Wirtschaft

Coronakrise bringt Boeing und Airbus in die roten Zahlen

Die Coronakrise belastet die weltgrößten Flugzeugbauer Airbus und Boeing stark - beide machten im ersten Quartal hohe Verluste. Bei Airbus fiel in den drei Monaten bis Ende März unterm Strich ein Minus von 481 Mill. Euro an, wie der Luftfahrt- und Rüstungskonzern am Mittwoch in Toulouse mitteilte. Im Vorjahr hatte es noch einen Gewinn von 40 Mill. Euro gegeben.

Luftfahrt in schweren Turbulenzen SN/APA (AFP/Getty)/JUSTIN SULLIVAN
Luftfahrt in schweren Turbulenzen

"Wir befinden uns mitten in der schwersten Krise, die die Luftfahrtbranche jemals erlebt hat", sagte Airbus-Chef Guillaume Faury in einer Telefonkonferenz. Der Franzose hatte die Beschäftigten zuvor schriftlich auf harte Zeiten eingestimmt. In Frankreich seien rund 3000 Mitarbeiter in Kurzarbeit, sagte Faury nun. Mit Blick auf Deutschland fügte er hinzu: "Einige tausend Menschen werden bald in Kurzarbeit sein." Einzelheiten und Standorte blieben dabei offen.

Der Umsatz sank im ersten Vierteljahr wegen Unterbrechungen bei der Flugzeug-Auslieferung um 15 Prozent auf 10,6 Mrd. Euro. Airbus lieferte 122 Verkehrsflugzeuge aus, 40 weniger als zuvor. Der Hersteller hatte bereits angekündigt, seine Flugzeugproduktion um rund ein Drittel zurückzufahren. Fluggesellschaften sind als große Kunden von der Coronakrise getroffen und teilweise auf Staatshilfen angewiesen. Beim Gewinn schlugen auch Sonderabschreibungen zu Buche, etwa für einen Kredit für das Internet-für-alle-Projekt Oneweb. OneWeb hatte Ende März in den USA Gläubigerschutz angemeldet.

Noch schlechter sieht es unterdessen beim amerikanischen Erzrivalen Boeing aus, der wegen des Debakels rund um den Unglücksflieger 737 Max schon vor der Coronakrise schwer angeschlagen war. Hier betrug der Quartalsverlust laut Unternehmensmitteilung 641 Mill. Dollar (589 Mill. Euro). Im Vorjahr hatte Boeing noch 2,1 Mrd. Dollar verdient. Der Umsatz sank um 26 Prozent auf 16,9 Mrd. Dollar.

Boeing streicht angesichts des dramatischen Einbruchs der Flugzeug-Nachfrage in der Coronakrise etwa jede zehnte seiner 160.000 Stellen. Der US-Flugzeugbauer aus Seattle drosselt die Produktion seines lukrativen Langstreckenflugzeugs Boeing 787 um die Hälfte, wie er am Mittwoch mitteilte. Auch die Produktion der Boeing 737 MAX, die nach zwei tödlichen Abstürzen am Boden bleiben musste, soll nur langsam wieder anlaufen.

Boeing-Chef Dave Calhoun schrieb in einem Brief an die Mitarbeiter, in der Verkehrsflugzeug-Sparte müssten sogar rund 15 Prozent der Belegschaft gehen. Kündigungen schloss er dabei nicht aus.

Um die Krise zu überstehen, schnürt Boeing drei Insidern zufolge ein Finanzierungspaket mit Anleihen, das mehr als zehn Mrd. Dollar (9,2 Mrd. Euro) umfassen könnte. Der europäische Konkurrent Airbus will ohne Staatshilfe auskommen, wie Finanzchef Dominik Asam am Mittwoch klarmachte. Airbus-Aktien schossen in Paris um neun Prozent nach oben. In Deutschland schickt Vorstandschef Guillaume Faury allerdings einige tausend Mitarbeiter vorerst in Kurzarbeit. In Frankreich kommen Tausende hinzu.

Die beiden weltgrößten Flugzeughersteller schreiben in der Krise rote Zahlen - Boeing sogar bereits das zweite Quartal in Folge. Zwischen Jänner und März stand ein operativer Verlust von 1,7 Mrd. Dollar zu Buche - ein Jahr zuvor war es noch ein Gewinn von fast zwei Milliarden. Unter dem Strich fiel bei einem Umsatzeinbruch um 26 Prozent ein Verlust von 641 Mio. (plus 2,15 Mrd.) Dollar an. Airbus fuhr wegen der Folgen der Pandemie 481 Mill. Euro Verlust ein, im Vorjahr hatte es in den traditionell schwachen ersten drei Monaten zu einem kleinen Gewinn gereicht.

Hoffnung auf eine rasche Erholung machen sich beide Konzerne nicht. Grenzschließungen und Reisewarnungen haben den Verkehr in der Luft weltweit fast zum Erliegen gebracht. Fluggesellschaften kämpfen gegen die Pleite und haben Flugzeuge ausgemustert. Neue Bestellungen werden verschoben oder storniert. Boeing hat von Jänner bis März gerade 50 Flugzeuge ausgeliefert, zwei Drittel weniger als vor einem Jahr. Der Umsatz hat sich auf 6,2 Mrd. Dollar fast halbiert. Airbus lieferte 122 Flugzeuge aus, doch 60 konnten wegen der Pandemie nicht an die Kunden übergeben werden. "Wir stecken mitten in der schwersten Krise, die die Luftfahrtindustrie je erlebt hat", sagte Airbus-Chef Faury.

Größtes Thema seien derzeit die unzähligen Anfragen von Fluggesellschaften, die Auslieferungen verschieben wollten. Die malaysische Billigfluggesellschaft AirAsia, die allein 349 Airbus A320neo bestellt hat, hat angekündigt, in diesem Jahr keine neuen Flugzeuge mehr anzunehmen und alle Airbus-Aufträge in Frage zu stellen.

Quelle: Apa/Dpa

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