Planlos in der Staatsholding

Die Akteure, die Österreichs Familiensilber verwalten, agieren glücklos. Auch deshalb, weil sie keinen klaren Auftrag haben.

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Wirtschaft | National & International Monika Graf

Unabhängig von der Entscheidung über die künftige OMV-Führung sind die Vorgänge rundherum ein Beleg dafür, dass die Staatsholding ÖIAG in jeder Situation, die vom Alltagsgeschäft abweicht, versagt. Das war so bei der AUA, bei der ein Manager nach dem anderen herumfuhrwerken durfte, als sie schon klinisch tot war und nur noch mit 500 Millionen Euro Mitgift an die Lufthansa verschenkt werden konnte.

Das war so, als die Telekom immer weiter an Substanz verlor und dennoch hohe Dividenden ablieferte, bis die Aktien schließlich billig genug waren, dass Investor Ronny Pecik ein Paket zusammenkaufen konnte, das er mittlerweile an den mexikanischen Milliardär Carlos Slim weitergereicht hat.

Und das ist jetzt so bei der OMV: Im Vorstand gibt es seit Monaten eine Blockade. Und was passiert? Nichts, abgesehen von einem Strategiepapier, das beim Berater McKinsey eingeholt wurde. Erst nachdem die Führungskrise an die Öffentlichkeit gedrungen und die letzte Aufsichtsratssitzung nach Schreiduellen vertagt worden war, begannen die Mühlen der ÖIAG langsam zu mahlen. Und so werden eben wieder Millionen Euro für eine vorzeitige Vertragsauflösung fällig - ging nicht anders, leider, heißt es dann.

Es wäre einfach, den derzeitigen ÖIAG-Chef Rudolf Kemler für den "Wahnsinn", wie Finanzminister Hans Jörg Schelling es nennt, zu geißeln. Er hat in der Sache OMV tatsächlich keine gute Figur gemacht und ist sowieso angezählt. Der Sturzflug der AUA fiel aber in die Ära von Kemlers Vorvorgänger Peter Michaelis, der Niedergang der Telekom ebenfalls (und in die Zeit seines Nachfolgers Markus Beyrer).

Dass sie alle Probleme zu spät erkannt haben oder schleifen ließen, liegt sicher an den jeweiligen Personen, vor allem aber an der Position. Die ÖIAG und ihre Chefs haben keinen klaren Auftrag, seit Privatisierungen in der Regierung kein Thema mehr sind. Aufsichtsratssitzungen und die jährlichen Hauptversammlungen leiten, ab und zu ein Interview geben - das war es auch schon. Bei den ohnehin nur noch drei ÖIAG-Beteiligungen OMV, Telekom und Post mussten nur Gewinne und Dividenden stimmen.

Deshalb greift es zu kurz, nur die Organe der ÖIAG für das OMV-Desaster verantwortlich zu machen. Das Problem ist, dass niemand einen vernünftigen Plan hat, welche Ziele die Beteiligungsholding des Bundes verfolgen soll - außer ihre Beteiligungen zu verwalten und in Zukunft, wenn die Regierung wieder mitreden kann, als Parkplatz für Politgünstlinge und weitere Schönwetterdirektoren zu dienen.

Aufgerufen am 21.11.2018 um 12:47 auf https://www.sn.at/wirtschaft/planlos-in-der-staatsholding-3098227

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