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Black Friday: Der inszenierte Kaufrausch

Der Black Friday lockt in den USA mit Rabatten Millionen Menschen in die Shoppingcenter. Der Hype schwappt auf Österreich über. Was der heimische Handel sich davon erhofft und warum eine Firma aus Hongkong mitkassiert.

Am Black Friday fallen alle Einkaufsschranken.  SN/www.picturedesk.com/ap
Am Black Friday fallen alle Einkaufsschranken.

Wer bei "Schwarzer Freitag" noch an Börsencrash und Weltwirtschaftskrise denkt, ist entweder immun gegen Werbung oder absolut kein Schnäppchen-Jäger. Was in den USA seit Jahren Tradition hat und am heutigen Freitag wie jedes Jahr für Prügeleien um die billigsten Schnäppchen vor den Regalen sorgen wird, schwappt auf Österreich über. Seit Tagen werben Elektrohändler, Möbelmärkte und selbst Autohändler mit Rabatt-Aktionen.

"Der Hype aus Amerika passt vielen heimischen Händlern gut ins Konzept", sagt Wolfgang Richter vom Handelsberater RegioPlan. Der stationäre Handel will sich gegen die Online-Konkurrenz in Stellung bringen, jede Branche versucht vor Weihnachten das Interesse auf ihre Ware zu lenken und jedes Unternehmen will noch schneller sein als der Konkurrent. "Letztlich hoffen alle, das Weihnachtsgeschäft etwas nach vorne auszudehnen", sagt Richter. Schließlich sind nicht nur Shoppingcenter und Einkaufsstraßen kurz vor Weihnachten überfüllt, vor allem der Online-Handel kommt mit der massenhaften Zustellung kurz vor dem Fest kaum noch zu Rande.

Black Friday als Startschuss für das Weihnachtsgeschäft

Als arbeitsfreier Zwickeltag nach Thanksgiving gilt der Black Friday in Amerika vor allem für den stationären Handel als Startschuss für das Weihnachtsgeschäft, für den Onlinehandel folgt nur drei Tage später der Cyber Monday. In Österreich funktioniert das auch ohne Zwickeltag. "Schon im Vorjahr zählten wir am Black Friday in unseren 19 Centern um 20 Prozent mehr Kunden als sonst an einem Freitag", sagt Marcus Wild, Geschäftsführer des Shoppingcenterbetreibers SES der Spar Gruppe, zu dem der Europark zählt. "Die Kunden wollen die Inszenierung, das Einkaufserlebnis", meint auch Harald Gutschi, Chef der Unito-Gruppe, mit Marken wie Universal, Otto und Quelle der größte heimische Onlinehändler. Eine Verdoppelung des Umsatzes am Black Friday erwartet man hier.

Die Hoffnungen auf das Weihnachtsgeschäft sind heuer besonders groß. "Die Wirtschaft brummt, die Gehälter steigen, die Steuerreform wirkt und die Zinsen sind so niedrig, dass Sparen unattraktiv ist. Das alles führt derzeit zu einem wahren Kaufrausch", sagt Gutschi. Ein Umsatzplus von 22,6 Prozent verzeichnete die Unito-Gruppe im ersten Halbjahr. Für das Weihnachtsgeschäft erwartet man einen Zuwachs von 30 Prozent. "Der Online-Handel ist rasant auf dem Vormarsch", sagt Gutschi. Diskussionen, dass davon vor allem ausländische Konzerne profitieren, würden das kaum beeinflussen. "Dass wir als heimischer Anbieter wahrgenommen werden, finden die Kunden zwar toll, die Kaufentscheidung aber treffen sie aus anderen Gründen: Es muss das beste Produkt zum günstigsten Preis sein und dazu noch der beste Service." Als österreichischer Einzelkämpfer könne man das schwer bieten. "Nur als Teil der deutschen Otto Group mit weltweit 12,5 Milliarden Euro Umsatz können wir preislich da mitbieten."

Den Sitz habe die für Österreich und Osteuropa zuständige Unito in Salzburg, 200 Mitarbeiter arbeiten hier für die größte Marke Universal und die auf Haushalts- und Hartwaren konzentrierte Quelle. 250 Mitarbeiter sind in Graz für Otto tätig. Ausgeliefert werden Technik-Waren aus einem Lager in Wien, der Rest kommt aus dem süddeutschen Zentrallager. Dennoch sorge man mit österreichischen Logistik-Partnern wie der Post oder der Spedition Gebrüder Weiss für mehr als 2000 Arbeitsplätze, betont Gutschi. "Und wir zahlen Steuern in Österreich." Erstmals werde man heuer mehr als 400 Mill. Euro Umsatz erreichen. "Schon jetzt geben die Österreicher im Non-Food-Bereich 18 Prozent und damit fast jeden fünften Euro im Online-Handel aus, spätestens in fünf Jahren wird das jeder dritte Euro sein", ist Gutschie überzeugt.

Klarer Gewinner des Weihnachtsgeschäftes werde auch heuer wieder der Internethandel sein, meint auch Handelsforscher Richter. "Angesichts der guten Wirtschaftslage wird sich aber auch im stationären Handel ein kleines Plus ausgehen." 1,95 Milliarden Euro an zusätzlichen Ausgaben verglichen mit Handelsumsätzen anderer Monate erreichte das Weihnachtsgeschäft im Vorjahr in Österreich.

Mitkassieren werden dabei nicht nur ausländische Online-Giganten, sondern - zumindest was den Black Friday betrifft - eine Firma mit Sitz in Hongkong. Die Super Union Holdings Ltd. hat sich 2013 Black Friday als Marke in Deutschland und Österreich eintragen lassen. Ob das markenrechtlich hält, wird von Experten bezweifelt. 14 Anträge auf Löschung gibt es in Deutschland. "Das Markenrecht aber ist so komplex, dass es bis jetzt keine Rechtssicherheit gibt", heißt es im Handelsverband. "Wir haben das rechtlich überprüft und zahlen Lizenzgebühr", sagt Unito-Chef Gutschi. Wieviel, verrät er nicht. Das hängt laut Handelsverband vom Umsatz ab, 999 Euro ist die Untergrenze. Dennoch rät auch der Handelsverband zu zahlen oder mit alternativen Namen für den Black Friday zu werben. So finden Wortkreationen wie Black Week, Orange Friday und fri-yay Einzug in die Werbeschlacht.

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