Wirtschaft

Anhörung von Renault-Chef Ghosn wegen Erkrankung abgesagt

Eine für Donnerstag geplante Anhörung des in Japan inhaftierten Renault-Chefs Carlos Ghosn ist wegen seiner Erkrankung abgesagt worden. Ghosn leide unter hohem Fieber, berichteten japanische Medien unter Berufung auf die Anwälte des Automanagers. Der 64-Jährige sitzt seit dem 19. November in Untersuchungshaft.

Ghosn befindet sich weiter in U-Haft SN/APA (AFP)/TORU YAMANAKA
Ghosn befindet sich weiter in U-Haft

Die Zeitung "Nikkei" berichtete, ein Arzt habe Ghosn Ruhe verordnet; er sei derzeit nicht in der Lage, verhört zu werden oder sich mit seinen Anwälten zu beraten. Ghosn war am Dienstag bei einer öffentlichen Anhörung vor Gericht aufgetreten, offensichtlich gesund. Allerdings hustete er mehrfach.

Der Renault-Chef sagte bei der Anhörung, er werde "zu Unrecht beschuldigt" und sitze "ungerechtfertigt" im Gefängnis. Der Richter begründete seine Inhaftierung jedoch mit der Gefahr einer Flucht sowie der Vernichtung von Beweisen. Der Antrag des Automanagers auf Haftentlassung wurde am Mittwoch zurückgewiesen.

Renault hat jedenfalls bei der Bezahlung seines Chefs nach eigenen Angaben keine Unregelmäßigkeiten oder Betrug festgestellt. Die Untersuchung betreffe die Jahre 2017 und 2018; die Jahre zuvor würden nun überprüft, teilte der Hersteller nach einer Verwaltungsratssitzung mit.

Ghosn soll in Japan jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen deklariert und sich an Firmenkapital des Autobauers Nissan bereichert haben. Die Staatsanwaltschaft wirft Ghosn zudem vor, persönliche Verluste bei Investitionen auf Nissan übertragen zu haben. Nissan und Mitsubishi setzten Ghosn als Verwaltungsratsvorsitzenden ab. Bei Renault bleibt er vorerst Konzernchef.

Für einen Teil der Vorwürfe wurde Ghosn bereits angeklagt, seine bereits verlängerte derzeitige Untersuchungshaft läuft noch bis Freitag. Dann kann sie weiter verlängert werden oder es folgt eine weitere Anklage. Eine Freilassung auf Kaution bis zum Beginn eines möglichen Prozesses hält mittlerweile auch sein Anwalt für fraglich.

Ghosn soll überdies seinen Steuerwohnsitz nach einem Pressebericht bereits 2012 von Frankreich in die Niederlande verlegt haben. Ghosn habe damit der französischen Vermögensteuer "entgehen wollen", schrieb die französische Zeitung "Liberation" am Donnerstag. Die Zeitung verweist darauf, dass in Amsterdam die Allianz von Renault und Nissan einen Sitz hat, der Ghosn vorstand. Zudem erinnert das Blatt daran, dass der sozialistische französische Präsident Francois Hollande 2012 nach seinem Wahlsieg sowohl eine Erhöhung der Vermögensteuer als auch eine Reichensteuer von 75 Prozent auf Einnahmen von über einer Million Euro ankündigte.

Quelle: Apa/Ag.

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