Wirtschaft

Zuwanderung gestalten und nicht nur verwalten

Industriellenvereinigung fordert Paradigmenwechsel, um Fachkräftemangel beizukommen.

IV-Präsident Georg Kapsch hält Zuwanderung für notwendig SN/APA/GEORG HOCHMUTH
IV-Präsident Georg Kapsch hält Zuwanderung für notwendig

Die Industriellenvereinigung (IV) drängt auf eine neue Strategie im Kampf gegen den wachstumsbremsenden Fachkräftemangel. Zuwanderung müsse künftig proaktiv gesteuert werden. Die IV fordert dafür auch die Schaffung eines eigenen Staatssekretariats für Zuwanderung und Integration.

"Wir brauchen eine Vision und wir brauchen eine Strategie in der qualifizierten Zuwanderung - das hatten wir nie", erklärte IV-Präsident Georg Kapsch am Donnerstag. Bisher habe das Zufallsprinzip geherrscht, was dazu geführt haben, dass der strukturelle Mangel nicht kleiner sondern größer werde. Wenn Österreich nicht über genügend qualifizierte Menschen verfüge, habe das Auswirkungen auf das Wachstumspotenzial des Landes.

Kapsch präsentierte gemeinsam mit Michael Spindelegger, dem Generaldirektor des International Centre for Migration Policy Development (ICMPD), am Donnerstag eine Strategie für qualifizierte Zuwanderung, mit deren Erarbeitung die Industrie das ICMPD beauftragt hatte. Das Fehlen von 162.000 Fachkräften in Österreich zeige laut Spindelegger, "dass es sich um ein strukturelles Problem handelt, auf das wir Antworten finden müssen." Allein in der Industrie ergab sich 2018 ein Bedarf an 60.000 Fachkräften - 10.500 dieser Stellen konnten überhaupt nicht besetzt werden.

Kapsch sieht drei Möglichkeiten die Fachkräftebasis aufzustocken. Neben der Qualifizierung der ansässigen Erwerbsbevölkerung und der Erhöhung der Frauenerwerbsquote wäre eine gezielte Fachkräftezuwanderung die Lösung. Dazu müsse man die Zuwanderung allerdings aktiv gestalten und nicht bloß verwalten. "Das bedeutet einen Paradigmenwandel", fordert Kapsch. Migranten dürften nicht als Lückenfüller gesehen werden, sie sollten Innovationspotenzial bringen.

Die ICMPD-Studie empfiehlt 14 Handlungsoptionen: Die Arbeitsmobilität soll dabei auch innerhalb der EU gestärkt werden. Die Binnenmobilität in der EU ist mit vier Prozent sehr niedrig. Österreich müsse als Zielland attraktiviert werden. Bereits in den Herkunftsländern müsse die soziale und kulturelle Integration von zuwandernden Fachkräften gefördert werden. Kapsch spricht sich für Ausbildungspartnerschaften mit einer Reihe neuer Partnerländer aus.

WIRTSCHAFT-NEWSLETTER

Abonnieren Sie jetzt kostenlos den Wirtschaft-Newsletter der "Salzburger Nachrichten".

*) Eine Abbestellung ist jederzeit möglich, weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Aufgerufen am 21.01.2022 um 08:49 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/zuwanderung-gestalten-und-nicht-nur-verwalten-77838001

Kommentare

Schlagzeilen