Österreich

Wirtschaftsbund sieht keine Zuschlags-Kürzung

Angesichts von Trends wie Globalisierung und Digitalisierung müsse die Arbeitszeit in Österreich flexibler werden, fordert Wirtschaftsbund-Generalsekretär Peter Haubner. Die Unternehmen wollen aber niemandem Überstundenzuschläge wegnehmen oder zu insgesamt längerer Arbeit zwingen, versicherte er im Gespräch mit der APA. Es gehe nur um eine flexiblere Verteilung der Arbeitszeit.

Haubner (l.) sieht viele Vorteile der Flexibiität.  SN/APA (Archiv)/HANS PUNZ
Haubner (l.) sieht viele Vorteile der Flexibiität.

"Wir wollen nicht die Grundpfeiler Tageshöchstarbeitszeit, Wochenarbeitszeit, Durchrechnungszeitraum verändern, sondern nur erweitern, damit man sie flexibler handhaben kann". Zwölf Stunden zu arbeiten sei ja nicht der tägliche Normalfall, sondern müsse in Ausnahmefällen bei Auftragsspitzen abgedeckt sein.

"Auf keinen Fall" werde die Wirtschaft dann in absehbarer Zeit maximale Arbeitszeiten von 14 Stunden fordern, um noch besser auf Auftragsspitzen eingehen zu können, sagte Haubner. "Mit zwölf Stunden werden wir sicher das Auslangen finden", das werde durch die längere Durchrechnung unterstützt.

Zwar gebe es heute schon Regelungen, die zwölf Stunden Arbeit zulassen, aber diese seien "nicht so einfach", sagt Haubner. Es gebe viele Hürden, zwölf Stunden Arbeit sei nur unter speziellen Voraussetzungen möglich. "Generell brauchen wir eine gesetzliche Regelung, um von den zehn auf zwölf Stunden zu kommen. Wir wollen da jetzt keine Überstundenzuschläge kürzen oder wegnehmen, sondern einfach das System ausweiten". Die elfte und die zwölfte Arbeitsstunde seien auf jeden Fall Überstunden und das würde auch so bleiben, versicherte er.

Viele Unternehmen würden jetzt schon flexibel arbeiten, "aber teilweise sind sie halt immer am Rande eines Graubereichs und diesen Graubereich könnte man damit beseitigen", sagt Haubner. Die Entscheidung, wann mehr zu arbeiten ist und wann diese Stunden dann in mehr Freizeit münden, sei auf Ebene der Betriebe am besten zu entscheiden.

"Durch flexible Arbeitszeit lassen sich Beruf und Familie besser vereinbaren", ist sich Haubner sicher. Das sei auch der Wunsch der Menschen. Er verwies auf eine GfK-Umfrage, wonach 84 Prozent der Befragten gerne flexibler arbeiten wollen. Aus seiner Sicht würden sich daher Gewerkschaft und Arbeiterkammer gegen die Interessen ihrer eigenen Mitglieder stellen, wenn sie nicht versuchen, gemeinsam mit den Arbeitgebern eine Lösung für flexiblere Arbeitszeiten zu finden.

Haubner räumt ein, dass bei der Kinderbetreuung unter flexiblen Arbeitszeiten noch Nachbesserungsbedarf besteht. Die Wirtschaft fordere, dass Betreuungskosten künftig steuerlich absetzbar sein sollten, bis Kinder 14 sind, statt bis 10 wie derzeit. Außerdem müssten Kinderbetreuungseinrichtungen weiter ausgebaut werden und da passiere auch schon einiges. Aber berufstätige Menschen am Land seien ohnehin in der Familie und im sozialen Umfeld gut organisiert und in der Stadt gebe es eine Versorgungsdichte, sieht Haubner die Schwierigkeiten lösbar.

(APA)

Aufgerufen am 23.11.2017 um 12:47 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/wirtschaftsbund-sieht-keine-zuschlags-kuerzung-73975

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