Wirtschaft

Coronavirus-Epidemie schlägt immer mehr auf Wirtschaft durch

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie werden immer schwerwiegender. Italien schwebt deswegen eine zeitweilige Aussetzung der europäischen Schuldenregeln vor, um mehr Mittel mobilisieren zu können. China will vor allem in den stark betroffenen Provinzen die lokalen Regierungen mit mehr Geld unterstützen. Auch Österreich und Deutschland spüren die Folgen.

Die Wirtschaft bekommt das Virus zu spüren SN/APA/BARBARA GINDL
Die Wirtschaft bekommt das Virus zu spüren

Mit Flybe rutschte am Donnerstag die erste Fluggesellschaft seit dem Ausbruch des Virus in die Insolvenz. Der internationale Bankenverband IIF erklärte, das weltweite Wachstum könnte 2020 auf bis zu ein Prozent abrutschen - den schwächsten Wert seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren. Weitere Großveranstaltungen wurden abgesagt, immer mehr Konzerne schließen Büros und lassen Mitarbeiter vorsorglich von zu Hause arbeiten.

In Europa ist Italien besonders stark von der Epidemie in Mitleidenschaft gezogen. Wirtschaftsstaatssekretärin Laura Castelli sagte der Zeitung "Il Messaggero", die Regierung in Rom erwäge eine Aufstockung der Mittel im Kampf gegen die Corona-Folgen um 1,4 Mrd. auf 5 Mrd. Euro. Europa müsse mit dem hoch verschuldeten Land eine Vereinbarung treffen. "Unter den erwogenen Optionen ist die zeitweilige Aussetzung des Stabilitätspakts." Die bisherigen Annahmen zum Wirtschaftswachstum gelten mittlerweile als Makulatur, weil Italien auf eine erneute Rezession zusteuert.

China, wo das Virus zuerst auftrat, hat im Kampf gegen die Folgen bisher mehr als umgerechnet 14,3 Mrd. Euro bereitgestellt. Davon seien rund ein Drittel noch nicht ausgegeben worden, sagte Vize-Finanzminister Xu Hongcai. Damit solle lokalen Regierungen geholfen werden. Auch werde das Ministerium den Finanzierungsbedarf der am schwersten betroffenen Provinz Hubei sicherstellen. In China standen über Wochen ganze Wirtschaftszweige still, was auch am anderen Ende der Welt zu Problemen führt. Um die Konjunktur zu stabilisieren, hat die Regierung in Peking die Steuern gesenkt. Das wirkt sich aber negativ auf die Einnahmen der Provinzen aus, vor allem im Westen des Riesenlandes.

In Österreich hat die Regierung für besonders stark betroffene Unternehmen ein kurzfristiges Maßnahmenpaket geschnürt - dazu gehören Kreditgarantien im Ausmaß von 10 Mio. Euro und wenn nötig auch Kurzarbeit in Betrieben. Kurzfristig werde die Krise Österreichs Wirtschaftswachstum um 0,1 Prozentpunkte dämpfen, aber selbst dann werde man ein Wachstum von über einem Prozent haben, sagte Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer am Mittwoch. Einige Betriebe, Branchen und Regionen seien aber stärker betroffen. Dazu gehören die Transport- und die Tourismusbranche sowie jene, die besonders viel Handel mit Italien treiben.

In Deutschland werden die Prognosen unterdessen immer düsterer. Der Industrieverband BDI schreibt das Jahr 2020 wegen der Epidemie ab. "Die Industriekonjunktur dürfte auch im laufenden Jahr in der Rezession verharren und sich zu der längsten seit der Wiedervereinigung ausweiten. Nicht Brexit, nicht Trump, sondern das Coronavirus und seine weltweite Verbreitung haben derzeit den größten negativen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland." Die Industrie schrumpfte schon vor dem Virus-Ausbruch sechs Quartale in Folge - vor allem wegen der schwächeren Weltkonjunktur, aber auch wegen der Probleme in der Autoindustrie. "Mit den Produktionseinbrüchen in China und den Quarantänemaßnahmen einzelner Länder wird deutlich, wie verletzlich die exportorientierte und international arbeitsteilig organisierte deutsche Wirtschaft ist."

Die deutschen Maschinenbauer rechnen in Folge der Epidemie mit Einbußen bei den Aufträgen und Einschränkungen bei den Lieferketten. Die Auswirkungen würden sich in den kommenden Monaten deutlich in den Orderzahlen widerspiegeln, sagte der Chefvolkswirt des Branchenverbandes VDMA, Ralph Wiechers. China sei nicht nur der zweitwichtigste Abnehmer deutscher Maschinen. Die Volksrepublik sei auch 2019 Deutschlands wichtigster ausländischer Lieferant von Maschinen, vor allem aber von Komponenten und Teilen gewesen.

Wegen der Ansteckungsgefahr stehen momentan Reiseanbieter, Hotelbetreiber und Airlines unter Druck. Der ohnehin schon angeschlagene britische Regionalflieger Flybe erklärte, er habe den durch die Epidemie verursachten Einbruch der Nachfrage nicht länger verkraften können. "Alle Flüge bleiben am Boden, und das Geschäft ist mit sofortiger Wirkung eingestellt. Die israelische Fluglinie El Al baut 1.000 Mitarbeiter ab. Die Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) dünnt wegen der Coronavirus-Epidemie ihr Flugprogramm in Europa drastisch aus.

Quelle: Apa/Ag.

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