Wirtschaft

Auch Daimler beurlaubt wegen Abgastest mit Affen Manager

Auch Daimler zieht personelle Konsequenzen aus der Affäre um Abgastests mit Affen: Der Vorstand habe entschieden, den Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung freizustellen, der in der Leitung der inzwischen aufgelösten Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT) saß, teilte Daimler am Mittwoch in Stuttgart mit.

Im Tätigkeitsbericht der Vereinigung von 2012 bis 2015 ist Udo Hartmann aufgeführt, der Konzernbeauftragte für Umweltschutz bei Daimler. Volkswagen hatte bereits am Dienstag seinen Cheflobbyisten Thomas Steg beurlaubt, weil er offenbar seit Jahren von den Abgas-Versuchen an Affen in den USA wusste. Die "New York Times" hatte vergangene Woche über die Tests berichtet. Die von VW, BMW, Daimler und Bosch im Jahr 2007 gegründete EUGT hatte die Versuche in Auftrag gegeben. Am Sonntag wurde dann bekannt, dass sie auch Tests mit Menschen finanzierte.

Daimler bekräftigte am Mittwoch, das Vorgehen der EUGT widerspreche "unseren Werten und ethischen Prinzipien". Der Konzern distanziere sich ausdrücklich von den Studien und der EUGT.

Daimler habe zwar keinen Einfluss auf den Versuchsaufbau gehabt, aber dennoch eine umfassende Untersuchung eingeleitet. Dabei werde der Konzern von einer externen Kanzlei unterstützt. "Wir werden den Sachverhalt lückenlos aufklären und sicherstellen, dass sich derartige Vorgänge nicht wiederholen", versicherte Daimler.

BMW indes steht weiterhin zu seinem Mitarbeiter, der den Münchner Autokonzern von 2011 bis 2015 als Referent in der Lobby-Initiative EUGT vertreten hatte. Der Mann "bleibt Mitarbeiter der BMW Group", werde nur vorerst auf eigenen Wunsch von seinen aktuellen Aufgaben im Bereich von urbaner Mobilität und Kommunen befreit, teilte BMW am Mittwoch in München mit.

Er habe glaubhaft versichert, dass er EUGT-Tierversuche kritisch hinterfragt habe. BMW habe an den Studien nicht mitgewirkt. In der laufenden Untersuchung gelte für den Mitarbeiter die Unschuldsvermutung. "Gleichzeitig steht die BMW Group zu ihrer Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern", sagte ein Sprecher. BMW hatte sich von den Tierversuchen distanziert.

In der juristischen Aufarbeitung der Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen gibt es unterdessen neue Verdächtige. Stuttgarter Staatsanwälte ermitteln nun gegen zwei weitere Mitarbeiter des weltgrößten Autozulieferers Bosch, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Außerdem durchsuchten Ermittler der Staatsanwaltschaft München II die Privatwohnungen von sechs aktuellen oder ehemaligen Mitarbeitern des Autoherstellers Audi.

Die beiden Mitarbeiter der US-Tochter von Bosch werden der Beihilfe zum Betrug verdächtigt. Sie sollen an der Ausrüstung von Dieselautos des Typs Jeep Grand Cherokee und des Pick-up Dodge Ram 1.500 mit einer illegalen Abschaltvorrichtung des Abgasreinigungssystems beteiligt gewesen sein. Die beiden Fahrzeugtypen werden von dem Autokonzern Fiat-Chrysler hergestellt, gegen den bereits Ermittlungen in den USA und Frankreich laufen.

Wie die Staatsanwaltschaft Stuttgart mitteilte, hatte die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA vor einem Jahr vor möglichen Manipulationen bei den beiden Fahrzeugtypen gewarnt. Weiter gehen die Stuttgarter Ermittler davon aus, dass "die relevanten Tatbeiträge" dazu im Zuständigkeitsbereich der Verdächtigen geleistet wurden. Die Staatsanwälte leiteten die Ermittlungen dazu vor einer Woche ein. Es laufen bereits drei andere Verfahren gegen Bosch-Mitarbeiter wegen Beihilfe zu Betrug bei Daimler, Volkswagen und Audi.

In den Ermittlungen gegen Mitarbeiter von Audi hat sich die Zahl der Verdächtigen laut Staatsanwaltschaft München nun auf 13 erhöht. Unter den bereits bekannten Verdächtigen ist Wolfgang Hatz, ein ehemaliger Porsche-Vorstand und Leiter der Aggregate-Entwicklung bei Audi. Unter den neuen Verdächtigen sei allerdings niemand aus dem oberen Management, wie eine Sprecherin sagte. Größtenteils handle es sich um "einfache Ingenieure."

Bei den Durchsuchungen von deren Wohnungen handelte es sich um die zweite Razzia gegen Audi nach der im vergangenen März, bei der unter anderem zwei Audi-Standorte durchsucht wurden.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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