Wirtschaft

Wo der Schuh drückt: Handel leidet massiv unter Corona

Die Coronakrise hat im Handel deutliche Spuren hinterlassen - auch nach dem Ende der Geschäftsschließungen. Im Schuh- und Textilhandel sieht es düster aus.

Wochenlang mussten Geschäfte im Frühjahr coronabedingt geschlossen bleiben. Als die Türen wieder aufgingen, standen Kunden zwar vor Baumärkten Schlange, in Schuhgeschäften und bei Modehändlern blieb der Ansturm aber großteils aus. Die Coronakrise und die verhängten Maßnahmen haben viele heimische Händler hart getroffen. Wie hart, zeigt nun eine aktuelle Erhebung der Wirtschaftskammer. Demnach lagen die Umsatzeinbußen in den Monaten März und April bei 2,2 Mrd. Euro brutto im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Rechnet man den Lebensmittelhandel heraus - der nicht von Schließungen betroffen war -, steht unterm Strich ein Umsatzminus von 42,8 Prozent im März und 46,2 Prozent im April.

Die stärksten Rückgänge gab es bei Mode und Schuhen. Hier sind die Umsätze im März um mehr als 60 Prozent gesunken, im April sogar um mehr als 70 Prozent. Auch Uhren, Schmuck und Sportartikel waren kaum gefragt. Einzig der Lebensmittelhandel verzeichnete ein deutliches Plus, im März waren es laut der Studie von Wirtschaftskammer und KMU Forschung Austria 17 Prozent. Allerdings profitierten auch hier nicht alle gleichermaßen. Der Großhandel, dem die Gastronomiekunden abhandenkamen, hatte zu kämpfen, ebenso kleine Lebensmittelhändler. Der Internet-Einzelhandel konnte hingegen stark profitieren. Im März gab es etwa - ausgehend von einem vergleichsweise geringen Niveau - ein Umsatzplus von rund 50 Prozent.

Im Mai besserte sich die Lage bei den Händlern deutlich. "Viele Branchen sind aber trotzdem noch weit unter dem Niveau von vor der Krise", sagt Peter Buchmüller, der scheidende Obmann der WKÖ-Bundessparte Handel. Gerade in Einkaufsstraßen, die stark vom Tourismus lebten, sei die Situation schwierig. "Die tun sich wahnsinnig schwer, sei es die Kärntner Straße oder die Getreidegasse." Nicht alle Unternehmen würden diese Krise überstehen, warnt Buchmüller. Gerade der Schuh- und Bekleidungshandel sei eine Risikobranche. Hier kämen zu den massiven Umsatzeinbrüchen auch Liquiditätsprobleme dazu: Auf der Frühjahrsware blieben Händler sitzen. Die Herbstware musste schon bestellt und bezahlt werden. "Wenn die Umsätze nicht bald kommen, schaut es düster aus." Sein Appell: In Österreich einkaufen. "Wir unterschätzen, was passiert, wenn der Handel nicht bald wieder auf die Beine kommt. Aber viele glauben es erst, wenn es zu spät ist. Und dann jammert man."

Buchmüller - neuer Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg - absolvierte am Dienstag seinen letzten offiziellen Termin in der Funktion als Bundes-Handelsobmann. Zu Buchmüllers Nachfolger soll am Donnerstag Rainer Trefelik, bislang Obmann der Wiener Sparte Handel, gewählt werden.

Im Handel waren in Österreich rund 600.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Arbeitslosenrate ist - mit einem Plus von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - stark gestiegen. Im Mai war zudem noch rund die Hälfte der Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Die Gewerkschaft GPA-djp hat diese Zahlen auch nach Branchen aufgeschlüsselt. So seien im Textil- und Schuhhandel noch annähernd 90 Prozent der Beschäftigten in Kurzarbeit. "Durch den verfestigten Trend zum Onlinehandel ist ein Fairnesspaket nötig, um den Konkurrenzkampf zwischen stationärem Handel und Onlinehandel auszugleichen", fordert Gewerkschafterin Anita Palkovich, KV-Verhandlerin im Handel, weitere Maßnahmen. Unter anderem solle die Digitalsteuer auch auf Gebühren für Onlineplattformen ausgedehnt werden.

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