Wirtschaft

Das Ende einer Ära: Autofirmen rücken vom Diesel-Pkw ab

Die bevorstehende Leistungsschau der Autoindustrie in Genf wird einen in jüngster Zeit eingesetzten Trend verstärken - das Ende des Dieselmotors in Pkw.

Toyota auf dem Automobilsalon in Genf am 5. März 2018 – hier wird jener Messestand vorbereitet, auf dem überhaupt kein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu sehen ist. Hier sehen wir das Modell Mirai, dessen wasserstoffgespeiste Brennstoffzelle einen Elektromotor antreibt. SN/APA/AFP/HAROLD CUNNINGHAM
Toyota auf dem Automobilsalon in Genf am 5. März 2018 – hier wird jener Messestand vorbereitet, auf dem überhaupt kein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu sehen ist. Hier sehen wir das Modell Mirai, dessen wasserstoffgespeiste Brennstoffzelle einen Elektromotor antreibt.

Der japanische Autobauer Toyota will in Europa keine Diesel-Pkw mehr verkaufen. Die Auslaufphase werde schon in diesem Jahr beginnen, sagte Johan van Zyl, Präsident von Toyota Motor Europe, am Montag in Genf, wo in dieser Woche die Messe Genfer Autosalon beginnt.

"Wir werden keine neue Dieseltechnologie für Pkw mehr entwickeln, wir werden uns auf Hybride konzentrieren", fügte er hinzu. Bei Geländewagen oder leichten Nutzfahrzeugen soll es aber weiterhin auch Dieselversionen geben.

Im vergangenen Jahr hatten knapp 15 Prozent der in Europa verkauften Toyota einen Dieselmotor. 2012 waren es noch 30 Prozent. Seitdem sind die Verkaufszahlen für die Hybridmodelle von Toyota stark gestiegen.

Der japanische Autohersteller reagiert mit dem Verkaufsende auf die Dieselaffäre, die 2015 vom Volkswagen-Konzern ausgelöst wurde. Seitdem geriet die Dieseltechnologie immer stärker in Verruf - auch wegen des gesundheitsschädlichen Ausstoßes von Stickoxid.

Dies war ein schwerer Rückschlag für die Automobilindustrie, die jahrelang alles auf die Entwicklung des Diesel gesetzt hatte, um den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern.

Toyota wiederum gilt als großer Nutznießer des Dieselskandals. Seinen Absatz in Europa konnte der weltweit drittgrößte Autobauer im vergangenen Jahr um 14 Prozent steigern - der gesamte Automarkt wuchs um 3,4 Prozent. Maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte der Hybrid: Hier legte Toyota 2017 in Europa um 45 Prozent zu.

Auch andere Konzerne mustern den Diesel aus

Toyota ist allerdings nicht der einzige Hersteller, der von der Diesel-Technologie - zumindest auf dem Pkw-Sektor - abrückt. Die neuen Modelle des Kleinwagen-Produzenten Suzuki sind etwa ausschließlich als Benziner erhältlich.

Bei Fiat Chrysler hatte es zuletzt Spekulationen um einen ähnlichen Abschied vom Dieselmotor gegeben. Einen Bericht der "Financial Times" wollte das Unternehmen aber nicht kommentieren, demzufolge der Diesel bis zum Jahr 2022 aus all seinen Pkw verbannt werden solle. "Wir werden die Abhängigkeit vom Diesel substanziell verringern", sagte Konzernchef Sergio Marchionne am Dienstag auf dem Genfer Autosalon.

Der schwedische Autobauer Volvo hatte Mitte 2017 offiziell angekündigt, sich in den kommenden Jahren Schritt für Schritt von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren zu trennen: Von 2019 an werde jedes neue Volvo-Modell einen E-Motor haben, Diesel und Benziner sollen Schritt für Schritt durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden.

Der Chef des PSA-Konzerns (Peugeot, Citroën, Opel), Carlos Tavares, meinte zu den Dieselplänen: "Wenn es irgendwann nicht mehr genug Kunden gibt, die einen Diesel wollen, stoppen wir den Diesel. Aber das kommt auf die Kunden an."

Ein Benziner wie ein Diesel

Mazda hat unterdessen aufhorchen lassen, als der Konzern die Markteinführung eines Selbstzünder-Benziners ankündigte. Dieser soll 2019 erstmals zum Einsatz kommen.

Wichtigster Vorteil soll ein um rund 30 Prozent verbesserter thermischer Wirkungsgrad und damit ein entsprechend niedriger Kraftstoffverbrauch sein. Außerdem wird der Ausstoß von Stickoxid (NOx) und Ruß, der eine teure Abgasnachbehandlung nach sich zieht, massiv reduziert.

Technisch ist von einer "homogenen Kompressionszündung (kurz HCCI = Homogeneous Charge Compression Ignition)" die Rede. Dabei entzündet sich das Luft-Kraftstoff-Gemisch im Teillastbereich nicht direkt an der Zündkerze (wie beim Otto-Benzinmotor) oder am Einspritzstrahl (Diesel), sondern gleichzeitig an jeder Stelle im Brennraum.

Mercedes, Volkswagen, aber auch General Motors haben vor Jahren an dieser Technologie gearbeitet, offenbar aber keinen Durchbruch erzielen können. Mazda will es geschafft haben.

Ladenhüter Dieselauto?

Preisverfall bei Diesel-Fahrzeugen

Vor wenigen Tagen hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wegen der hohen Stickoxidbelastung in 70 deutschen Städten den Weg für Fahreinschränkungen freigemacht. Betroffen davon sind Dieselautos. Experten der Automobilbranche erwarten dadurch, dass die Verkaufspreise von Dieselfahrzeugen aufgrund zurückgehender Nachfrage abstürzen werden.

Volkswagen: Keine Zeit zu verlieren

Volkswagen will angesichts drohender Fahrverbote verstärkt sauberere Autos auf die Straße bringen. "Ganz kurzfristig geht es darum, jetzt effizientere und saubere Fahrzeuge in die Städte zu bringen, um die drängenden Probleme zu lösen", sagte Konzernchef Matthias Müller am Vorabend des Genfer Autosalons. "Die vergangenen Tage haben einmal mehr gezeigt: Wir dürfen dabei keine Zeit verlieren."

Laut Müller geht um ein ganzes Bündel an Maßnahmen, um die Luftbelastung zu senken. Es reicht vom Umtausch weiterer älterer Diesel in solche mit moderner Euro-6-Abgasnorm über den verstärkten Einsatz des Erdgasantriebs bis hin zu Elektroautos, die in größerer Zahl auf die Straßen kommen sollen. Allein in diesem Jahr wollen die Wolfsburger elf neue batteriebetriebene Modelle und Plug-In-Hybride auf den Markt bringen.

Im Sommer kommt etwa der Audi Q6 e-tron mit einer Reichweite von 500 Kilometern. Ab 2019 folgt der Porsche Mission E und der erste VW ID. Auch bei den Nutzfahrzeuge treibt Volkswagen die Elektromobilität voran: Der eCrafter geht im Herbst an den Start. Ebenfalls noch in diesem Jahr sollen die ersten elektrischen Citybusse der Töchter MAN und Scania getestet werden, deren Serienstart ist für 2019 geplant.

Volkswagen in Genf, das Auto einer neuen Ära: Der I.D. VIZZION zeigt das Konzept einer VW-Oberklasselimousine der nächsten Generation. SN/werkfoto/volkswagen
Volkswagen in Genf, das Auto einer neuen Ära: Der I.D. VIZZION zeigt das Konzept einer VW-Oberklasselimousine der nächsten Generation.

Auf dem Genfer Autosalon präsentiert Volkswagen fünf neue E-Modelle und zwei Hybridwagen, die an der Steckdose aufgeladen werden können. Als künftiges Flaggschiff enthüllen die Niedersachsen zudem die Studie eines selbstfahrenden Autos (ID Vizzion), das ohne Lenkrad auskommt.

Auf den Diesel will Volkswagen - wie viele andere Hersteller auch - nicht verzichten. Denn ohne Selbstzünder, so fürchten viele in der Branche, können sie die strengeren Ziele nicht erreichen, weil Dieselfahrzeuge weniger Sprit verbrauchen und daher weniger CO2 erzeugen. Durch die steigenden Verkaufszahlen von Benzinern leidet die C02-Bilanz. Die Nachrüstung älterer Dieselautos schließt Volkswagen nicht aus, hält sie aber für zu aufwendig und teuer. Der Verkauf von Elektroautos nimmt erst langsam Fahrt auf, auch weil es bisher noch keine flächendeckende Infrastruktur zum Nachladen gibt.

Quelle: Apa/Ag.

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Aufgerufen am 18.09.2018 um 09:31 auf https://www.sn.at/wirtschaft/welt/das-ende-einer-aera-autofirmen-ruecken-vom-diesel-pkw-ab-25039840

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