Wirtschaft

Wiener Firmen setzen mehr auf alternative Finanzierungen

Wiens Unternehmen setzen immer häufiger auf eine Alternative in Sachen Finanzierungen. Eine Studie der Wirtschaftskammer Wien hat ergeben, dass im vergangenen Jahr nur mehr 11 Prozent der Investitionen über einen klassischen Bankkredit finanziert wurden. Befragt wurden insgesamt 535 Firmen.

Finanzieren - aber wie? SN/APA/THEMENBILD/BARBARA GINDL
Finanzieren - aber wie?

Im Bundesländer-Vergleich zeigt sich demnach, dass Wien bei Bankfinanzierungen den mit Abstand niedrigsten Wert verzeichnet. Seit Jahren mache sich hier ein Rückgang bemerkbar, berichtete die Kammer. Umgekehrt erreichen alternative Finanzierungen in der Bundeshauptstadt jedoch den höchsten Wert aller Bundesländer.

So lagen Bankkredite laut Wirtschaftskammer bei der Finanzierung von Investitionsprojekten im Vorjahr im österreichischen Durchschnitt bei 20 Prozent, in Wien jedoch nur bei 11 Prozent. Genau umgekehrt sieht das Bild bei alternativen Finanzierungen aus: Wien kommt hier ebenfalls auf 11 Prozent, der Österreich-Schnitt lag bei 6,6 Prozent. Abgefragt wurde der Einsatz in den vergangenen drei Jahren.

Die mit Abstand meisten Projekte finanzierten die Wiener Unternehmen aus ihrem Cash Flow, einen kleinen Teil auch über Förderungen bzw. über eingebrachtes Eigenkapital, das nicht aus alternativen Finanzierungen stammt. Bei diesen Varianten waren vor allem Stille Beteiligungen mit 47 Prozent gefragt, gefolgt von Crowdfunding, das bei 22 Prozent aller Projekte zum Zug kam. Sogenannte Business Angels wurden bei 17 Prozent der Finanzierungen herangezogen. Zwei Drittel aller Investitionen machten übrigens weniger als 100.000 Euro aus.

Die Studie hat laut Aussendung ergeben, dass der Wunsch der Wiener Unternehmer nach mehr alternativen Finanzierungen durchaus groß ist. Jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) plant demnach, für kommende Projekte solche Modelle zu nutzen - was fast eine Verdoppelung des zuletzt erreichten Werts wäre. Das Interesse an Stillen Beteiligungen sei eher an seinem Zenit angekommen, während der Wunsch, Crowdfunding und Business Angels zu nutzen, massiv nach oben schnelle, hieß es.

"In Österreich gibt es noch sehr viel Potenzial für alternative Finanzierungen. Denn immer noch horten die Österreicher lieber hunderte Milliarden Euro auf extrem niedrig verzinsten Sparbüchern, als einen nennenswerten Teil dieses Betrags in heimische Unternehmen zu investieren. Ziel muss daher sein, mit neuen Anreizen Geld von privaten Sparbüchern in die Betriebe zu bringen", sagte Wiens Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck.

So könnte etwa für Privatpersonen, die heimischen Unternehmen als Eigenkapitalgeber frisches Risikokapital zur Verfügung stellen, ein Beteiligungsfreibetrag von bis zu 100.000 Euro geschaffen werden, der über fünf Jahre absetzbar ist, schlug Ruck vor. Auch eine staatliche Garantie in Form einer "kleinen Einlagensicherung" von bis zu 50.000 Euro und 30 Prozent auf Wert- und Beteiligungspapiere für Private, die mit ihrem Sparkapital investieren, wäre ein wirksamer Anreiz, befand er Kammerchef.

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