Wirtschaft

Daimler verschärft nach Gewinneinbruch den Sparkurs: "Wir bringen das in Ordnung"

Der Deutsche Autokonzern bleibt mit seiner Bilanz für 2019 nicht nur deutlich hinter dem Vorjahr zurück, sondern auch weit hinter seinen eigenen Erwartungen.

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG verspricht Besserung SN/APA/dpa/Marijan Murat
Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG verspricht Besserung

Der deutsche Autokonzern Daimler will nach dem erneuten Gewinneinbruch im vergangenen Jahr den Sparkurs verschärfen. "Wir haben ein Kostenproblem - das bekämpfen wir bei den variablen und den Fixkosten", sagte Konzernchef Ola Källenius am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart.

Der größte Teil der Einsparungen müsse durch weniger komplexe Produktion erzielt werden. Doch auch beim Personal seien Einschnitte notwendig. Die größte Sparte Mercedes-Benz Pkw und Vans habe drei harte Jahre vor sich. "Wir bringen das in Ordnung", versprach der Schwede, der im vergangenen Jahr den langjährigen Daimler-Chef Dieter Zetsche abgelöst hatte.

Seit seinem Antritt im Mai musste Källenius schon dreimal das Gewinnziel kappen. Im vergangenen Jahr sackte das Nettoergebnis fast um zwei Drittel auf 2,7 Mrd. Euro ab, nachdem der Gewinn schon im schwachen Jahr 2018 um fast 30 Prozent gesunken war.

Das lag vor allem an rund 4 Mrd. Euro an Rückstellungen und Kosten für den Dieselskandal. Die Folgen der Abgasmanipulation treffen den Konzern in einer Phase, in der er mit Milliardeninvestitionen seine PS-starken Luxusautos auf CO2-freie Elektroautos umstellen muss.

Wie viele der knapp 300.000 Stellen genau wegfallen sollen, ließ Källenius offen. Nach früheren Aussagen werden es mehr als 10.000 sein - vor allen in Management und Verwaltung, nicht in der Produktion. In den nächsten drei Jahren würden zehn Prozent der Manager-Stellen gestrichen, kündigte der Daimler-Chef an. Zusätzlich werde über altersbedingtes Ausscheiden von Mitarbeitern ein Abfindungsprogramm gestartet. In den kommenden Jahren sollen so 1,4 Mrd. Euro gespart werden.

"Und dabei bleibt es", sagte Källenius mit Blick auf Spekulationen, das Sparprogramm könne noch deutlich ausgeweitet werden.

Källenius will jährlich 1,4 Mrd. Euro bei den Personalkosten einparen  SN/APA/AFP/THOMAS KIENZLE
Källenius will jährlich 1,4 Mrd. Euro bei den Personalkosten einparen

Doch zunächst müssen für den Stellenabbau 2 Mrd. Euro ausgegeben werden, erklärte Finanzchef Harald Wilhelm. Davon entfielen 1,2 Mrd. Euro auf dieses Jahr. Auch die Aktionäre müssen Federn lassen: Die Dividende soll auf 90 Cent je Aktie reduziert werden nach 3,25 Euro im Vorjahr. Analysten hatten im Schnitt mit einer Dividende von 1,50 Euro je Aktie gerechnet. An der Börse notierten die Aktien allerdings mit 0,4 Prozent nur moderat im Minus.

Analysten zeigten sich bestürzt über die Lage des Konzerns: "Es wird Jahre dauern, bis Daimler wieder ein Renditeniveau erreicht, das man als Aktionär von einem Premium-Automobilhersteller erwarten darf", sagte Michael Muders, Portfoliomanager bei Union Investment, zu Reuters. "Wenn man Källenius eines zugutehalten will, dann Folgendes: Er weiß das und macht kein Geheimnis daraus." Seine Analyse, dass das Ergebnis der Van-Sparte inakzeptabel sei, teile er. Die Frage laute jedoch: "Wo bleiben die Konsequenzen für das Management?" Auch Stefan Bauknecht, Autoexperte beim Vermögensverwalter DWS, erwartet, dass der Margendruck im Automobilgeschäft anhält.

Die Rendite im größten Geschäftsfeld Mercedes Benz Cars (Pkw) war mit 3,6 Prozent noch nicht mal halb so hoch wie im Vorjahr. In den Boomjahren des vergangenen Jahrzehnts hatte Mercedes acht bis zehn Prozent Rendite als Ziel, doch von diesem hatte sich Källenius schon im November verabschiedet. Die Rendite im Pkw-Geschäft soll sich heuer auf mehr als vier Prozent erholen und bis 2022 über sechs Prozent klettern. Ein Loch in die Kasse riss die Van-Sparte, die 3 Mrd. Euro operativen Verlust machte. Hauptgrund dafür ist der Flop des Luxus-Pickups X-Klasse, den Mercedes seit rund zwei Jahren gemeinsam mit dem japanischen Autobauer Nissan produzierte. Das verlustträchtige Modell wurde jetzt eingestellt, was hohe Kosten verursachte.

Wirkliche Besserung erwartet Daimler im laufenden Jahr nicht: Der Konzernabsatz soll leicht sinken, der Umsatz auf dem Vorjahresniveau von knapp 173 Mrd. Euro (plus drei Prozent gegenüber 2018) verharren. Doch Daimler will weiter Milliarden in neue Modelle und Technologien stecken. Die Investitionen und Ausgaben für Forschung und Entwicklung sollen auf dem Niveau von 2019 von knapp 17 Mrd. Euro bleiben. Damit sei aber der Höchststand erreicht, erklärte Källenius. Heuer sollen weitere Elektroautos der Baureihe EQ auf den Markt kommen.

CFO Harald Wilhelm, Daimler-Chef Ola Källenius und Nutzfahrzeugvorstand Martin Daum neben einem MercedesVision EQS  SN/APA/dpa/Marijan Murat
CFO Harald Wilhelm, Daimler-Chef Ola Källenius und Nutzfahrzeugvorstand Martin Daum neben einem MercedesVision EQS

Mercedes hatte 2019 das erste Modell seiner vollelektrischen EQ-Familie, den EQC, auf den Markt gebracht, hatte aber auch dabei mit Anlaufproblemen zu kämpfen. Gelingt der Hochlauf bei Elektroantrieben nicht, drohen hohe Strafzahlungen, wenn der CO2-Grenzwert für die Neuwagenflotte nicht eingehalten wird.

"Ich bin zuversichtlich", sagte Källenius, aber garantieren könne er nicht, dass man die gut 100 Gramm CO2 pro Kilometer schaffe. Zuletzt lag die Daimler-Flotte bei etwa 137 Gramm. Eine wichtige Voraussetzung sei, dass man es schaffe, nun schnell weitere Linien für die Batteriefertigung hochzufahren. " Wir haben den Schalter mental umgelegt." Auf dem Weg zu CO2-neutralen Produkten sei die Devise jetzt - "Elektroautos zuerst." Zugleich wolle er den Verkauf von Modellen mit Benzin- oder Dieselmotoren nicht bremsen. Das Aushängeschild der Marke mit dem Stern, die profitable Luxuslimousine S-Klasse, kommt in neuer Auflage.

Quelle: Apa/Ag.

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