Wirtschaft

British Airways ringt ums Überleben - Lufthansa kürzt

Für die Luftfahrt und deren Mitarbeiter und Passagiere kamen am Mittwoch keine guten Nachrichten. Die in der Coronakrise unter Druck geratene Fluggesellschaft British Airways (BA) ringt um ihr Überleben. Das gab Konzernchef Alex Cruz in einem Parlamentsausschuss in London zu Protokoll. Tausende Jobs sind in Gefahr. Weitere Arbeitsplätze wackeln auch bei anderen Airlines.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr SN/APA (dpa)/Arne Dedert
Lufthansa-Chef Carsten Spohr

In Frankfurt schockte Luthansa-Chef Carsten Spohr mit der Ankündigung, noch mehr sparen zu müssen. Die Geschäftsaussichten hätten sich durch Reisewarnungen und Quarantänebestimmungen weiter verschlechtert. Details könnte es laut "Süddeutscher Zeitung" in der kommenden Woche nach Treffen mit dem Aufsichtsrat am Montag und Dienstag geben.

Drastische Worte fand British Airways-Chef Cruz am Mittwoch zur Lage der Branche und namentlich auch seiner Airline: Er befürchtet Pleiten von Fluggesellschaften. "Wir (BA, Anm.) ergreifen alle möglichen Maßnahmen, um sicherzustellen, dass wir diesen Winter tatsächlich überstehen können. Wir sind weiterhin besorgt über die Entwicklung des Restes der Wintersaison. Die Menschen haben immer noch Angst vor Reisen", warnte Cruz. Derzeit liege der Flugplan bei lediglich 25 bis 30 Prozent des normalen Geschäftes. Daher müssten tausende Arbeitsplätze gestrichen werden.

"Dies ist die schlimmste Krise, die British Airways in ihrer 100-jährigen Geschichte durchgemacht hat", sagte der Manager. "Wir kämpfen immer noch um unser Überleben." Großbritanniens führende Fluggesellschaft musste Kritik von Politikern und Gewerkschaften einstecken, weil sie 13.000 Mitarbeiter gekündigt und die Verträge vieler verbleibender Mitarbeiter neu ausgehandelt hat. BA erwiderte, es gebe keine andere Wahl, da täglich 20 Millionen Pfund (etwa 22 Mio. Euro) verbrannt und die Finanzen der Muttergesellschaft IAG belastet würden. IAG hatte zuletzt 2,74 Mrd. Euro von den Aktionären eingesammelt.

Lufthansa-Chef Spohr hat für seinen Konzern unterdessen in einer Online-Fragestunde vor Mitarbeitern weitere Einschnitte bei Personal und Flotte skizziert. Wegen schwächerer Passagierzahlen muss der staatlich gestützte AUA-Mutterkonzern seine Planungen anpassen. Reuters berichtete, dass neue Entscheidungen über eine abermalige Flottenverkleinerung nächste Woche erfolgen könnten: Die Rede sei von bis zu 130 und damit mindestens 30 Flugzeugen mehr als bisher geplant.

Zu Beginn der Coronakrise war Spohr hoffnungsvoll, dass die Zahl der Passagiere bis Jahresende wieder auf 50 Prozent des Niveaus von 2019 zurückkehren würde, im Sommer 2021 dann sogar auf drei Viertel, spätestens 2023 wieder zur alten Größte. Nun habe Spohr den Mitarbeitern erklärt, es sei fraglich, ob die Lufthansa jemals wieder die Umsätze der Jahre 2017 bis 2019 erreichen könne, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch. Statt wie bisher geplant 22.000 Arbeitsplätze müssten eher 28.000 gestrichen werden. Kündigungen werde es auch bei den Piloten geben, im ersten Quartal 2021 bei Germanwings, im vierten Quartal 2021 dann bei Lufthansa selbst. Insgesamt werde jeder fünfte, vielleicht sogar jeder vierte Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen. Wegen der Teilzeitquote entsprechen bei der Lufthansa 22.000 Stellen 26.000 Köpfen.

Werden die Pläne zur Verkleinerung der Flotte wie von deutschen Airlineplattformen beschrieben realisiert, stünden damit auch Langstreckenflugzeuge der AUA in Frage. Auf der Kippe stehen in der Lufthansa-Gruppe insbesondere die vierstrahligen Übersee-Maschinen, die schwer auszulasten sind und zudem vergleichsweise viel Kerosin verbrauchen. So könnten die Airbus A380 und die älteren Boeing-Jumbos vom Typ 747-400 vor dem Aus stehen. Auch von den vierstrahligen Airbus A340 könnte sich Lufthansa verabschieden. Allein die neueren Boeing-Jumbos vom Typ 747-8 hätten im Konzern noch eine Zukunft, wurde Spohr vom Portal aero.de zitiert.

Bei der AUA schaue man sich die Boeing-Typen 777-200 und 767-300 an, "das sind Flugzeuge, die keine Zukunft haben", so Spohr laut aero.de.

Quelle: Apa/Ag.

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