Wirtschaft

Wirtschaft in Osteuropa bricht heuer um 6,1 Prozent ein

Auch die Wirtschaft in den 23 Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas (MOSOEL) rasselt wegen der Coronakrise ordentlich nach unten. Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) hat die Einschätzung bekräftigt, wonach die Auswirkung der Viruskrise größer ist als jene der Krise 2008/09. Demnach bricht das durchschnittliche reale BIP in der Region heuer um 6,1 Prozent ein.

Im Vergleich dazu betrug der Rückgang im Jahr 2009 nur 5,6 Prozent, hieß es am Mittwoch bei einer digitalen Pressekonferenz des Instituts. Die anfängliche wirtschaftliche Erholung wird diesmal in der gesamten Region auch wesentlich schwächer ausfallen. Das WIIW rechnet mit 2,8 Prozent im Jahr 2021, gegenüber 4,4 Prozent im Jahr 2010.

Der Weg zurück zu "normalen" Zinssätzen werde noch länger dauern als vor der Coronakrise gedacht. Auch diese Phase werde länger andauern als nach der Finanzkrise 2008.

Die Einbrüche werden in den Ländern Osteuropas jedenfalls sehr unterschiedlich ausfallen, besagt die neueste WIIW-Prognose. Die größten realen BIP-Rückgänge werden heuer in Kroatien (-11 Prozent), Slowenien (-9,5 Prozent), der Slowakei (-9 Prozent) und Montenegro (-8 Prozent) erwartet. Das zeigt die besonders starke Abhängigkeit dieser Länder vom Außenhandel und/oder dem Tourismus widerspiegelt.

Aber auch bei den beiden größten Volkswirtschaften der Region stehen heuer erhebliche Rezessionen bevor: Das WIIW prognostiziert, dass das reale BIP in der Türkei um 6 Prozent und in Russland um 7 Prozent einbrechen wird.

Die glimpflichsten Wirtschaftsrückgänge werden in jenen Volkswirtschaften erwartet, die weniger von Außenhandel und Tourismus abhängig sind. Das sind etwa das Kosovo (-4,4 Prozent) oder Moldawien (-3 Prozent). Auch jene Länder, die voraussichtlich erhebliche fiskalische Ressourcen einsetzen werden, um den Wirtschaftsabschwung abzufedern, dürften verhältnismäßig weniger hart betroffen sein. Das sind etwa Polen (-4 Prozent), Kasachstan (-3 Prozent) und Serbien (-4 Prozent).

Jene Länder, die in der Lage waren, ihren Coronastillstand schneller aufzuheben, werden ebenfalls besser abschneiden als sonst zu erwarten gewesen wäre. Das betrifft etwa wie die Tschechische Republik (-4,8 Prozent).

Die Abwärtsrisiken der WIIW-Wirtschaftsprognose sind erheblich. Insbesondere die Abhängigkeit der Ukraine, Moldawiens und vieler Länder des Westbalkans von großen Kapitalzuflüssen könnte in diesen Ländern zu erheblichen zusätzlichen Belastungen führen. Es wird erwartet, dass Geldtransfers, ausländische Direktinvestitionen und Portfoliozuflüsse heuer stark zurückgehen werden. Hier werden der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Rezession spielen, so das WIIW.

Mittelfristig werde die Krise gewisse Aspekte der Volkswirtschaften Osteuropas grundlegend verändern, aber nicht alle Auswirkungen sollen negativ sein. Etwa sei eine andere Art der Konsumwirtschaft und eine höhere Vorsicht aufseiten der Verbraucher zu erwarten. Es dürfte auch zu Steuererhöhungen kommen, um die Zunahme der Staatsverschuldung zu bremsen.

Zugutekommen werden dem größten Teil Osteuropas Produktionsverlagerungen in osteuropäische Länder. Das gelte auch für die Auslagerung von Dienstleistungen, die zunehmen dürfte. Die baltischen Staaten, die Tschechische Republik und Slowenien seien am besten in der Lage, um von einem Aufschwung der digitalen Wirtschaft als Folge der Krise zu profitieren.

Quelle: APA

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