Wirtschaft

AUA-Mutter Lufthansa zuversichtlich für Rettungspaket

Das staatliche Rettungspaket für die AUA-Konzernmutter Lufthansa ist nach wochenlangen Verhandlungen und Kontroversen in greifbarer Nähe. Der Vorstand sei zuversichtlich, dass die Gespräche mit der deutschen Bundesregierung in Kürze erfolgreich abgeschlossen werden könnten, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Dienstag auf der per Internet abgehaltenen Hauptversammlung. 

Corona-Pandemie zwingt zu ungewöhnlichem Vorgehen SN/APA (dpa)/Boris Roessler
Corona-Pandemie zwingt zu ungewöhnlichem Vorgehen

Einen Befreiungsschlag über eine Insolvenz, den das Management Insidern zufolge für den Fall zu strikter Auflagen des Staates geprüft hat, soll nicht notwendig sein. "Wir sind überzeugt, dass wir angesichts der Gespräche mit der Bundesregierung nicht auf diese Alternative zurückgreifen müssen", sagte Spohr. Zu Details der noch laufenden Verhandlungen über ein Rettungspaket von bis zu zehn Milliarden Euro wollte sich die Lufthansa-Spitze bei der Übertragung aus der Frankfurter Firmenzentrale nicht äußern.

Die bisher größte staatliche Finanzhilfe für ein Unternehmen während der Corona-Krise könnte in dieser Woche besiegelt werden, erklärten mehrere mit dem Vorgang Vertraute. Die Lufthansa ist vom weltweiten Einbruch des Reisens durch die Pandemie so hart getroffen, dass sie um ihre finanzielle Existenz kämpfen muss, wie Spohr bekräftigte. Alle vier Heimatländer der Airline-Gruppe - neben Deutschland auch die Schweiz, Österreich und Belgien - wollen der Lufthansa und ihren Töchtern Swiss, Austrian und Brussels Airlines unter die Arme greifen. Doch sie stellen Bedingungen zur Standortsicherung oder verlangen Mitsprache wegen der erheblichen Steuergelder. 

Die Lufthansa-Tochter AUA verhandelt derzeit mit der Corona-Finanzierungsagentur COFAG über Unterstützungen im Wert von 767 Mio. Euro. Zunächst hatte die COFAG noch ausstehende Unterlagen moniert. Mit dem Betriebsrat verhandelt die AUA über ein Sparprogramm und Personalabbau.

Im deutschen Bundestag ist umstritten, wie stark der Staat künftig bei der Lufthansa mitreden soll. Insidern zufolge ging es zuletzt neben Krediten und einer stillen Beteiligung ohne Stimmrecht um ein 25-prozentiges Aktienpaket für den Staat. Damit hätte die Bundesregierung eine Sperrminorität und Zugriff auf Sitze im Lufthansa-Aufsichtsrat.

Das hatte Spohr zu eindringlichen Warnungen vor zu starkem Einfluss der Politik veranlasst und auch vor teuren Konditionen, welche den vor einem Jahresverlust stehenden Dax-Konzern zusätzlich belasten könnten. "Vor allem dürfen wir uns nicht überschulden. Das würde uns über Jahre lähmen." Die vor der Krise umsatzstärkste europäische Fluggesellschaft drohe sonst, im Wettbewerb gegen die Konkurrenz aus China, den USA und vom Golf zurückzufallen.

Damit fand er zumindest nach eigener Wahrnehmung in Berlin Gehör. "Auch in der Bundesregierung in Berlin möchte niemand eine staatlich gelenkte Geschäftsführung der Lufthansa", sagte Spohr. Entsprechend äußerte sich ein Top-Berater von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Auch Aktionärsvertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz oder der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sowie die Fondsgesellschaft Union Investment hatten sich gegen politische Einmischung ausgesprochen, die über Kontrolle hinausgehen würde.

Viele der rund 250 Fragen, die Aktionäre vorab eingereicht hatten, drehten sich darum, wie sich die Lufthansa durch die schwere Krise verändert. Spohr hatte schon angekündigt, etwa 100 der zuletzt 760 Flugzeuge blieben für immer am Boden. Für rund 10.000 überzählige Mitarbeiter müssten neue Jobs gefunden werden. Weder für weitere Firmenverkäufe noch für Übernahmen anderer, strauchelnder Airlines habe das Management jetzt Zeit, erklärte der Lufthansa-Chef.

Am Plan, das Catering-Geschäft zu verkaufen, hält die Lufthansa fest. Für andere Töchter gebe es keine Verkaufspläne. Auch wolle die Lufthansa an ihrem Geschäftsmodell mit mehreren Drehkreuzen für Langstreckenflüge festhalten. Vor der Krise hatte sie mit Frankfurt, München, Zürich und Wien vier Hubs. Die Regierung Österreichs und der Schweiz fordern, den Status zu erhalten.

Erst ab Mitte Juni sei ein neuer Flugplan mit "spürbar" mehr Verbindungen zu erwarten, kündigte Spohr an. Derzeit sind nur ein Prozent der Fluggäste im Vergleich zum Vorjahr an Bord der wenigen verbliebenen Lang- und Kurzstreckenflüge. Die Finanzlage ist mit fast keinen Einnahmen und weiter laufenden Kosten kritisch. Spohr bezifferte die Liquidität auf gut vier Milliarden Euro. Allein die noch anstehenden Rückzahlungen für bis Ende Mai stornierte Flüge belaufen sich auf 1,8 Mrd. Euro, wie der für das Rechnungswesen derzeit zuständige Personalchef Michael Niggemann erklärte. Er kündigte an, dass nach diesem auch im nächsten Jahr die Dividende ausfallen wird.

Quelle: Apa/Dpa

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