Wirtschaft

Wurzeralm beendet heuer vorzeitig die Corona-Skisaison

Das oö. Skigebiet Wurzeralm bei Spital am Pyhrn beendet mit dem Wochenende vorzeitig die Saison. Schulskikurse werden nach Hinterstoder umgeleitet. Anders sei der Betrieb derzeit nicht rentabel, heißt es. Bei den Hinterstoder-Wurzeralm-Bergbahnen versichert man, dass man im kommenden Winter wieder öffnen werde. Dass es die Skigebiete im Spannungsfeld zwischen Klimawandel und Pandemie nicht leicht haben, zeigt ein Blick in die oberösterreichische (Winter-)Landschaft.

Als Grund für das mit 13. März vorzeitige Saisonende auf der Wurzeralm, wo traditionell viele Schulskikurse stattfinden, gibt Helmut Holzinger, Geschäftsführer der Hinterstoder-Wurzeralm (HiWu) Bergbahnen an, dass die Schulen erst sehr spät Grünes Licht für diese Sportwochen erhielten. Hinzu kam die PCR-Testpflicht für die Tagestouristen. Insgesamt sei die Zahl der Gäste - in normalen Jahren 500.000 - um rund 30 Prozent zurückgegangen. In den zwei Pandemiejahren habe man auch um rund fünf Millionen Euro weniger Umsatz gemacht. Das Land unterstützt nun Shuttledienste, die Schüler ohne Mehrkosten für die Eltern aus den Quartieren in Spital auf die Höss nach Hinterstoder bringen. Nur so sei die Saison wirtschaftlich darstellbar, so Holzinger. Laut Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) habe das Land, das Anteile an den HiWu-Bergbahnen hält, der vorzeitigen Schließung des Seilbahnbetriebes "unter der Bedingung, dass je nach Pandemieverlauf im nächsten Winter wiederum eine 'normale' Saison mit längeren Betriebszeiten stattfinden wird", zugestimmt.

Oben auf der Wurzeralm herrschte zuletzt wegen der geringen Auslastung Unsicherheit, wie es mit dem Liftbetrieb weitergeht. Mit Sorge beobachtet man den Trend, dass es immer mehr Tourengeher und immer weniger Vollzahler gibt. Holzinger tritt Schließungsgerüchten aber entgegen. Man werde nächste Saison "fix" wieder aufsperren. Derzeit läuft beim Land ein UVP-Feststellungsverfahren zur geplanten Erneuerung der Frauenkar-Bahn, die allerdings von Naturschützern skeptisch gesehen wird. Im Schwester-Gebiet Hinterstoder werden recht konkrete Pläne für eine neue Zehner-Kabinenbahn mit 3.200 Personen pro Stunde gewälzt: Noch sind zwar nicht alle Genehmigungen für das 20-Millionen-Euro-Projekt da, dennoch rechnet Holzinger mit dem Spatenstich im Juni.

Allerdings werden seit Jahren immer wieder Erweiterungspläne im Pyhrn-Priel-Gebiet verworfen: Das anfängliche Vorhaben, die Skigebiete Hinterstoder und Wurzeralm - zuerst via Skischaukel, dann mit einem 4,5 Kilometer langen Tunnel - über das Naturschutzgebiet Warscheneck zu verbinden, ging nicht durch. Mittlerweile ist man auch vom Plan einer Gondelbahn von Vorderstoder zur Wurzeralm offenbar abgerückt. Zuletzt wollte man die Höss über drei Seilbahnen mit den ehemaligen Hacklliften in Vorderstoder verbinden und 10,7 Kilometer Skipisten in einer Seehöhe von unter 1.100 Metern inklusive Beschneiung schaffen. Eine Bürgerinitiative wehrt sich dagegen.

Auch wenn man sich in den Skigebieten stets optimistisch zeigt und die Politik an den Schulskikursen festhält - Kritiker führen oft ins Treffen, dass der Klimawandel das Skifahren gerade in den alpinen Randgebieten wie Oberösterreich irgendwann unmöglich machen werde. Die Prognosen sind tatsächlich nicht allzu rosig: Eine Studie von Boku-Klimaforscher Herbert Formayer und seinem ZAMG-Kollegen Marc Olefs über die Entwicklung der natürlichen Schneedecke in der Pyhrn-Priel-Region prognostiziert künftig weniger Schnee - vor allem nicht solche Massen, die Outdoor-Aktivitäten abseits der Pisten ermöglichen - und öfter Regen, 30 Zentimeter Schnee in Tallagen nur mehr in Ausnahmewintern.

Auch im Projekt FuSE-AT haben Forscher unter der Leitung der ZAMG errechnet, dass selbst, wenn das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens erreicht wird, in Lagen unter 400 Metern im Jahr 2100 nur mehr acht Tage mit Schneedecke zu erwarten sind. Das wäre eine Halbierung gegenüber bisher. In 1.000 Metern seien 60 (minus 25 Prozent) und in Regionen zwischen 1.500 und 2.500 Metern 190 Schneedecken-Tage (minus zehn Prozent) zu erwarten. Auch die atmosphärischen Bedingungen für die technische Beschneiung würden deutlich schlechter werden - in mittleren Lagen um 15 Prozent, in höheren um zehn Prozent.

Angesichts steigender Preise und Temperaturen stellt sich für oberösterreichische Familien die Frage, wo man noch in der Region tageweise Skifahren kann. Denn auch am Kasberg machen sich lokale Skivereine Sorgen um den Weiterbestand. Aufgrund der "großen regionalwirtschaftlichen Bedeutung" habe das Land OÖ bereits 2016 eine Abgangsdeckung für den Betrieb der Seilbahn- und Schiliftanlagen am Kasberg bis zur Skisaison 2025/26 beschlossen, betont Achleitner. Um den Standort auch darüber hinaus wirtschaftlich abzusichern, habe er ein touristisches Gesamtkonzept in Auftrag gegeben. Heuer läuft die Saison am Kasberg voraussichtlich noch bis 27. März.

Es gibt aber nach wie vor auch Bestrebungen, Mini-Skigebiete zu errichten: In Engelhartszell im Innviertel etwa will der Bauunternehmer Roman Moser einen ganz neuen Skilift bauen - auf einem Kinder-Skihügel mit Zauberteppich und Schlepplift möchte er den Kindern aus der Region ermöglichen daheim Skifahren zu lernen. "Das ist kein wirtschaftliches Ertragsprojekt", erklärt der Bauunternehmer. "Wir werden nicht drei Monate fahren sondern eineinhalb bis zwei", ist er realistisch. Der Betrieb ist CO2-neutral geplant, mit PV-Anlagen und Wasser aus Oberflächengewässern.

Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne) steht dem Vorhaben dennoch höchst skeptisch gegenüber: Damit auf dem Südhang in 700 Metern Seehöhe überhaupt ein Skibetrieb von wenigen Wochen möglich sein kann, seien die Rodung eines wertvollen Waldes und enorme Mengen an Wasser und Energie notwendig. Er verweist in diesem Zusammenhang gerne auf Kirchschlag, wo er aufgewachsen ist: In dem traditionellen Familienskigebiet vor den Toren von Linz habe es vor 25 Jahren noch elf Skilifte gegeben, nun seien es nur mehr drei - und diese seien von Beschneiung abhängig. Was das Projekt in Engelhartszell angeht, "beurteilt die Aufsichtsbehörde Land OÖ, dass die geplante Widmung gesamtfachlich klar abzulehnen ist".

Freilich müssten zwei Hektar Wald geopfert werden, doch Moser sieht keinen Schaden für die Natur: "Engelhartszell hat einen Waldanteil von 60 Prozent und jedes Jahr werden 2,7 Hektar aufgeforstet, also mehr als für mein Projekt gebraucht wird." Dieses Argument zählt auch für Bürgermeister Roland Pichler (ÖVP), der dem Projekt grundsätzlich positiv gegenübersteht. In den kommenden beiden Gemeinderatssitzungen müsse entschieden werden, ob ein Umwidmungsverfahren eingeleitet wird.

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