Wirtschaft

Wifo erwartet kaum Folgen für Tourismus wegen Coronavirus

Das Coronavirus macht der Tourismusbranche zunehmend Sorgen. China hat drastische Reisebeschränkungen über seine Bevölkerung verhängt, Gruppenreisen ins Ausland sind untersagt. Einige Länder - wie Australien oder Japan - haben bereits erste Auswirkungen auf die Touristenzahlen bemerkt. Für Österreich dürften die Folgen nach Einschätzung des Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) limitiert bleiben.

Touristen aus China dürften weniger nach Europa kommen SN/APA (AFP)/ALBERTO PIZZOLI
Touristen aus China dürften weniger nach Europa kommen

Wifo-Experte Stefan Schiman ist zwar der Meinung, dass das Coronavirus den Tourismus- und die Reisebranche besonders treffen wird. "Der Anteil der chinesischen Touristen in Österreich ist aber sehr gering", so Schiman zur APA. Laut Angaben des Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) entfielen im vergangenen Jahr 2,2 Prozent aller Ankünfte in Österreich und 1,0 Prozent aller Nächtigungen auf chinesische Touristen. Für andere Länder - beispielsweise für Italien, dürfte der Effekt dagegen sehr viel deutlicher spürbar werden.

Für Italien gehört der chinesische Markt zu den wichtigsten im Tourismusbereich, denn diese lassen viel Geld im Land. Chinesische Touristen gaben 2018 laut Daten des italienischen Ministeriums 650 Mio. Euro in Italien aus. Auch in Wien geben die chinesischen Touristen im Schnitt viel Geld aus. Laut Daten von Wien Tourismus gibt jeder Reisende aus China pro Einkauf in der Stadt den Spitzenwert von durchschnittlich rund 950 Euro aus. In der Hauptstadt fürchten Branchenvertreter einen durch das Coronavirus bedingten "Knick" bei Reisenden aus China.

Für die weltweite Konjunktur ist die Dienstleistungsbranche aber noch eine wichtige Stütze. Die Industrie habe dagegen im vierten Quartal weiter unter den Handelskonflikten gelitten, schreibt das Wifo. Wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China sind laut Wifo-Daten die Exporte Chinas in die USA in den letzten eineinhalb Jahren um durchschnittlich 7,3 Mrd. Dollar pro Monat eingebrochen. Die Exporte der USA nach China gingen laut Wifo indessen um 3 Mrd. Dollar pro Monat zurück. Überraschend sei jedoch, dass China seine Waren erfolgreich an andere Länder verkaufen und so den Ausfall der Exporte in die USA abmildern konnte, während die USA solche Umlenkungseffekte nicht für sich verbuchen konnten, sagte Schiman.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat sich zuletzt etwas entschärft. Das Coronavirus dürfte aber auch die Industrie nicht verschonen. Potenzielle Belastungsfaktoren seien vor allem unterbrochene Lieferketten und Produktionsstopps, so Schiman. Genaue Angaben zu den Auswirkungen könne man aber noch nicht machen. Bisher sei jede Aussage dazu noch sehr spekulativ. Am Montag hatte bereits der Handelsdelegierte der österreichischen Wirtschaftskammer in China, Martin Glatz, vor längerfristigen Auswirkungen auf die globalen Lieferketten gewarnt.

Die Automobilindustrie spürt bereits zunehmend die Folgen des Virusausbruchs in China. Als erster europäischer Autobauer stellt sich Fiat Chrysler darauf ein, dass eine stockende Teileversorgung aus dem Land in zwei bis vier Wochen die Produktion in einem Werk in Europa beeinträchtigen könnte. Um welches Werk es sich handelt, sagte Vorstandschef Mike Manley nicht.

Der größte japanische Autobauer Toyota kündigte am Freitag an, die Produktion in all seinen chinesischen Werken bis zum 16. Februar ruhen zu lassen. Auch andere Hersteller haben die Werksferien nach dem chinesischen Neujahrsfest wegen des Virusausbruchs verlängert.

BMW hatte bereits die Werksferien für Mitarbeiter in der Produktion in der chinesischen Stadt Shenyang bis 9. Februar verlängert. Büroangestellte sollen in dieser Zeit von zuhause aus arbeiten. Volkswagen will die Arbeit an den Standorten mit dem chinesischen Partner FAW nach bisherigen Informationen nicht vor Sonntag wieder aufnehmen. Im Gemeinschaftsunternehmen mit SAIC ist dies bisher am Montag geplant. Als erster ausländischer Autokonzern hatte Hyundai wegen einer unterbrochenen Lieferkette die Produktion in Korea heruntergefahren. In der zwischen Herstellern und Lieferanten weltweit verflochtenen Industrie können Störungen in der Teilevorsorgung massiven Einfluss auf die Autoproduktion haben.

Quelle: APA

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