Wirtschaft

Wien Tourismus warnt: Reserven der Hotels aufgebraucht

Der Direktor des Wien Tourismus, Norbert Kettner, warnt angesichts des nunmehrigen Lockdowns vor einer neuerlichen Verschärfung der Situation für die Beherbergungsbetriebe - die nun wieder geschlossen sind. Auch wenn der Städtetourismus die vergangenen Jahre stark gewachsen sei und man 2019 die Umsatzmilliarde geknackt habe, seien die Reserven nun aufgebraucht, betonte er gegenüber der APA.

Der Tourismus in Wien hat mit der Coronakrise zu kämpfen SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Der Tourismus in Wien hat mit der Coronakrise zu kämpfen

"Es braucht Liquiditäts- und Eigenkapitalstärkung, die Hotels brauchen Hilfe zum Überwintern, sonst werden einige von ihnen nicht mehr da sein, wenn wir ab 2021 wieder mit einem Anziehen der Nachfrage rechnen. Auch Wiens Kunst- und Kulturbetriebe sowie Kongress- und Eventveranstalter dürfen als systemrelevante Bereiche nicht vergessen werden. Es geht um Ganzjahresarbeitsplätze und systemkritische Infrastruktur, von der später die Erholung der gesamten Branche abhängen wird", betonte Kettner.

Die neuen Coronavirus-Maßnahmen würden den Wien Tourismus vom Aktivieren des Reisepublikums zurück in eine "Phase des Inspirierens" werfen: "Wir setzen trotz Lockdown sehr gezielt Aktivitäten beim Publikum und auf B2B-Ebene etwa bei Reiseveranstaltern, Medien und im Kongressbereich." Man halte mit den wichtigen Märkten Kontakt: "Denn in der jetzigen Phase werden die Marktanteile und Claims der Zukunft aufgeteilt."

"Wir haben Hoffnung, die Reisewarnungen bald abschütteln und ab Dezember wieder Freizeitgäste aus dem In- und Ausland nach Wien holen zu können", zeigte sich Kettner optimistisch. Hilfreich dabei wäre mehr europäische Koordination, insbesondere in Sachen Reisewarnungen und Grenzschließungen, betonter der Tourismusdirektor: "Europa muss wieder ein Binnenmarkt werden, wir brauchen ein europäisches Reiseregime."

"2020 ist wirtschaftlich abzuschreiben, doch habe ich keine Zweifel daran, dass Wien nach der Pandemie aus der Pole Position starten wird", übte sich Kettner in Zuversicht. Schon jetzt werde Wien in renommierten internationalen Medien unter die interessantesten Reiseziele gereiht. Neue Projekte - etwa wie Ankündigung der Luxusmarken Mandarin Oriental sowie Rosewood, 2023 Hotels in Wien zu eröffnen - würden vom Vertrauen der Investoren in den Standort zeugen: "Umso mehr braucht die Branche jetzt Unterstützung, um dann ihren Teil zum Wiederaufschwung beitragen zu können."

Die Attacke in der Wiener Innenstadt hat die Situation nun zusätzlich verschärft, fürchtet man im Wien Tourismus: "Abseits des menschlichen Leids, das der Terroranschlag mit sich bringt, ist nicht von der Hand zu weisen, dass derartige Ereignisse auch und vor allem dem Tourismus schaden." Angesicht des Pandemie liege der Städtetourismus dabei jetzt schon am Boden.

Die Erholung von Corona werde die Branche jedoch wohl länger beschäftigen als der Anschlag in den Köpfen des Reisepublikums verankert bleibe, vermutete Kettner. Das würden vergangene Erfahrungen anderer europäischer Städte mit Terroranschlägen zeigen, auch jüngste Aussagen des Instituts für Wirtschaftsforschung oder des Instituts für Weltwirtschaft würden dies untermauern.

Quelle: APA

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