Wirtschaft

Wirtschaftsministerin Schramböck plant "Kaufhaus Österreich"

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck von der ÖVP plant ein virtuelles "Kaufhaus Österreich". Das soll die Position heimische Unternehmen im Kampf gegen Onlineriesen wie Amazon stärken.

Schramböcks Ministerium will die heimischen Einzelhändler unterstützen SN/APA (BKA/Wenzel)/ANDY WENZEL
Schramböcks Ministerium will die heimischen Einzelhändler unterstützen

Wegen der Coronakrise gibt es derzeit viele Aufrufe, die Geschäfte ums Eck zu unterstützen. Doch viele Einzelhändler hätten immer noch das Problem, dass ihre Online-Shops im Internet nicht gefunden werden. Die Coronakrise habe aber auch gezeigt, welches Potenzial in der Digitalisierung steckt. So gab Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck am Montagvormittag in einer auf ORF III übertragenen Sendung den Startschuss für die Erarbeitung eines "Digitalen Aktionsplan Austria".
Eine Expertenrunde gab zum Auftakt auch Anregungen zur Digitalisierung von Unternehmen und der Verwaltung. Für Professor Peter Parycek von der Donau-Uni Krems gibt es zwei zentrale Faktoren, die Unternehmen helfen, besser bei der Digitalisierung und damit Wettbewerbsfähiger und resilienter zu werden: Zum einen ist das ein hoher Nutzungsgrad von Technologie in Unternehmen. Hier geht es um die verstärkte Nutzung von Daten, die Digitalisierung von Prozessen und den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Cloud-Diensten. Als zweiten Faktor für eine erfolgreiche Digitalisierung nannte Parycek den menschzentrierten Teil. Dort finde die Innovation tatsächlich statt: Dazu braucht es eine offene Unternehmenskultur und Mitarbeitern, die die Kompetenz haben, zu digitalisieren und neu aufzustellen. Digitalisierung passiere zwar sowieso, aber "sind wir mit den Konsequenzen auch zufrieden?", fragte Parycek. In Österreich sei bei Innovationen oft der Rechtsrahmen ein Problem. Er schlägt rechtliche Realräume vor, um örtlich und zeitlich begrenzt experimentieren zu können.

Behördengänge digitalisieren

Digitalisierungsministerin Margarete Schramböck ist aber auch die digitale Verwaltung ein besonderes Anliegen. Hier sieht sie für Unternehmen ein großes Einsparungspotential: 4,2 Milliarden Euro würden pro Jahr dafür aufgewandt werden, dass Unternehmen die immer gleichen Daten abgeben. Daher habe sie sich dem Once-Only-Prinzip verschrieben, das zum Ziel hat, dass Unternehmen bestimmte Standardinformationen den Behörden und der Verwaltungen nur noch einmal mitteilen müssten. In der digitalen Verwaltung sei Österreich zwar auf Platz drei hinter Malta und Estland, es gebe aber noch viel Potenzial.


Das unterstreicht auch Professor Michel Mayrhofer von Technology Law Lab der Johannes Keppler Universität in Linz. Er sieht die digitale Verwaltung als besonders bürgerfreundliche: Es gehe nicht darum, ein paar Formulare mehr online zu stellen, sondern die ganzen Interaktionsprozesse neu zu denken und somit einfacher und effizienter zu machen. Produkionsmaschinen, die sich selbst bei den Behörden anmelden, seien keine Zukunftsmusik mehr. Informationen sollen nur mehr einmal der Verwaltung zur Verfügung gestellt werden. "Wir werden in Zukunft keine Formulare mehr ausfüllen, wir werden eine digitale Verwaltung haben. Österreich ist da sehr weit", sagte Mayrhofer und forderte digitalisierungsfreundliche Gesetze und eine durchgängige digitale Kommunikation mit den Behörden. Ziel sei, Routinen zu digitalisieren und Zeit zu haben, die komplexen Dinge persönlich zu klären. In Österreich gibt es allein 32.000 Unternehmensgründungen pro Jahr.

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