Wirtschaft

Wifo-Chef Badelt warnt vor hoher Sockelarbeitslosigkeit

Wifo-Chef Christoph Badelt zeigt sich über die hohe strukturelle Arbeitslosigkeit in Österreich besorgt. "Ein Problem ist die Sockelarbeitslosigkeit, von der wir nicht herunterkommen. Sie ist auch höher als vor der Finanzkrise. Hier gibt es ein Qualifikationsdefizit", sagte der Wirtschaftsforscher dem "Standard". Er empfiehlt u.a. eine gezielte Migrationspolitik, um Qualifikation zu importieren.

Christoph Badelt sieht strukturelles Problem SN/APA/GEORG HOCHMUTH
Christoph Badelt sieht strukturelles Problem

Unter Sockelarbeitslosigkeit wird der Anteil der Arbeitslosigkeit bezeichnet, der auch unter günstigsten konjunkturellen Bedingungen nicht abgebaut werden kann. Es geht dabei um Arbeitslose, die aufgrund von Qualifikation, Alter, Gesundheitszustand, Wohnort oder mangelndem Arbeitswillen nicht einen Job bekommen. Den Sockel-Anteil bei den Arbeitslosen bezifferte der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) im Dezember mit 36 bis 38 Prozent insgesamt bzw. 45 Prozent bei den Menschen über 50.

Badelt sieht außerdem Handlungsbedarf im Bildungswesen. "Viel zu viele junge Menschen kommen ohne ausreichende Qualifikation in den Arbeitsmarkt, oft nur mit Pflichtschulabschluss", warnte der Wifo-Chef. "Auch die zweiten und dritten Generationen von Ausländerfamilien sind wesentlich schlechter gebildet als ihre österreichischen Kohortenangehörigen." Es müsse bei sozial benachteiligten Kindern "gezielt investiert werden".

Bei der politischen Debatte um asylwerbende Lehrlinge und ihren Aufenthaltsstatus plädiert Badelt für eine pragmatische Regelung. "Hier brauchen wir eine rechtlich saubere Lösung, beispielsweise im Rahmen des humanitären Bleiberechts. "Diese jungen, fleißigen Lehrlinge sind die besten Botschafter für gelungene Integration." Badelt empfiehlt eine langfristig gezielte Migrationspolitik. "Wir sollten die Personen mit den Qualifikationen ins Land holen, die wir benötigen", sagte der Wifo-Chef.

Im Dezember sind die Arbeitslosenzahlen deutlich gesunken. Ende Dezember waren inklusive Schulungsteilnehmer 413.936 Personen auf Arbeitssuche, ein Rückgang von 6,7 Prozent gegenüber 2017. Nach nationaler Definition sank die Arbeitslosenquote um 0,7 Prozentpunkte auf 8,7 Prozent. Gestern gab das Sozialministerium vorläufige Zahlen bekannt, heute lieferte das Arbeitsmarktservice die offiziellen Zahlen.

AMS-Vorstand Johannes Kopf bezeichnete den aktuellen Sinkflug der Arbeitslosenzahlen als "sehr erfreulich". Der Rückgang im Dezember um 30.00 Personen entspreche "zufällig auch der den Medien gemeldeten Anzahl an Blüten beim gestrigen Neujahrskonzert". Ein blumiger Vergleich sei "ausnahmsweise deswegen erlaubt, weil diesmal auch Jugendliche, die aktuell im Auftrag des AMS ihre FloristInnenausbildung bei Jugend am Werk absolvieren, den Wiener Stadtgärten bei der Dekorierung des Musikvereins geholfen haben", so Kopf.

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