Wirtschaft

Deutsche Regierung könnte direkt bei Lufthansa einsteigen

Der deutsche Staat will zur Rettung der AUA-Mutter Lufthansa vor einer Pleite einem Magazinbericht zufolge mit 25,1 Prozent bei der Fluggesellschaft einsteigen. Das berichtete "Der Spiegel" unter Berufung auf Verhandlungskreise.

Hilfen im Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Euro SN/APA (dpa)/Boris Roessler
Hilfen im Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Euro

Derzeit werde über Hilfen von rund zehn Milliarden Euro verhandelt. 5,5 Milliarden Euro davon sollen in Form einer stillen Beteiligung fließen. Dafür verlange der Bund eine Garantiedividende von neun Prozent. Weitere 3,5 Milliarden Euro solle die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beisteuern. Aus deutschen Regierungskreisen verlautete, die Verhandlungen und Gespräche dauerten an. Die Lufthansa wollte den Bericht nicht kommentieren.

Im Zuge der Coronakrise ist der internationale Luftverkehr praktisch zum Erliegen gekommen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zufolge stehen bei der Airline die Jobs von 10.000 der zuletzt noch gut 130.000 Beschäftigten zur Disposition. Die Schweizer Lufthansa-Töchter Swiss und Edelweiss sicherten sich von der Schweizer Regierung bereits staatliche Garantien für umgerechnet 1,2 Milliarden Euro Kredit. Reuters hatte am Mittwoch von Insidern erfahren, dass es um ein Paket von neun Milliarden Euro Finanzhilfe ging - mit sechs Milliarden Euro staatlich garantierten Krediten von Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien, den Heimatländern der Lufthansa und ihrer Tochter-Airlines, sowie um rund drei Milliarden Euro Eigenkapital.

Nur mit Staatshilfe der vier Länder der Airline-Gruppe können eine Insolvenz der Lufthansa vermieden werden, erklärte Spohr in seiner im Voraus veröffentlichten Rede zur Hauptversammlung, die am Dienstag über das Internet abgehalten wird. Dank Finanzierungen, Kostensenkungen und striktem Liquiditätsmanagement beliefen sich die verfügbaren Mittel des Konzerns noch auf vier Milliarden Euro. "Unsere Liquidität wird in den nächsten Wochen weiter sinken. Und zwar deutlich."

Der Lufthansa-Chef spricht sich zugleich erneut dagegen aus, die staatlichen Finanzhilfen mit einer Mitsprache der Politik in dem Konzern zu verbinden. "Jetzt brauchen wir staatliche Unterstützung. Aber wir brauchen keine staatliche Geschäftsführung", will Spohr am Dienstag laut Redetext sagen. Die unternehmerische Entscheidungs- und Handlungsfreiheit des Managements müsse erhalten bleiben. Verantwortung gegenüber den Steuerzahlern, welche die geplante Hilfe ermöglichten, übernehme die Lufthansa, indem sie eine international wettbewerbsfähige europäische Airline-Gruppe bleibe. Die Lufthansa müsse in Zukunft noch gegen die großen Konkurrenten aus den USA, China und vom arabischen Golf ankommen. Dafür dürfe sich das Unternehmen nicht überschulden. "Die Politik ist aufgerufen, darauf zu achten, dass Hilfen nicht zu einer Schieflage im internationalen Wettbewerb führen."

Mit der Krise werden Spohr zufolge rein rechnerisch bei der Lufthansa die Arbeitsplätze von rund 10.000 Mitarbeitern überflüssig. Betriebsbedingte Kündigungen schloss er nicht mehr aus, auch wenn das Management so viele Beschäftigte wie möglich halten wolle.

Quelle: Apa/Ag.

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