Sparen in einer verkehrten Welt

So niedrig können die Zinsen gar nicht sein, dass die Österreicher ihr Geld nicht weiter aufs Sparbuch legen.

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Wirtschaft | National & International Richard Wiens

Warum sparen die Menschen? Weil ihnen von klein auf beigebracht wird, dass man Geld zur Seite legt, um in schlechten Zeiten darauf zurückgreifen zu können. Und weil es Zinsen bringt, der Kapitalbetrag sich also jährlich um einen bestimmten Prozentsatz vermehrt.

Das war einmal. Seit Jahren sind die Zinsen so niedrig, dass sie mit freiem Auge kaum erkennbar sind. Ökonomen haben berechnet, dass die Sparer in Österreich seit 2010 durch die Niedrigzinsen rund 17 Mrd. Euro verloren haben. Ihr Kapital ist nominell nicht gesunken, aber es hat an Wert verloren, weil die Zinsen unter der Inflationsrate lagen. Bei negativen Realzinsen ist es keine gute Idee, Geld auf dem Sparbuch zu parken. Dennoch tragen die Österreicher Monat für Monat sogar mehr Geld auf die Bank, eine Nachricht, die überrascht, auch zwei Wochen vor dem Weltspartag.

Warum tun sie das? Aus Angst? Aus Unwissen? Oder fügen sie sich einfach in ihr Schicksal? Es ist wohl von allem etwas. Dass weiter viel Geld auf Sparkonten landet, hat damit zu tun, dass die Menschen ihr Geld bei der Bank sicher aufgehoben wissen. Das beruhigt. Aber auch damit, dass man den realen Wertverlust auf dem Sparbuch nicht unmittelbar sieht. Dort mag zwar in der Zeile Habenzinsen ein mickriger Betrag aufscheinen, aber das Guthaben steigt mit jeder Einzahlung. Die schleichende Entwertung des Geldes spürt man nur beim Einkaufen, aber aktuell ist auch die Inflation so niedrig wie lang nicht.

Vielen bleibt nichts anderes übrig, als das wenige Geld, das ihnen vom laufenden Einkommen bleibt, auf dem (Spar-) Konto zu horten. Für andere Anlageformen ist es zu wenig oder sie sind ihnen zu riskant. Das hat auch mit dem unterentwickelten Wissen über Wertpapiere aller Art zu tun. Da ist Luft nach oben.

Was tun die Menschen außer sparen? Sie konsumieren. Und alle, die können, investieren - in neuen Wohnraum oder die Erneuerung des bestehenden. Das ist noch das Beste, was sie derzeit tun können. Denn es hält den Konjunkturmotor am Laufen und damit die Hoffnung am Leben, dass die Zinsen wieder steigen.

Aufgerufen am 18.09.2018 um 11:58 auf https://www.sn.at/wirtschaft/sparen-in-einer-verkehrten-welt-980290

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