Wirtschaft

Wirtschaft im ersten Quartal um 9,5 Prozent gewachsen

Die österreichische Wirtschaft ist mit einem starken Wachstum ins Jahr 2022 gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal real, also inflationsbereinigt, um 9,5 Prozent zu, wie die Statistik Austria am Donnerstag mitteilte. Damit liege die heimische Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent höher als vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Das Wachstum fand auf breiter Basis statt - fast alle Wirtschaftsbereiche trugen zu der positiven Entwicklung bei.

Industriemotor brummt SN/APA/HANS KLAUS TECHT/HANS KLAUS
Industriemotor brummt

"Das zeigt, dass es mit Österreichs Wirtschaft weiter deutlich vorangeht", sagte der Generaldirektor der Statistik Austria, Tobias Thomas am Donnerstag. Ein Teil des starken Wachstum sei allerdings auch einem Basiseffekt geschuldet gewesen, da das Wachstum im ersten Quartal des Vorjahres 2021 noch negativ ausgefallen war. Das BIP im ersten Quartal war real um 1,5 Prozent höher als im Vorquartal, also im vierten Quartal 2021.

Einige Branchen - unter anderem Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Information und Kommunikation, Handel oder sonstige Dienstleistungen - hätten die Krise bereits hinter sich gelassen, so Thomas weiter. Dagegen hätten die Bereiche Gastronomie und Beherbergung oder Kultur noch einen weiteren Weg vor sich, bis sie wieder auf das Niveau von 2019 zurückzukehren.

Derzeit liegt die Wirtschaftsleistung in der Gastronomie und Beherbergung erst bei rund zwei Drittel (64 Prozent) ihres Vorkrisenniveaus. Sichtbar wird das auch an den Zahlen aus der touristischen Wintersaison. In dieser ist die Zahl der Nächtigungen mit 52,7 Millionen rund zehnmal höher ausgefallen als in der Wintersaison des Vorjahres (2020/21), die wegen Lockdowns aber nahezu ein Totalausfall war. Die Buchungen lagen noch um etwas mehr als ein Viertel unter dem Vorkrisenniveau (Winter 2018/19).

Im Vergleich zum Vorjahresquartal verzeichneten aber nahezu alle Wirtschaftsbereiche ein Wachstum - einzig der Sektor Land- und Forstwirtschaft und Fischerei schrieb ein Minus von 1,4 Prozent. Deutliche Zuwächse zum Vorjahresquartal gab es in den Bereichen Verkehr (plus 25,7 Prozent), sonstige Dienstleistungen (plus 12,4 Prozent) und Handel (plus 8 Prozent). Wegen des Fast-Stillstands in der Vergleichsperiode besonders steil bergauf ging es für Gastronomie und Beherbergung mit einem Plus von 366,7 Prozent zum ersten Quartal 2021.

"Die künftige konjunkturelle Entwicklung wird neben den Folgen der Corona-Krise zunehmend auch von den wirtschaftlichen Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine beeinflusst sein", so Thomas. Im April 2022 habe sich die Industriekonjunktur jedenfalls leicht gedämpft fortgesetzt, sagte Statistik-Austria-Volkswirt Johannes Chalupa. Das Wachstum lag bei 28,1 Prozent. Gegenüber dem Vorkrisenniveau steht der Konjunkturindikator für Industrie und Bau um 41,1 Prozent höher.

Auch die Außenhandelszahlen für Februar 2022 lagen über dem Level von vor der Pandemie. Gemessen am Februar 2019 lag das Barometer für die Importe bei 118,8 Prozent und jenes der Exporte bei 112,8 Prozent. Mit Abstand wichtigster Handelspartner für Österreich ist Deutschland - im Zeitraum von 2017 bis 2021 erreichten die Exporte 226,4 Mrd. Euro und die Importe 274,9 Mrd. Euro.

Russland und die Ukraine spielen dagegen für den heimischen Außenhandel gemessen in Euro nur eine kleine Rolle. Aus der Ukraine kamen von 2017 bis 2021 Importe im Wert von 4,01 Mrd. Euro, die Exporte lagen bei 2,7 Mrd. Euro. Aus Russland kamen im gleichen Zeitraum Lieferungen in Höhe von 15,7 Mrd. Euro, die Exporte beliefen sich auf 10,8 Mrd. Euro. Allerdings stammten drei Viertel der heimischen Gasimporte (77,3 Prozent oder 11,20 Mrd. Euro) aus Russland.

Eine wichtige Rolle werde in den kommenden Monaten weiterhin die Inflationsentwicklung spielen, so der Generaldirektor. Im Mai ist diese laut Schnellschätzung der Statistik Austria auf 8,0 Prozent bzw. den höchsten Stand seit 1975 gestiegen. Befeuert wird die Teuerung derzeit von sämtlichen Warengruppen. "Die Preissteigerungen sind in der Breite der Produkte angekommen", sagte Thomas. Nicht mehr nur Energie und Treibstoffe, sondern auch Nahrungsmittel sowie Preise für Gastronomie und Hotellerie stiegen merklich an.

Auch die Bevölkerung spürt die Teuerung bereits deutlich. In einer Befragung der Statistik Austria vom Februar/März 2022 gab ein Drittel der Befragten an, in den vergangenen zwölf Monaten Einkommensverluste im Haushaltseinkommen wahrgenommen zu haben. Rund ein Fünftel begründete diese Einkommensverluste mit der Inflation.

Weitgehend erfreulich entwickelt sich indessen der Arbeitsmarkt, wo die Beschäftigung im April 2022 um 2,7 Prozent über dem Vorkrisenniveau lag. Die Coronakrise könne damit als so gut wie überwunden angesehen werden, sagte Thomas. Auch die Langzeitarbeitslosigkeit verringerte sich merklich. Gleichzeitig legte jedoch die Zahl der offenen Stellen deutlich zu, im ersten Quartal 2022 lag diese um 58,1 Prozent über dem ersten Jahresviertel 2019. Eine leichte Abmilderung des Fachkräftebedarfs könnte aber die durch den Ukraine-Krieg gestiegene Zuwanderungszahl bringen, meint Thomas. Allerdings sei das nur teilweise möglich, "in der Breite sicher nicht", so der Generaldirektor.

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