Wirtschaft

Atlantia droht mit Ausstieg aus Bündnis zur Alitalia-Rettung

Die italienische Holding Atlantia im Besitz der Unternehmerfamilie Benetton droht der Regierung in Rom mit dem Ausstieg aus dem Bündnis zur Rettung der angeschlagenen Airline Alitalia. In einem Brief an die Regierung bemängelte Atlantia, dass noch kein klarer Plan für den Neustart der Fluggesellschaft entworfen worden sei.

Atlantia setzt italienische Regierung unter Druck SN/APA (AFP)/FILIPPO MONTEFORTE
Atlantia setzt italienische Regierung unter Druck

Die Atlantia-Holding hob erstmals in einem Schreiben hervor, dass sie sich nicht an der Alitalia-Rettung beteiligen würde, sollte die Regierung der Tochtergesellschaft und Autobahnbetreiberin ASPI (Autostrade per l'Italia) die Konzession für den Betrieb eines 3.500 Kilometer langen Autobahnnetzes entziehen, wie die Regierungspartei "Fünf Sterne" droht. ASPI wird für den Brückeneinsturz in Genua im August 2018 verantwortlich gemacht, bei dem 43 Personen ums Leben gekommen sind. Gegen den vor zwei Wochen zurückgetretenen Atlantia- und ASPI-Chef Giovanni Castellucci laufen Ermittlungen wegen der Tragödie in Genua.

Das Schreiben Atlantias löste heftige Reaktionen in der Regierung in Rom aus. Man lasse sich nicht erpressen, sagte Vize-Industrieminister Stefano Buffagni, der der Fünf Sterne-Bewegung angehört.

Laut Medienangaben will die staatliche Bahngesellschaft FS einen 35-prozentigen Anteil an der neuen Alitalia halten. Einen weiteren 35-prozentigen Anteil soll die an der Mailänder Börse notierte Atlantia-Holding übernehmen. Das italienische Wirtschaftsministerium und Delta Airlines sollen sich jeweils mit einem 15-Prozent-Anteil an der neuen Alitalia beteiligen.

Der neue Entwicklungsplan, der in den nächsten Wochen vorgestellt werden soll, sollte Investitionen in der Größenordnung von einer Milliarde Euro vorsehen. Zuletzt war Delta unter Druck geraten, weil die Airline der Regierung in Rom noch keine klaren Garantieren für ihren Einstieg bei Alitalia gegeben hat.

Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte bezeichnete die Lage der Alitalia als "kompliziert". Zugleich äußerte er sich am Freitag zu Berichten, seine Regierung werde erpresst. "Ich erlaube mir nicht zu beurteilen, ob das eine Erpressung ist oder nicht", sagte Conte laut Nachrichtenagentur Ansa. "Ich sage nur, dass die Regierung von Anfang an sehr klar gewesen ist. Alitalia ist eine Frage, Autostrade und die bereits laufendenden administrativen Schritte eine andere Frage. Für uns als Regierung ist es inakzeptabel, beides zu vermischen."

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