Wirtschaft

Zahl der Saisonniers soll steigen - Kritik der SPÖ

Die Bundesregierung hat ihre Verordnung für mehr befristete Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern in Begutachtung geschickt. Waren im Tourismus bisher 1.000 Personen im Winter und 720 im Sommer genehmigt, sind es künftig ganzjährig durchgehend 1.263. In der Landwirtschaft steigt die Zahl von 2.610 auf 2.727plus 288 Kurzzeitkräfte (bisher 275). Kritik an der Regierungspolitik kommt von der SPÖ.

Fehlende Arbeitskräfte im Tourismus machen Maßnahmen nötig SN/APA (dpa)/Monika Skolimowska
Fehlende Arbeitskräfte im Tourismus machen Maßnahmen nötig

Für ein und dieselbe Saisonarbeitskraft dürfen innerhalb eines Zeitraumes von zwölf Monaten Beschäftigungsbewilligungen für eine Gesamtdauer von längstens neun Monaten erteilt oder verlängert werden. Im Schnitt steige die Zahl der Kurzzeitkräfte aus Nicht-EU-Ländern um 4,5 Prozent.

Außerdem darf die Zahl der Saisonniers kurzfristig um 20 Prozent erhöht werden, dieses Plus muss aber im Laufe des Jahres wieder abgebaut werden, so das Landwirtschaftsministerium am Freitag in einer Aussendung. Die Bundesregierung ergreife damit nach der Reform der Rot-Weiß-Rot Card und der Regionalisierung und Erweiterung der Mangelberufsliste die nächsten Maßnahmen.

"Die neue Saisonnierskontingent-Verordnung bringt mehr Flexibilität und vor allem ein höheres Kontingent für die Arbeitsspitze, wenn es dringend gebraucht wird", so Ministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP). Zufrieden zeigten sich heute auch Wirtschaftskammer, Wirtschaftsbund und die Hoteliervereinigung. SPÖ und Gewerkschaften hatten in der Vergangenheit die geplante Erhöhung kritisiert und auf die hohen Arbeitslosenzahlen verwiesen.

Die SPÖ kritisierte das Regierungsvorhaben, heuer mehr Saisonarbeitskräfte aus Drittstaaten zuzulassen. Von der Landwirtschaftskammer (LKÖ), dem ÖVP-Bauernbund, der in der LKÖ das sagen hat, und der FPÖ kam Lob.

SPÖ-Sozialsprecher Josef Muchitsch fordert, dass mehr in die Qualifikation von Arbeitssuchenden investiert wird. Die strukturellen Probleme im Tourismus gehörten grundsätzlich angegangen. "Die Regierung ignoriert schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Löhne und hat überhaupt kein Rezept, wie man Arbeit in der Tourismusbranche attraktiver machen könnte", sagt Muchitsch.

Den österreichischen Arbeitsmarkt für Billigarbeitskräfte aus Drittstaaten immer weiter zu öffnen, sei keine gute Idee, so Muchitsch. Er verwies in einer Aussendung darauf, dass im Vorjahr im Jahresdurchschnitt die Tourismusbranche 38.000 Arbeitslose verzeichnete. "Was die Regierung macht, ist organisiertes Lohndumping. Sie lässt die arbeitssuchenden Menschen in Österreich, Inländer und Ausländer, im Stich."

"Um die Ernten vollständig einbringen zu können und das Schadholz möglichst rasch aus unseren Wäldern zu bekommen, benötigen wir dringend mehr Erntehelfer und Saisonarbeitskräfte", so Landwirtschaftskammer Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. "Besonders wichtig ist aus Sicht der landwirtschaftlichen Betriebe, dass es jetzt eine flexible Regelung gibt. Damit können die Kontingente in auslastungsstarken Monaten um bis zu 20 Prozent überzogen werden, im Gegenzug sind sie in der Nebensaison zu reduzieren", betonte Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

Die künftige 20-prozentige Aufstockungsmöglichkeit hob auch FPÖ-Tourismussprecher Gerald Hauser in einer Aussendung für diese Branche hervor. "Somit werden die neuen Kontingente flexibler und viel näher an den Bedürfnissen der Touristiker und der Landwirte sein."

Quelle: APA

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