Wirtschaft

Armutsforscher erhalten Wirtschaftsnobelpreis

Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer werden für ihre Beiträge zur Erforschung der Gründe von Armut ausgezeichnet.

Drei Forscher teilen sich den Wirtschaftsnobelpreis für 2019. SN/afp
Drei Forscher teilen sich den Wirtschaftsnobelpreis für 2019.

Den Wirtschaftsnobelpreis für 2019 teilen sich die französische Ökonomin Esther Duflo, ihr aus Indien stammender Ehemann Abhijit Banerjee und der US-Volkswirt Michael Kremer. Sie werden für ihren experimentellen Ansatz zur Milderung der weltweiten Armut ausgezeichnet.

Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm bekannt. Der Preis wird von der Schwedischen Reichsbank gestiftet und von der Königlichen Schwedischen Akademie im Rahmen der Verleihung der übrigen Nobelpreise vergeben.

Die Forschungen der drei Preisträger habe die Möglichkeit, Armut zu bekämpfen, maßgeblich verbessert, heißt es in der Begründung der Akademie. Duflo, Banerjee und Kremer hätten in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen völlig neuen Ansatz gewählt um verlässliche Antworten für den Kampf gegen die Armut zu erhalten. Duflo sagte auf die Frage von Journalisten, die Essenz ihrer Forschungen sei, "dass der Kampf gegen Armut auf empirischen Daten basiert. Man muss die Wurzeln des Problems kennen".

Dazu sei es nötig, das große Problem der Armut in kleinere, besser beherrschbare Fragen aufzuteilen. Dazu gehört etwa die Frage, was konkret getan werden kann, um die Bildungschancen oder die Gesundheit von Kindern zu erhöhen. Die drei Preisträger hätten bewiesen, dass es effektiver sei, in gezielten Experimenten Lösungen für die Betroffenen zu finden.

Mitte der 1990er-Jahre hätten Kremer und seine Kollegen solche Experimente in Kenia durchgeführt und gezeigt, durch welche Maßnahmen sich die Ergebnisse von Kindern in der Schule verbessern ließen. Banerjee und Duflo hätten bald danach ähnliche Studien in anderen Bereiche und in anderen Ländern durchgeführt. Ihre experimentellen Modelle dominierten mittlerweile die Forschung der Entwicklungsökonomie.

Eine unmittelbare Auswirkung ihrer Forschungsergebnisse sei etwa, dass fünf Millionen Kinder in indischen Schulen gezielten Förderunterricht erhalten. Auch die Tatsache, dass in vielen Ländern öffentliche Mittel für vorbeugende Gesundheitsfürsorge ausgegeben werden, fuße auf diesen Forschungen.

Denn trotz dramatischer Verbesserungen in der jüngeren Vergangenheit sei die Reduktion der Armut eine der drängendsten Aufgaben, schreibt die Akademie. Mehr als 700 Millionen Menschen müssten immer noch mit extrem niedrigen Einkommen leben. Jedes Jahre sterben rund fünf Millionen Kinder unter fünf Jahren an Krankheiten, die durch relativ günstige Behandlungen verhindert oder geheilt werden könnten. Die Hälfte der aller Kinder in der Welt verließen die Schule noch immer, ohne lesen und schreiben zu können.

Duflo ist mit 46 Jahren die jüngste Preisträgerin in der Geschichte des Wirtschaftsnobelpreises, das erfülle sie "mit Demut". Duflo ist zudem erst die zweite Frau (nach Elinor Ostrom 2009), die den Preis für Wirschaftswissenschaften erhält. Diese Tatsache kommentierte sie "Zu zeigen, dass es für eine Frau möglich ist, Erfolg zu haben und dieser Erfolg anerkannt wird, wird hoffentlich viele, viele andere Frauen inspirieren, weiterzuarbeiten und viele Männer, ihnen den Respekt zu geben, den sie verdienen."

Esther Duflo wurde 1972 in Paris geboren. Sie machte ihren PhD 1999 am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge, USA. Sie hat am MIT den Abdul-Latif-Jameel-Professur für Armutsbekämpfung und Entwicklungsökonomie inne.

Abhijit Banerjee wurde 1961 in Mumbai geboren und schloss seine Studien 1988 in Harvard ab. Er lehrt wie Duflo am MIT und ist Inhaber der von der Ford Foundation gestifteten Professur für Internationale Ökonomie.

Michael Kremer ist Jahrgang 1964 und studierte ebenfalls an der Harvard University, wo er heute Gates-Professor für Gesellschaften in Entwicklung ist.

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