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1.200 vorzeitige Todesfälle durch VW-Abgasskandal in Europa

Infolge des VW-Abgasskandals werden einer Studie zufolge über tausend Menschen in Deutschland und seinen Nachbarländern vorzeitig sterben. Aufgrund des vermehrten Schadstoffausstoßes bei 2,6 Millionen VW-Fahrzeugen, die in Deutschland in den Jahren 2008 bis 2015 verkauft wurden, würden 1.200 Menschen in Europa ein Jahrzehnt ihrer Lebenszeit verlieren, so die am Freitag veröffentlichte Studie.

500 Todesfälle werden laut MIT-Studie für Deutschland prognostiziert.  SN/APA (dpa)/JULIAN STRATENSCHULTE
500 Todesfälle werden laut MIT-Studie für Deutschland prognostiziert.

Allein 500 vorzeitige Todesfälle wird es laut der Studie in Deutschland geben. Die übrigen 700 Fälle werden in Nachbarländern erwartet, darunter Polen mit 160 Fällen, Frankreich mit 84 und Tschechien mit 72. Für Österreich wurden 47 zusätzliche Todesfälle errechnet. Dies entspreche zusätzlichen Gesundheitskosten und einem Verlust an Arbeitsproduktivität in Höhe von 1,9 Milliarden Euro.

An der im Fachmagazin "Environmental Research Letters" veröffentlichten Erhebung waren Forscher des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Universität Harvard und der belgischen Universität Hasselt beteiligt. Sie hatten bereits ausgerechnet, dass der VW-Abgasskandal in den USA zu 60 vorzeitigen Todesfällen führen könnte. Dort wurden 482.000 Volkswagen-Fahrzeuge verkauft, die mit der manipulierten Software ausgestattet waren.

Volkswagen hatte im Jahr 2015 auf Druck der US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeugen unterschiedlicher Marken eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm sorgt bei standardisierten Tests für einen niedrigeren Ausstoß von gesundheitsschädlichen Stickoxiden als im normalen Betrieb im Straßenverkehr. In Deutschland wurden entsprechend manipulierte Fahrzeuge unter den Marken VW, Audi, Skoda und Seat verkauft.

Stickoxide aus Dieselautos werden zusammen mit Ammoniak zu Feinstaubpartikeln, die tief in die Lunge eindringen können und so zu Krebs, chronischen Atemproblemen und vorzeitigem Tod führen können. Luftverschmutzung "macht sich nichts aus politischen Grenzen: sie geht einfach darüber hinweg", erklärte Steven Barrett, Co-Autor der Studie. Daher könne ein Auto in Deutschland leicht "bedeutende Auswirkungen auf Nachbarländer haben, vor allem in dicht besiedelten Gebieten wie dem europäischen Kontinent".

Sollte Volkswagen bis Ende 2017 alle in Deutschland betroffenen Autos zurückrufen und nachrüsten, "würde dies 2.600 zusätzliche vorzeitige Todesfälle und 4,1 Milliarden Euro an Gesundheitskosten verhindern", erklärten die Autoren.

In Europa wurden mehr als acht Millionen Autos mit Manipulations-Software verkauft. Seit Bekanntwerden des Skandals rüstete Volkswagen nach eigenen Angaben 3,4 Millionen Wagen nach.

Das Internationale Krebs-Forschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Diesel-Auspuffgase im Jahr 2012 als krebserregend ein. Die Europäische Umweltbehörde geht davon aus, dass jedes Jahr mehr als 400.000 Menschen wegen Luftverschmutzung in dichtbesiedelten Gebieten Europas vorzeitig sterben.

Dem MIT zufolge war der Stickoxid-Ausstoß der von Volkswagen manipulierten Autos im Schnitt viermal so hoch wie der europäische Grenzwert. Für ihre Studie verwendeten die Wissenschaftler Daten über die Volkswagen-Emissionen, Angaben darüber, wie oft und wie weit deutsche Autofahrer fahren, sowie die Luftverschmutzung beeinflussende Faktoren wie Wind und Regen.

Sie erstellten eine Karte zur Luftverschmutzung und eine Karte zur Bevölkerungsdichte in Europa und legten diese übereinander. Auf dieser Grundlage kalkulierten sie die Belastung der Europäer durch die überhöhte Luftverschmutzung durch den VW-Skandal und ihr erhöhtes Risiko eines vorzeitigen Todes.

Quelle: Apa/Ag.

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