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Zukunftsvorsorge rückläufig - Boom bei Langfrist-Verträgen

Die Zukunftsvorsorge war 2015 das dritte Jahr in Folge rückläufig. Gesunken sind laut Finanzmarktaufsicht (FMA) sowohl der Vertragsbestand als auch die Prämien bzw. Nettoeinzahlungen. Die Kapitalanlagegesellschaften ziehen sich zurück. Langfristige Versicherungsverträge boomen. Die Renditen sind extrem unterschiedlich und waren nach Kosten bei mehr als der Hälfte der Anbieter negativ.

Der Vertragsbestand bei der prämiengeförderten Altersvorsorge sank 2015 um 5,4 Prozent auf 1,505.623 Verträge zum Jahresultimo, teilte die FMA am Dienstag mit. Dabei gab es bei den Versicherungen ein Minus von 4,5 Prozent auf 1,451.306 Verträge, 90 Prozent der 20 Anbieter hätten rückläufige Verträge gemeldet, heißt es in der heute veröffentlichten Studie.

Die Kapitalanlagegesellschaften (KAG) machen seit 2010 kein Neugeschäft mehr und lassen die bestehenden Verträge bei einer Laufzeit von ausschließlich 10 Jahren nun großteils auslaufen. Die Vertragszahl sank 2015 um 23,3 Prozent. Die abgegrenzten Prämien bzw. Nettoeinzahlungen gaben im Jahresvergleich insgesamt um 5,0 Prozent auf 975 Mio. Euro nach. Bei den Versicherungen sank dabei das Prämienvolumen um 4,4 Prozent auf 940 Mio. Euro, bei den KAG um 20 Prozent auf 35,9 Mio. Euro. Die durchschnittlichen jährlichen Einzahlungen pro Vertrag hätten sich in den vergangenen drei Jahren bei "plus/minus 640 Euro" stabilisiert.

Die Marktkonsolidierung werde sich sehr wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren fortsetzen, erwartet die Aufsicht. Die Zukunftsvorsorge werde aber immer stärker tatsächlich zum langfristigen Aufbau einer Altersversicherung verwendet und weniger als staatlich geförderte Spar- und Anlageform. Verträge mit Laufzeiten bis 15 Jahre gingen massiv zurück, Verträge mit Laufzeiten von 25 Jahren und mehr machten bereits 70 Prozent aus und knapp mehr als ein Viertel der Verträge liefen sogar länger als 45 Jahre.

Die Veranlagungsperformance auf das Gesamtkapital - kumulierte Kundenprämien plus staatliche Prämien - sei vor Kosten 2015 mit plus 5,9 Prozent klar positiv gewesen. Nach Kosten sei der Ertrag der einzelnen Produkte jedoch "sehr heterogen: Knapp mehr als die Hälfte schließen sogar negativ ab", so die FMA.

Dies zeige eine Vergleichsrechnung über den 10-jährigen Zeitraum zwischen 2006 und 2015 mit monatlichen Einzahlungen von 100 Euro und einem eingezahlten Gesamtbetrag inklusive staatlicher Prämie von 12.801 Euro. Von 33 in dieser gesamten Periode verfügbaren Produkten hätten weniger als die Hälfte positive Erträge erzielte - im Mittel plus 466 Euro. 18 Produkte hätten nach Kosten eine negative Entwicklung verzeichnet - im Mittel seien es minus 721 Euro gewesen. "Der Grund dafür liegt hauptsächlich in der sehr unterschiedlichen Kostenstruktur der einzelnen Produkte, insbesondere in der Darstellung der gesetzlich geforderten Garantie auf das eingezahlte Kapital", schreibt die FMA in ihrer heutigen Mitteilung.

Quelle: APA

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