Wirtschaft

Corona-Nervosität greift um sich - wie Chinas Virus die Weltwirtschaft ansteckt

Stark betroffen ist die Autoindustrie. Experten befürchten Ansteckungseffekte und einen Dämpfer für die gesamte Weltwirtschaft.

Chinas Wirtschaft ist aufgrund der Einschränkungen durch das Corona-Wirtschaft stark betroffen.  SN/unique vision - stock.adobe.com
Chinas Wirtschaft ist aufgrund der Einschränkungen durch das Corona-Wirtschaft stark betroffen.

Das Coronavirus drückt der Weltwirtschaft weiter den Stempel auf. Die Epidemie könnte das Wachstum der Weltwirtschaft vorübergehend hemmen, warnte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgiewa, beim Weltfrauenforum in Dubai. Möglich sei ein Rückgang von 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten, die jüngste Prognose lautete auf 3,3 Prozent. Angesichts hoher Unsicherheit sei es für konkrete Prognosen aber noch zu früh.

Indes greift die Nervosität um sich, vor allem in China. Zahlreiche Unternehmen mussten ihre Produktion zurückfahren oder einstellen, weil es an lokalen Arbeitskräften fehlt. Volkswagen verschob den Start eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem chinesischen Partner SAIC, auch die für Ende April geplante Automesse in Peking findet später statt. Japan, so wie Thailand ein beliebtes Reiseziel für Touristen aus China, befürchtet ein Abrutschen in die Rezession.

In mehreren Ländern und Branchen machen sich Ansteckungseffekte bemerkbar, die Deutsche Bundesbank befürchtet Exporteinbußen. Die weltweit zweitgrößte Wirtschaftsmacht China steht vor der widersprüchlichen Herausforderung, die Verbreitung des Virus rasch einzudämmen und auf der anderen Seite das bereits vor Ausbruch des Virus schwächste Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten wieder in Schwung zu bringen.

Aus China kommen auch zwei auf den ersten Blick positive Nachrichten, die aber im Zusammenhang nur das Ausmaß der Krise bestätigen. Da ist einmal die Tatsache, dass sich die beiden großen Börsen des Landes - in Schanghai und Hongkong - am Montag wieder etwas erholt haben.

Die Aktienindizes Shanghai Composite und Hang Seng haben sich zwar deutlich von ihren Tiefständen zu Monatsbeginn erholt, liegen aber immer noch unter den Werten zu Ausbruch der Epidemie. Experten der Fondsgesellschaft Franklin Templeton erwarten nach dem Einbruch eine rasche Erholung wie beim SARS-Virus 2002. Allerdings scheine das Virus gefährlicher als SARS, und der Beitrag Chinas zur weltweiten Wirtschaftsleistung sei heute mit 16 Prozent vier Mal so groß wie damals.

Um die Wirtschaft zu stützen, senkt die Chinesische Notenbank den Zinssatz für mittelfristige Darlehen (MLP) erneut und pumpt zusätzliches Geld in die stockende Wirtschaft. Das Absenken des Satzes um zehn Punkte auf 3,15 Prozent soll Kreditgeschäfte im Volumen von umgerechnet 26,4 Mrd. Euro anregen. Am Donnerstag könnte die Notenbank in Peking auch den Referenzzinssatz senken.

Zu den meistbetroffenen Sparten gehört die weltweite Autoindustrie, die samt Zulieferbetrieben ja bereits vor Ausbruch des Virus in der Krise steckte. Und China ist die Achillesferse für diese Branche. In einer aktuellen Studie hält die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group (BCG) fest, dass China größter Absatzmarkt für Neuwagen weltweit ist - und zugleich ein entscheidender Standort für Autobauer und Zulieferer. Unter vielen vom Virus betroffenen Branchen rage die Autoindustrie heraus "als eine, die die Auswirkungen schnell und tief spürt angesichts der entscheidenden Rolle Chinas", schreibt BCG.

Das zeigt ein Blick auf die meistbetroffene Provinz Hubei. Dort würden fast zwei Millionen Autos montiert - rund acht Prozent der gesamten Autoproduktion Chinas, geht aus der Studie hervor. Zum Vergleich: Das allein entspricht bereits knapp einem Fünftel des Gesamtabsatzes von Weltmarktführer VW, der 2019 weltweit 10,9 Millionen Autos verkaufte.

Dazu kommen weitere Autoproduktionsstätten in anderen Provinzen Chinas sowie die Kategorie der leichten Nutzfahrzeuge, wo Hubei hinter Guangdong an der Grenze zu Hongkong der zweitwichtigste Produktionsstandort ist.

Die Schäden durch das Virus würden mit jedem Tag Produktionsstillstand "überproportional größer", sagt der Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Gabriel Felbermayr. Denn überall auf der Welt seien Hersteller auf chinesische Vorleistungen angewiesen. Die Vorräte reichten nicht ewig.

Aufgerufen am 23.09.2020 um 08:54 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/corona-nervositaet-greift-um-sich-wie-chinas-virus-die-weltwirtschaft-ansteckt-83611435

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