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Arbeitslosenzahl in Deutschland auf 25-Jahres-Tief

Die Arbeitslosenzahl in Deutschland ist im September auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gefallen. Dennoch gab es erste Warnsignale. Die Herbstbelebung setzte mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um 77.000 auf 2,608 Millionen etwas schwächer ein als in den Vorjahren, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte.

Arbeitslosenzahl in Deutschland auf 25-Jahres-Tief SN/APA (dpa)/Julian Stratenschulte
Arbeitsmarkt erholt sich ein wenig.

Unter Herausrechnung der Saisoneffekte nahm die Arbeitslosigkeit zudem erstmals seit Juli 2015 um 1.000 Erwerbslose zu. BA-Chef Frank-Jürgen Weise sieht darin aber noch kein Ende der guten Arbeitsmarktlage: "Wir glauben nicht, dass damit ein Trend gebrochen ist." Die führenden Wirtschaftsinstitute erwarten 2017 eine Fortsetzung des Beschäftigungsaufbaus und geringfügig mehr Arbeitslose.

"Der Arbeitsmarkt hat sich insgesamt weiter gut entwickelt, obwohl sich der Beschäftigungszuwachs in den letzten beiden Monaten nicht fortgesetzt hat", sagte Weise. Ein Grund dafür seien spätere Sommerferien vor allem in Niedersachsen, wodurch sich Einstellungen nach der Sommerpause verzögerten. "Das ist im Moment ein Dämpfer, aber keine Änderung der erwarteten Entwicklung", sagte Weise. Der Ausblick sei weiter positiv.

In der Arbeitsmarktstatistik werden laut Weise "die Auswirkungen der Fluchtmigration immer deutlicher". Die Zahl der Arbeitslosen aus den acht Staaten, aus denen die meisten Asylbewerber kommen, sei im September rund 90.000 höher gewesen als vor einem Jahr. Dies sei durch einen Rückgang bei inländischen Arbeitslosen mehr als ausgeglichen worden, so dass im Vorjahresvergleich 100.000 Menschen weniger arbeitslos seien. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,2 Punkte auf 5,9 Prozent.

Die sogenannte Unterbeschäftigung, die neben Arbeitslosen auch Arbeitsuchende in Fortbildungen umfasst, lag mit 3,523 Millionen Menschen im September aber um 15.000 höher als vor einem Jahr. Als Gründe nannte die BA mehr Maßnahmen zur Qualifizierung und mehr Flüchtlinge in Integrationskursen.

In ihrem Herbstgutachten für die deutsche Bundesregierung gehen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für das kommende Jahr von einer leichten Zunahme der Arbeitslosenzahl aus. "Die Arbeitslosigkeit dürfte trotz anhaltendem Beschäftigungsaufbau geringfügig zunehmen, weil die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt langwierig ist", heißt es in dem Gutachten.

Das IAB-Forschungsinstitut der BA erwartet indes, dass sich der fast zehn Jahre andauernde Rückgang der Erwerbslosigkeit 2017 mit einem Rückgang um 70.000 fortsetzen wird. Erst im Verlauf des nächsten Jahres könnte die Arbeitslosigkeit bei zunehmenden Eintritten von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt nach Einschätzung des IAB "vorübergehend auch leicht steigen".

Eine Bilanz des neu angelaufenen Ausbildungsjahres will die BA im November vorlegen, weil der 30. September der Stichtag sei. "Der Trend der letzten sieben Jahre wird anhalten", sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. "Wir werden am Schluss mehr unbesetzte Ausbildungsstellen haben als unversorgte Bewerber."

Quelle: Apa/Reuters

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