Wirtschaft

33 Millionen Amerikaner ohne Arbeit: Schwarze und Latinos deutlich stärker betroffen

Einer von fünf Beschäftigten hat in den USA seit Beginn der Pandemie Arbeitslosengeld beantragt. Am härtesten trifft die Erwerbslosigkeit Latinos, Schwarze und Menschen ohne College-Abschluss.

Vor Krisenbeginn im Februar lag die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent SN/APA (AFP/GETTY/Archiv)/STEPHANIE
Vor Krisenbeginn im Februar lag die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent

Die Ökonomin Betsey Stevenson von der University of Michigan bringt die Lage drastisch auf den Punkt. "Selbst wenn im Juli ein Wunderheilmittel vom Himmel fiele, wird es eine Weile dauern, bis sich der Bedarf verändert", analysiert die Expertin die Situation auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt, der am Donnerstag 3,2 Millionen Amerikaner dem auf nun 33,5 Millionen Menschen starken Heer an Arbeitslosen hinzufügte.

Nach einer Erhebung im Auftrag der "Washington Post" gehen aber mehr als drei von vier Arbeitnehmern, die in der Pandemie ihren Job verloren haben oder auf Kurzarbeit sind, davon aus, nach einem Wiederanfahren der Wirtschaft von ihren alten Arbeitgebern zurückgerufen zu werden. Sechs von zehn halten das sogar für "sehr wahrscheinlich".
Nach Einschätzung des "Friedman Institutes" an der University of Chicago geht dieser Optimismus an der Realität vorbei. Zum einen, weil viele Unternehmen die Zwangsschließungen nicht überleben werden. Aber auch, weil die Konsumenten nicht einfach da weitermachten, wo sie einmal aufgehört hatten.

Viele werden Arbeit dauerhaft verlieren

Insbesondere nicht in der Gastronomie, Freizeitindustrie oder im Bauwesen. Die Ökonomen des Institutes gehen davon aus, dass 42 Prozent der kürzlich wegen der Pandemie Entlassenen ihre Arbeit nicht nur vorübergehend verlieren, sondern dauerhaft. Die Experten gehen von Monaten aus, bevor Unternehmen wieder vermehrt Arbeitskräfte anheuern. Und Jahre bevor die Jobs zurück sind, die binnen zweier Monate verloren gingen.
Beispiellos sei das rasante Kippen des Arbeitsmarkts- von Vollbeschäftigung im Februar auf die höchste Arbeitslosigkeit seit 1948. Typisch dagegen ist ein Muster der ungleichen Verteilung der Schmerzen, das sich hinter den Zahlen versteckt. Demnach trifft schwarze und hispanische Arbeiter die Krise am härtesten. Latinos haben doppelt so häufig ihre Jobs verloren wie Weiße, während Afroamerikaner etwa um die Hälfte öfter ihren Job verloren haben. Junge und schlechter ausgebildete Personen sind ebenfalls härter betroffen.
Heidi Shierholz vom "Economic Policy Institute" erklärt das unter anderen mit den Branchen, in denen die Minderheiten tätig sind. "Es gibt eine Menge beruflicher Segregation", meint die Volkswirtin. Die schlechter bezahlten Dienstleistungsjobs, in denen Latinos und Schwarze arbeiteten, seien sehr viel stärker von den Schließungen wegen der Pandemie betroffen. "Es gibt aber auch den Faktor Bildung und Diskriminierung beim Zugang zu Netzwerken."
Die neue Massenarbeitslosigkeit hat auch ein anderes Problem verschärft, das vor der Krise durch kostenlose Schulspeisungen für Kinder aus bedürftigen Haushalten gemildert worden war. Erhebungen der Denkfabrik "Brookings Institutions" in Washington fördern zutage, dass eines von fünf Kindern unter zwölf Jahren nicht genügend zu essen bekommt.
Nahrungsmittelsicherheit ist ein generelles Problem, dass sich in der Pandemie an den oft Kilometer langen Schlangen vor Tafeln und Lebensmittelausgaben ablesen lässt. Von dem Ansturm überwältigte Wohlfahrtsorganisationen haben vielerorts die Nationalgarde für eine sichere Verteilung angefordert.

Quelle: SN

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