Wirtschaft

"Bitcoin ist reine Spekulation"

Bitcoin & Co. sind keine Währung und intransparent, sagen die Notenbanker.

 SN/nationalbank

Für Kurt Pribil, Mitglied des Direktoriums der Oesterreichischen Nationalbank, sind Bitcoin und Blockchain keine zukunftsweisenden Konzepte für den Massenzahlungsverkehr.

Um Bitcoin & Co. gibt es seit Längerem einen großen Hype. Notenbanken sehen ihn und Kryptowährungen generell besonders kritisch. Wieso? Kurt Pribil: Wir haben da eine ganz klare und eindeutige Position. Bitcoin & Co. sind keinesfalls Währungen, denn dahinter steht definitiv kein realer Wert. Diese sogenannten Kryptowährungen sind reine Spekulationsobjekte. Für eine Notenbank als Hüterin der Währung geht es darum, einen sicheren Zahlungsverkehr zu garantieren. Das heißt, stabile und sichere Zahlungsmittel bereitzustellen. Dabei geht es nicht nur um die Bargeldversorgung - gerade die Österreicherinnen und Österreicher lieben ja ihr Bargeld -, sondern es geht auch darum, dass wir bei der Weiterentwicklung aktiv dabei sind. Es geht hier um die Echtzeitzahlungen ("Instant Payment"), die wir als nächstes Projekt im Fokus haben, da arbeiten wir gemeinsam mit der EZB an einer Plattform.

Sind die starken Kursschwankungen bei Kryptowährungen bereits eine Gefahr für die Finanzmarktstabilität, für die Notenbanken auch zuständig sind? Wir schauen sehr kritisch hin und beobachten die Entwicklung genau. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind wir derzeit noch entspannt, weil Bitcoin & Co. in keiner Weise die Stabilität der Finanzmärkte gefährden. Vor allem, weil sie keine Rolle für die Finanzierung der Wirtschaft spielen, sondern Spekulationsobjekte bleiben. Ein Problem wäre allenfalls, wenn Käufe von Bitcoin stärker fremdfinanziert würden. Das würde uns auf den Plan rufen.

Es gibt Rufe nach Regulierung von Kryptowährungen. Manche Länder denken über ein Verbot des Handels nach. Wie ist die Haltung der Oesterreichischen Nationalbank? Wir müssen bei Bitcoin & Co. mindestens das durchsetzen, was bei anderen Finanzgeschäften selbstverständliche Grundregeln sind. Das ist die Offenlegung aller Beteiligten, das heißt Transparenz und das heißt auch Überwachung der Handelsplätze. Wer da mitspielen will, muss sich an diese Regeln jedenfalls halten. Ob man darüber hinausgehen muss, bleibt vorerst offen.

Auch Notenbanken beschäftigten sich mit virtuellen Währungen. Wohin führt diese Entwicklung? Es wird in einigen Notenbanken diskutiert, auch in der EZB. Aber man darf sich von dem, was technisch machbar ist, nicht zu schnell treiben lassen. Natürlich könnte man digitale Währungen als Teil der Geldpolitik und der Geldversorgung einführen. Das hieße aber auch, dass private Personen direkt bei den Notenbanken digitales Geld halten könnten. Damit würden wir sehr weit in das Geschäft der Kommerzbanken vordringen. Da gibt
es auch einige Skepsis, diese Diskussion ist noch nicht abgeschlossen.

Wird die Blase bei Bitcoin & Co. in sich zusammenfallen und der Hype damit vorbei sein, oder steckt mehr dahinter? Viele betrachten die dahinterstehende Blockchain-Technologie als zukunftsweisend? Aktuell gehen die Kurse stark zurück, wir können nicht sagen, ob die Blase platzen wird. Aber die Gefahr besteht. Auch bei Aktien und Anleihen gibt es starke Schwankungen, aber dahinter stehen Werte - hinter Bitcoin steht nur Gewinnsucht und das Prinzip Hoffnung. Was die Blockchain-Technologie angeht, so könnte es für die durchaus Einsatzgebiete geben, etwa bei Grundbuchübertragungen oder im Bereich des Wertpapier-Settlements. Aber im Zahlungsverkehr und vor allem im Massenzahlungsverkehr sehen wir das nicht. Ich darf dazu eine Zahl bringen: Wir haben im Zahlungsverkehr in Österreich pro Tag zwei Millionen Transaktionen. Bei Bitcoin gibt es 300.000 bis 400.00 Transaktionen pro Tag, allerdings weltweit. Und damit kommt das System schon nahe an die Kapazitätsgrenze. Daher sind wir nicht nur hinsichtlich Bitcoin, sondern auch der dahinterstehenden Blockchain-Technologie im Massenzahlungsverkehr sehr skeptisch.

Was ist Bitcoin überhaupt? Lesen Sie hier weiter.

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