeit. Auch die Entscheidung, wer künftig darüber wacht, dass auch jede geförderte Energiesparlampe korrekt verbucht wird, dauert. Hier entscheiden Wirtschafts- und Umweltministerium gemeinsam und wollen das "in den nächsten Wochen" tun. Dem Vernehmen nach sind Umweltbundesamt und Energieagentur noch im Rennen um die Monitoringstelle. Zu erwarten ist jedenfalls, dass in den nächsten Monaten sämtliche Energieversorger Förderaktionen starten werden, die von Wärmepumpen bis zu Elektromobilität reichen können.

"Energieeffizienz spart Geld - die positiven Effekte der Investition halten sich über mehrere Jahre", ist man im Wirtschaftsministerium überzeugt. Effizienzmaßnahmen, die in einem Jahr gesetzt werden, hätten über die Lebensdauer einen Einspareffekt von 2,3 Milliarden Euro. Nach Schätzungen des Verbunds wird das neue Energieeffizienzgesetz dagegen einen Haushalt 100 Euro mehr im Jahr kosten. Der Grund: Die Energieversorger müssten investieren - die Kosten dafür würden den Kunden verrechnet. Auch Diesel und Benzin könnte den Haushalten teurer kommen. Kritiker des Gesetzes befürchten zudem, dass die korrekte Dokumentation der vielen, auch kleinen Energieeinsparungen enormen bürokratischen Aufwand erfordert.E-Control will Zahlen nicht kommentierenDer Vorstand der Regulierungsbehörde E-Control, Martin Graf, will die Zahlen nicht kommentieren. Nur so viel: "Die Haushalte dürfen nicht überbordend belastet werden." Die Energieversorger hätten sich noch nicht festgelegt, wie sie ihre Kunden motivieren können. Auch Graf sieht im Energieeffizienzgesetz eine große Chance für Unternehmen - und für deren Kunden. Gerade kleine und mittlere Energieversorger könnten innovative Produkte erfinden und damit bei den Österreichern punkten. Ähnlich wie die Ökostrom-Manager erwartet auch er, dass sich der Markt verändert: "Die Kunden entscheiden in Zukunft nicht mehr nur nach Preis und Qualität, sondern auch nach den Dienstleistungen, die sie bekommen."

Etliche Versorger haben bereits erste Anreize zum Energiesparen gesetzt, darunter auch die Salzburg AG. 10.000 Haushalte haben sich für den EnergiesparBonus gemeldet, berichtet Sprecher Sigi Kämmerer: Wer fünf Prozent Energie einspart, muss zehn Tage lang nichts für Strom oder Gas bezahlen. Zusätzlich können sich Kunden kostenlos einen Energieberater ins Haus holen und sparsame Geräte im Onlineshop kaufen. Laut Gesetz bekommen Frühstarter diese Aktionen auch angerechnet. Weitere Ideen sind in der Pipeline, man wartet aber noch auf die Vorgaben des Wirtschaftsministeriums.Global 2000: Immer noch zu wenigJohannes Wahlmüller von der Umweltorganisation Global 2000 begrüßt das Gesetz prinzipiell. "Erstmals ist in Österreich eine wirkliche Reduktion des Energieverbrauchs vorgesehen." Der Klimaexperte kritisiert jedoch, dass sich die Politik wenig vorgenommen habe. Das Kyoto-Ziel bis 2012 sei viel ambitionierter als das Effizienzgesetz gewesen. Österreich könne aber immer noch einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten. Nur: "Wenn wir jetzt weniger tun, müssen wir nachher mehr leisten - und das wird teuer."

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