Österreichs Wirtschaft sitzt auch auf einem Schatz

Der große Wurf ist die neue Ordnung fürs Gewerbe sicher nicht. Sie schützt aber weiterhin einen großen Trumpf Österreichs.

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Wirtschaft | National & International Karin Zauner

Der Schlosser aus Linz nimmt sich im Flugzeug aus den USA Richtung Europa kein Blatt vor den Mund. Nur wenige Monate hätte er für sein österreichisches Unternehmen in den USA arbeiten sollen, jetzt wird es wohl ein Jahr werden. "Weil, die haben in den USA keine Leute, die das können", sagt er. Er wolle über die Amis nicht schlecht reden, weil die ja nichts dafür könnten, dass sie nicht ordentlich ausgebildet würden, sagt er. Einige seien "eh geschickte Burschen, aber wenn dir das keiner gscheit lernt, hast halt a Pech."

Zeitensprung ins Jahr 1859. Hier liegen die Wurzeln des Rechtssystems, das in Österreich den Zugang zu Unternehmertum und Selbstständigkeit regelt. Nun hat sich die Regierung auf Eckpunkte der fast schon hundertsten Reform des k.-und-k.-Relikts geeinigt, besser auf ein Reförmchen. Denn dass zum Beispiel weiterhin alle 440 freien Gewerbe eine Anmeldung brauchen, ist nichts als Geldbeschaffung für die Wirtschaftskammer, da hilft es auch wenig, dass zumindest die Gebühren wegfallen sollen.

Doch die Tatsache, dass es bei den 80 reglementierten Gewerben, für die es eine Meisterprüfung oder andere Prüfungen braucht, kaum Änderungen geben soll, kann man auch positiv sehen. Das ist quasi ein Schutz der Lehrlingsausbildung, um die uns andere Länder beneiden. Große deutsche oder österreichische Unternehmen versuchen nicht grundlos, in Mexiko oder den USA eine Kopie dieses dualen Ausbildungssystems für ihre Tochtergesellschaften aufzubauen.

Deutschland muss zwölf Jahre nach seiner Gewerbeordnungsreform feststellen, dass mit dem Fall von Meisterprüfungen in bestimmten Berufen gleich auch die Zahl der Lehrlinge in diesen Sektoren überproportional gesunken ist. Das heißt nicht, dass man in Österreich an allen 80 bisher reglementierten Gewerben festhalten muss, aber hier den Ausbildungsaspekt genauer zu prüfen und zu hinterfragen, ergibt Sinn, bevor man diesen österreichischen Wirtschaftsschatz aufgibt.

Dass sich Österreich nach diesem Reförmchen weiterhin ein ausladendes Regulierungsregime beim Zugang zu Handwerk und Gewerbe leistet, ist bedauerlich. Teil-Erleichterungen werden uns nicht zum Land der Gründer machen. Die bräuchten weniger Bürokratie sowie weniger Steuern und Abgaben, aber sicher nicht weniger Ausbildung.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 03:41 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreichs-wirtschaft-sitzt-auch-auf-einem-schatz-921826

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